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Entziehung des Sorgerechts als bequeme Alternative zur Eingliederungshilfe


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    #1 Entziehung des Sorgerechts als bequeme Alternative zur Eingliederungshilfe nach § 35a SGB VIII? in Entwicklung, Gesundheit, Erziehung der Kinder 22.10.2014 10:14
    von Fiete2

    „Beantragen Jugendämter zu schnell die Sorgerechtsentziehung? Geben die Familiengerichte solchen Anträgen zu leichtfertig statt? Medienberichte der letzten Wochen deuten dies an. Unter anderem berichtete die ZDF Sendung Mona Lisa am 14.12.2013 über einen solchen Fall und interviewte einen ehemaligen Familienrichter zu diesem Thema.

    http://www.zdf.de/ML-mona-lisa/sorgerechtsentzug-wegen-mangelhafter-gutachten-vor-gericht-31120934.html

    Auch uns sind Fälle bekannt geworden, in denen anstelle der beantragten Eingliederungshilfen hastig das Familiengericht angerufen wurde, um bei ansonsten intakten Familienverhältnissen eine Entziehung des Sorgerechts durchzusetzen. Für die betroffenen Familien kommt dies einem Alptraum gleich.

    „Das Gesetz sieht vor, dass vornehmlich Hilfen in die Familien reingegeben werden, wenn Probleme da sind“, so der ehemalige Familienrichter Prof. Elmar Bergmann gegenüber dem ZDF. Es entsteht der Eindruck, dass die Jugendämter, wenn Eltern nicht mit den Vorstellungen der Behörde konform gehen, diesen vorschnell ein Erziehungsversagen unterstellen, und sich ihre Arbeit mit der Entziehung des Sorgerechts leicht machen wollen. Dies gilt insbesondere dann, wenn Eltern sich selbst mit einem Antrag auf Eingliederungshilfe nach § 35a SGB VIII hilfesuchend an das Jugendamt wenden, das Jugendamt jedoch hinsichtlich der Gestaltung der konkreten Hilfe andere Ansichten verfolgt und diese mit Hilfe des Familiengerichts durchsetzen will. Dies kann z.B. der Fall sein, wenn das Jugendamt gegen den Willen der Eltern eine stationäre Heimunterbringung durchsetzen will.“

    Weiterlesen (http://www.anwalt.de/rechtstipps/entziehung-des-sorgerechts-als-bequeme-alternative-zur-eingliederungshilfe-nach-a-sgb-viii_054932.html)
    Respekt immer!
    Angst nie!

    #2 RE: Entziehung des Sorgerechts als bequeme Alternative zur Eingliederungshilfe nach § 35a SGB VIII? in Entwicklung, Gesundheit, Erziehung der Kinder 26.10.2014 18:10
    von Tigress

    Lieber Fiete,

    hier hast Du ein Problem angerissen, mit dem sich unzählige Eltern beeinträchtigter Kinder herum schlagen. Die ambulanten Hilfen für sogenannte § 35a Kinder sind teuer und die Kassen der Landkreise mehr oder weniger leer. Kein Geringerer als der für uns zuständige Sachbearbeiter für diese Hilfen hat uns in Gegenwart unseres Beistandes vorgerechnet, warum alleine eine Fachkraft als Schulbegleiter teuerer sein kann als eine Heimunterbringung, und mit der Schulintegrationskraft alleine ist es selten getan. Oft kommt noch z. B. eine mehrjährige auf das Störungsbild abgestimmte Förderung dazu, die ebenfalls das Jugendamt tragen darf.

    Dabei muss es nicht unbedingt zu einem Sorgerechtsentzug kommen. Häufig genug reden die Jugendamtsleute mit Engelszungen auf die Eltern ein, versprechen ihnen großzügige Umgänge, eine auf das Kind abgestimmte Beschulung und natürlich die notwendigen Therapien. Oder es wird den Eltern eingeredet, dass ihr Kind endlich selbständig werden muss – wohlgemerkt handelt es sich nicht um einen gesunden Sechzehnjährigen, sondern um einen stark eingeschränkten Fünfjährigen. In der Hoffnung, das Beste für ihr Kind zu tun, geben viele Eltern ihr beeinträchtigtes Kind ab und wundern sich dann, dass das Kind kaum bis gar keine Einzeltherapien erhält, in einer Förderschule mit unpassendem Schwerpunkt landet und dass die Heimleitung die Umgänge erheblich erschwert.

