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Frage zum Tätigkeitsfeld der Beistandschaft


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    #1 Frage zum Tätigkeitsfeld der Beistandschaft in Rechtliches, Beihilfen, etc. 17.11.2015 18:47
    von sternchen1805

    Einen schönen guten Abend zusammen!

    Vielleicht kann mir hier jemand mit einem guten Rat zur Seite stehen.
    Vielen Dank für Ihr Interesse an meinem Beitrag.
    Ich berichte nun kurz und knapp…

    Mein Sohn (15J.) und ich sind in einen anderen Landkreis umgezogen.
    Das Jugendamt A hat die Beistanschaft auf meine Mitteilung hin abgegeben.
    Jugendamt B möchte nun, da ja mittlerweile die Rückstände beglichen sind und die Zahlungen laufen,
    die Direktüberweisung des Untehalts vom Kindsvater auf mein Konto.
    Begründung liegt im Verwaltungsabbau, ich müsse ihm eine Chance geben.
    Ich bin damit nicht einverstanden, da ich weiss, was dann passiert….
    Ich habe mich ausführlich begründet und warte nun noch auf Antwort.
    Habe ich ein Recht darauf, dass das Jugendamt weiter die Obhut über die Zahlungseingänge übernimmt?

    Es wäre super nett, wenn mich hier jemand über die aufklären könnte.
    Vielen Dank im Vorraus!

    Liebe Grüße!

    #2 RE: Frage zum Tätigkeitsfeld der Beistandschaft in Rechtliches, Beihilfen, etc. 22.11.2015 15:39
    von Fiete2

    Hallo Sternchen,
    gleich vorweg, eine Rechtsauskunft kann und darf Dir hier keiner geben, das wäre illegal, außer derjenige hätte zwei Staatsexamen in Jura. Und ich muß gestehen, daß ich von Barunterhaltsfragen wenig verstehe.

    Aber es fällt einiges auf an Deinem Beitrag, das m.E. hinterfragenswert ist. Ich vermute Du meinst mit der „Beistandschaft des JA“ tatsächlich eine sog. „Unterhaltsbeistandschaft“ eines Mitarbeiters der Barunterhaltsvorschussstelle, nach §55 SGB VIII. Die bezieht sich zwar vom Gesetrz her auf den Unterhalt, in der Praxis hat sie jedoch praktisch nichts damit zu tun. Um den naturalen Unterhalt des Kindes kümmern sich diese Leute i.d.R. überhaupt nicht, sondern verstehen sich lediglich als Inkassoleute, welche versuchen, angebl. aufgelaufene Schulden eines Elternteils ( fast immer des Vaters, gegen Mütter verweigern sich die sog. Beistände meist zu arbeiten ) einzutreiben. Der Beistand steht im Range eines gesetzlichen Vertreters ( also keines Rechtsbeistands! ), ist also vor Gericht Antragsberechtigt und kann die entsprechende Akte einsehen. V. dh. ist es sicherlich üblich, daß ein solcher Beistand seinen Job als relativ erfüllt betrachtet, wenn der Vater keine angebl. Schulden bei der Barunterhaltsvorschusskasse mehr hat. Eine recht fragwürdige Sache, da er eigentlich auch und sogar ganz besonders ( aus rechtlicher Sicht ) für den originären Unterhalt einzutreten verpflichtet wäre, also sich dafür einsetzen müßte, daß das Kind in angemessenem Rahmen vom Vater beherbergt, ernährt, bekleidet, gepflegt, angeleitet und auch begrenzt würde. Das ist Unterhalt, grob gesagt.
    Insofern eine ziemlich zwiespältige Situation, von der Du scheinbar nur sehr unvollständig informiert zu sein scheinst, wenn ich Dein Posting richtig verstehe. Das ist aber verständlich, denn auch diese Mitarbeiter des JA haben von ihrer rechtlichen Position und den damit verbundenen Befugnissen und Verpflichtungen üblicherweise keine Ahnung. Es wird Dich dementsprechend wahrscheinlich auch niemand darüber aufgeklärt haben, resp. falls doch, dann in mindestens ziemlich unvollständiger Weise

