Die Kindes­wohl­gefährdung
Das Wohl von Kindern ist in vielerlei Hinsicht gefährdet. Kinder leben in einer bestimmten Umwelt, in einer bestimmten Gesellschaft, in ihren Familien. Auf jeder dieser drei sich beeinfl ussenden Ebenen gibt es spezifi sche Gefahren, denen Kinder ausgesetzt sein können.

In unserem Zusammenhang geht es um die Gefährdungen von Kindern in Familien und im familiären Umfeld. Das Diagramm soll dabei zweierlei verdeutlichen: Familien sind eingebettet in bestimmte Kontexte und es werden, wenn wir hier von Kindeswohlgefährdungen sprechen, bestimmte Gefahren ausgeklammert (etwa der Straßenverkehr, gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Umweltgifte).

Die fachliche Diskussion um das, was als Kindeswohlgefährdung gelten kann, hat ihre eigene Geschichte und dauert an. Der Begriff Kindeswohl selbst stammt ursprünglich aus der Rechtsprechung der Familiengerichte. Entscheidungen über das Sorge- und Umgangsrecht nach Scheidung der Eltern sollten sich am Kindeswohl orientieren. Noch bis in die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts hinein war, wenn es um Schädigungen von Kindern ging, überwiegend von Kindesmisshandlung die Rede und andere Formen der Kindeswohlgefährdung wie der sexuelle Missbrauch und die Vernachlässigung kamen erst nach und nach in die Diskussion. Heute werden alle Formen von Gefährdungen und Schädigungen unter dem Begriff Kindeswohlgefährdung gefasst, wobei hervorzuheben ist, dass Gefährdungen noch nicht Schädigungen sind, d.h. der Begriff hat auch präventive Implikationen. Gefahren sollen frühzeitig erkannt werden, um sie abwenden zu können. Zugleich wirft der Begriff ein Problem auf, insofern als man sich über bereits eingetretene Schäden bei Kindern vermutlich noch eher wird einigen können als über angenommene, zukünftig möglicherweise oder wahrscheinlich zu erwartende Beeinträchtigungen.

Definitionen
Kindeswohlgefährdung ist eine soziale Konstruktion, keine einfache Gegebenheit oder Tatsache, sondern ein Geschehen, das die professionellen Helfer in der Regel nicht selbst miterlebt haben.

A: (1) die Rechte und Bedürfnisse des Kindes;
(2) die Rechte und Verpflichtungen der Inhaber der elterlichen Sorge,
die staatlichen Rechte und Verpflichtungen, Kinder zu schützen.

B: (1) eine Handlung bzw. Unterlassung von Inhabern der elterlichen Sorge;
(2) soziokulturelle und fachliche Bewertungskriterien zur Beurteilung einer erheblichen Beeinträchtigung eines Kindes;
(3) professionelle Handlungsverpfl ichtungen, die im Kern auf hilfesystemischen Risikoeinschätzungen beruhen.

Quelle: Jugendamt Berlin-Neukölln

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