Umgangsrecht – Wie oft darf ich mein Kind sehen?

Umgangsrecht, das Kind sehen.
Bild: © Andrey_Popov / shutterstock.com
Umgangsrecht, das Kind sehen.
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Eltern haben ein Recht auf Umgang mit ihrem Kind!
Die Frage nach dem Umgangsrecht mit dem Kind stellt sich vor allem nach einer Trennung bzw. Scheidung der Eltern. Das gemeinsame Kind bleibt bei einem Elternteil, während der andere sich auf gelegentliche Besuchskontakte mit seinem Sprössling beschränken muss. Ohne eine eindeutige Umgangsregelung ist dabei Streit zwischen den Eltern vorprogrammiert. Doch was sollte eine solche Umgangsregelung enthalten und welche rechtlichen Folgen hat der sog. Umgangsboykott des betreuungsberechtigten Elternteils?

Umgangsrecht – was ist das?
Nach § 1684 I BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) hat ein Kind das Recht auf den Umgang mit beiden Elternteilen.

Denn grundsätzlich ist davon auszugehen, dass der Kontakt mit den beiden zum Wohl des Kindes gehört, § 1626 III BGB. Nach § 1684 I Hs. 2 BGB, Art. 6 II 1 Grundgesetz ist das Umgangsrecht für die Eltern dagegen berechtigend und auch verpflichtend. Ob ein Elternteil sorgeberechtigt ist oder nicht, spielt also für das Umgangsrecht keine Rolle.

Regelmäßige Besuchskontakte
Die Häufigkeit und Dauer des Umgangsrechts ist gesetzlich nicht festgelegt worden – es ist vielmehr Aufgabe der Eltern, eine Umgangsregelung zu finden, die dem Kindeswohl dient und auch die Wünsche der Eltern einbezieht. Dabei ist etwa zu berücksichtigen: das Alter des Kindes, seine Belastbarkeit, die Stärke der Bindung an seine Bezugsperson, die Distanz der Wohnorte der beiden Elternteile sowie etwa deren Arbeitszeiten. So kann z. B. bestimmt werden, dass ein schulpflichtiges Kind alle 14 Tage den umgangsberechtigten Elternteil besucht und das Wochenende bei ihm verbringt. Häufigere Besuche des Kindes können ebenfalls vereinbart werden.
Können sich die Eltern allerdings nicht auf eine Umgangsregelung einigen, ist es möglich, das Familiengericht anzurufen und den Umgang von ihm verbindlich festlegen zu lassen. Im Übrigen ist ratsam, für klare Strukturen zu sorgen und eine feste Umgangsregelung zu vereinbaren – so kann unter anderem eine Entfremdung des Kindes vom umgangsberechtigten Elternteil verhindert werden. Übrigens: Das Umgangsrecht kann nicht nur durch persönliche Besuche ausgeübt werden, sondern z. B. auch per E-Mail, Video-Messenger oder Telefon. Entstehen bei der Ausübung des Umgangsrechts Kosten, z. B. Fahrtkosten oder Mehraufwendung für Lebensmittel, so muss sie in der Regel der umgangsberechtigte Elternteil tragen.
Ferien und Feiertage
Ferner sollten sich die Eltern darauf verständigen, an welchen Feiertagen das Kind mit dem umgangsberechtigten Elternteil Zeit verbringen darf. So können die Feiertage etwa aufgeteilt werden, indem das Kind z. B. an Heiligabend bei der Mutter bleibt und am ersten Weihnachtsfeiertag beim Vater. Darüber hinaus können die Schulferien aufgeteilt werden bzw. kann das Kind etwa während der Osterferien bei der Mutter, während der Pfingstferien dagegen beim Vater wohnen. Will der umgangsberechtigte Elternteil mit seinem Sprössling in den Urlaub fahren, kann der andere Elternteil das grundsätzlich nicht verbieten – ebenso wie die Wahl des Ferienortes. Fährt das Kind allerdings mit dem betreuungsberechtigten Elternteil in den Urlaub und fallen deswegen Besuchstermine aus, sollten die Eltern rechtzeitig eine Regelung dazu treffen, ob und wann die ausgefallenen Termine nachgeholt werden. Es sollte aber vermieden werden, diese Termine alle in eine Woche zu legen, um das Kind nicht zu überfordern.

Ein Umgangsboykott lohnt sich nicht!
Obwohl der betreuungsberechtigte Elternteil nach § 1684 II BGB verpflichtet ist, den Kontakt zwischen dem anderen Elternteil und dem gemeinsamen Kind zu dulden und zu fördern, kommt es immer wieder vor, dass er stattdessen versucht, jeglichen Umgang zu verhindern und das Kind gegen den Vater/die Mutter aufzuhetzen. Das kann aber schwerwiegende Folgen haben:
Der betreuungsberechtigte Elternteil kann sich zunächst einmal schadensersatzpflichtig machen. Hat der andere Elternteil z. B. Tickets für einen Freizeitpark gekauft und findet der Ausflug nicht statt, weil der betreuungsberechtigte Elternteil die Tür nicht aufmacht, muss dieser die Kosten für die Eintrittskarten erstatten. Verstößt er gegen eine Umgangsregelung des Familiengerichts, muss er darüber hinaus mit z. B. einem Ordnungsgeld oder mit der Anordnung einer Umgangspflegschaft rechnen, vgl. § 1684 III 3 BGB, die aber stets zu befristen ist. Außerdem riskiert der betreuungsberechtigte Elternteil mit einem schwerwiegenden Fehlverhalten – wie z. B. einem Umzug, um den Kontakt des Kindes zum anderen Elternteil zu unterbinden – unter Umständen die Verwirkung des Anspruchs auf nachehelichen Unterhalt nach § 1579 Nr. 7 BGB. Sofern diese oder andere mildere Mittel – etwa auch eine Therapieauflage – erfolglos bleiben und dem Elternteil weiterhin der Umgang mit seinem Kind verwehrt wird, kann das Familiengericht dem betreuungsberechtigten Elternteil bei drohender oder bereits eingetretener Kindeswohlgefährdung sogar teilweise das Sorgerecht entziehen.

Die aufgeführten Kommentare beziehen sich nicht auf den aktuellen Artikel sondern sind auf eine veraltete Version eines Beitrags zu diesem Thema zurückzuführen.

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Sandra-Voigt-Assessorin

Sandra Voigt
Assessorin, Redakteurin

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anwalt.de services AG

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