    Ich denke, daß normalerweise jeder Elternteil froh sein kann, wenn sein Kind nicht von ihm unbekannten Menschen gesetzlich vertreten ist, sondern vom Elternteil selbst. Und tatsächlich kannst Du in Barunterhaltsverfahren Deine elterliche Pflicht genau so gut selbst wahrnehmen, wie ein solcher Beistand. Genau wie in allen anderen Familiengerichtsprozessen, solange keine sog. KWG-Situation ( sog. „Kindeswohlgefährdung“ ) im Raume steht, welche das Gericht veranlasst, den Eltern Teile der Sorge ( zunächst vorläufig ) zu entziehen oder „ruhend zu stellen“.
    Daß Du meinst, Du wüßtest „was sonst passiert“, ändert daran erstmal nichts.
    Ich vermute mal, Du befürchtest, daß der Vater, möglw. aufgrund Deines Wegzugs, oder weil Du nicht auf amtlichem Briefbogen schreibst, in seinen Ersatzzahlungen unzuverlässig werden könnte. Das wirft Fragen auf.
    Warum befürchtest Du das? Könnte das mit Deinem Umzug zusammenhängen?
    Wie ist Eure rechtliche Position als Eltern? Wer übt ( ggf. eingeschränkt und falls ja, bezüglich welcher Sorgeteile – in Punkto Unterhalt ruht ja zumindest ein Teil Deiner und des Vaters Sorge, nämlich der des gesetzlichen Vertreters ) die Sorge aus?
    Ist der Umgang durch Deinen Umzug gefährdet, oder komplett neu regelungsbedürftig?

    Kurz und grob gefragt: Hat der Vater möglw. ernsthafte Gründe, sich übervorteilt zu fühlen ( wodurch eine Zahlungsverweigerung, nach üblicher Rechtsprechung, allerdings – leider – nicht begründet ist )? Oder rechnest Du einfach nur damit, daß er sich Dir ggü. nicht gerade Obrigkeitsfürchtig verhält?
    Zitat
    „Habe ich ein Recht darauf, dass das Jugendamt weiter die Obhut über die Zahlungseingänge übernimmt?“
    Der Satz gibt mir sehr zu denken, denn er scheint zu zeigen, daß Du zwischen Recht, Gesetz, Rechtsprechung und institutionellen Gepflogenheiten kaum unterscheidest.

    Ein Recht auf „Obhut“ in Geldfragen kann es gar nicht geben. Und es ist auch nicht „das JA“ welches Euer Kind gesetzlich in Unterhaltsfragen zu vertreten hat, sondern nur dieser Mitarbeiter.
    Du hast das Recht und die Pflicht, als gemeinsam oder allein sorgender Elternteil, Anträge in den wesentlichen Belangen des Kindes zu stellen, wenn dies erforderlich ist. Der JA-MA, der dafür zuständig ist, hat diese ( in diesem speziellen Fall, also nach § 55 SGB VIII ) zu bearbeiten, nicht mehr und nicht weniger. Die Entscheidung in Sachen Unterhalt ( oder besser, weil hier relevant: Barunterhalt, ein wichtiger Unterschied ) obliegt aber ihm allein, nicht dem Amt und Dir auch nicht, da Du diesen Sorgeteil auf eigenen Antrag hin an ihn abgegeben hast ( oder er vom Gericht entzogen wurde, was hier aber vermutlich nicht zutrifft ). Wenn der Vater also bis jetzt kooperationswillig war und auf den Unterhalt ( warum auch immer ) – ganz oder zu erheblichen Teilen – verzichtet und statt dessen Ersatzzahlungen geleistet hat, Du also in Vertretung des Kindes, als überwiegend betreuendender Elternteil, keinen akuten Anspruch auf Barunterhaltsvorschüsse vom Amt hast, mag der Beistand annehmen, daß er seinen Job ausreichend erledigt hat.

    Und wie gesagt: Eine Klage auf weiteren Barunterhalt des Kindes kannst Du selbst bei Gericht führen, wenn der Beistand diesen Sorgeteil wieder an Dich abgibt.

    Was hast Du denn in den angesprochen Punkten bis jetzt unternommen, um auf eine einvernehmliche Einigung mit dem Vater, nach §1626 BGB, hinzuwirken?
    Das Angebot des Beistands kann ja auch als ein Versuch verstanden werden, eine solche Einigung zu ermöglichen. Ich vermute mal, daß das die Begründung des MA für diesen Schritt sein könnte. Manche JA-MA haben ja doch schon mal die eine oder andere Fortbildung mitgemacht ( oder lesen ie regelmäßigen E-Mails ihres zuständigen LJA-Instruktors ) und es wäre, nach Deiner kurzen und etwas knappen Beschreibung, naheliegend, derartiges als wahrscheinlich zu erachten.

    Gruß……Fiete
    Respekt immer!
    Angst nie!

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