    Von diesem Hintergrund aus kann nicht oft genug auf die von Dir hier angerissene Problematik hingewiesen werden.

    lg

    Tigress
    Verstanden werden ist schön, so es denn gelingen sollte.
    (Hans-Werner Henze)

    #3 RE: Entziehung des Sorgerechts als bequeme Alternative zur Eingliederungshilfe nach § 35a SGB VIII? in Entwicklung, Gesundheit, Erziehung der Kinder 09.12.2014 19:09
    von azrael

    kann ich nur bestätigen, es hängt natürlich stark vom jeweiligen jugendamt ab, aber im großteil der fälle die ich in den letzten jahren zu lesen bekommen habe, und das sind ein paar hundert, fing der stress mit dem antrag auf § 35a erst richtig an

    wobei die jugendämter das sehr geschickt steuern, um hilfen nach §35a zu bekommen, muss man ja erstmal anbieter finden, die das auch leisten, in der großstadt in der ich lebe, war damals das JA nicht in der lage auch nur einen zu finden, aber alle bieten hilfen nach §27 an, kundstück, wenn das zuständige JA keine hilfen nach §35a bewilligt, wird niemand der externen anbieter leute einstellen, die das können, andere schulen, wie zb. die Hebo schule in bonn (spezialisiert auf kinder mit ad(h)s und autismus) fliegen dann auf einmal auch aus der föderung

    wir erinnern uns:

    § 27
    Hilfe zur Erziehung

    (1) Ein Personensorgeberechtigter hat bei der Erziehung eines Kindes oder eines Jugendlichen Anspruch auf Hilfe (Hilfe zur Erziehung), wenn eine dem Wohl des Kindes oder des Jugendlichen entsprechende Erziehung nicht gewährleistet ist und die Hilfe für seine Entwicklung geeignet und notwendig ist.

    Aber diese praxis ist nicht erst seit gestern so, ich kann mich erinnern, das mir schon vor 12 jahren offen von der damaligen fallbearbeiterin in jugendamt gedroht wurde: “ entweder sie unterschreiben das jetzt, das ihre tochter ins heim geht, oder wir nehmen ihnen vor gericht das sorgerecht!“

    eingeschüchtert und irgendwo (damals) noch an das gute glaubend unterschrieb ich, mit verhängnisvollen folgen für meine tochter

    ich gab ein gesundes 8 jähriges kind, ein bißchen verwirrt ob der scheidung der eltern, fatalerweise damals fehldiagnostiziert (das schwere adhs, was ich damals schon vermutet hatte, wurde dann mit 14 zweifelsfrei nachgewiesen) , in ein heilpädagogisches heim, 4 jahre später (und auch nur weil ich ein druckmittel hatte gegenüber der heimleitung und beweise) bekam ich eine hochtraumatisierte 12 jährige zurück

    dannach hab ich zähne zeigen gelernt, mit den winkelzügen von JA mitarbeitern mithalten, und vor allem alles schriftlich zu machen, per mail oder fax und nie, niemals nicht eine einzige sekunde, ohne einen beistand beim JA zu sein…

    wir werden in den nächsten jahren noch viel mehr dieser fälle zu sehen bekommen, weil auf der einen seite ad(h)s und autismus bekannter werden, die eltern sich in gruppen und foren auch besser über ihre rechte informieren können, und seitens der politik leider dieser unseelige „muss-inklusions-durck“ herscht, auf den die schulen und lehrer aber wissens-und personalmäßig überhaupt nicht eingerichtet sind
    wähle deine feinde mit bedacht *nägel polier*

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