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Dieses Thema enthält 1 Antwort und 1 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Michael-Strerath vor 4 Jahre.

Antrag auf Vormundschaft von der Großmutter wurde nicht stattgegeben.


  • Anonym
    Anonym

    In diesem Fall stellte die Großmutter (48) einen Vormundschaftsantrag beim Familiengericht für ihr 9 jähriges Enkelkind, das sie all die Jahre großzieht. Damals noch zusammen mit ihrem Ehemann, der vor drei Jahren verstorben ist und seitdem alleine. Leibliche Mutter des Kindes ist ihre Tochter, mit 100-prozentigem Sorgerecht. Streitigkeiten um das Kind gab es nicht, da die Verteilung von Rechten und Pflichten klar verteilt war. Die Großmutter hatte alle Pflichten für das Kind und die Mutter alle Rechte und das Finanzielle: Kindergeld, Unterhaltsgeld usw., nach einer Erkrankung und einem Jobverlust hat die Großmutter ihre Tochter darum gebeten, dass sie wenigstens das Kindergeld für das Kind an sie weiterzuleiten. Dies hat die Tochter ein Jahr lang auch gemacht. Aber nach einem Streitigkeitsfall beendet. Auch der Kontakt wurde abgebrochen. Da die Großmutter weiter das Kind großzieht, ohne jegliche Rechte und finanzielle Unterstützung. Sie hat sich getraut, einen Antrag bei dem Familiengericht für eine Vormundschaft zu stellen. Was ihre Tochter nicht erfreut hat und bei dem Gerichtstermin wurde die Großmutter beschuldigt, alle möglichen „Sünden“ begangen zu haben. Die Tochter habe angeblich all die Jahre Kindergeld und Unterhaltsgeld an die Großmutter weitergeleitet. Beweise gibt es nicht. Fazit: Die Aussage der Kindesmutter wurde angenommen und es wurde entschieden, zum Wohle des Kindes, der seine Großmutter Mama nennt und weiter bei ihr leben wolle, weiter bei der Großmutter leben zu lassen, mit Bestellung von Betreuern und einen ausgegliederten Vormund. Die Frage ist: Was kann die Großmutter unternehmen, um ihre Unschuld zu beweisen und endlich die Vormundschaft zu bekommen?


  • Michael-Strerath
    Moderator
    Michael-Strerath

    Hallo „Anonym“,
    die Aussicht der Großmutter gegen den Willen der
    leiblichen Mutter die Vormundschaft übertragen zu bekommen
    läuft gegen Null. Etwas anders wäre es, wenn der Mutter
    das Sorgerecht entzogen bekäme. Doch auch
    hier entscheidet in letzter Konsequenz das Familiengericht
    über die Tauglichkeit der Großmutter als sorgeberechtigter
    Vormund. Zuständig ist hier der § 1685 BGB. Könnte durch
    die Übertragung der Vormundschaft auf die Großmutter
    ein neuer Konflikt mit der leiblichen Mutter entstehen, wird
    das Gericht einen außenstehenden Vormund benennen.
    Selbst wenn die leibliche Mutter das Sorgerecht hätte und
    würde versterben, geht nicht automatisch das Sorgerecht
    und Vormundschaft auf die Großeltern über. Es gibt hier
    keinen Automatismus, selbst dann nicht, wenn es vorher
    vertraglich zwischen den Kindeseltern und Großeltern
    so versucht wurde zu regeln. Insofern ist auch ein
    sogenanntes „Elterntestament“, nachdem es einen Automatismus
    geben soll für die Übertragung der Vormundschaft auf Verwandte
    eine irreführende Falschinformation.
    Stets entscheidet über die Tauglichkeit als Vormund /
    Sorgerberechtigung und Umgangstauglichkeit das Familiengericht,
    das dann in solchen Fällen das Jugendamt und den Gutachter
    hierzu anhört, bevor es eine Entscheidung trifft.
    Mitunter empfiehlt das Gericht auch vor Beschluss einen
    gemeinsamen Gang zur Mediation. Siehe hier: –>
    https://de.wikipedia.org/wiki/Mediation
    von Großeltern und den Kindeseltern.
    Beim hier vorliegende Fall hat zwar die Großmutter
    die Pflege des Kindes übertragen bekommen, das schließt
    aber nicht automatisch mit ein, dass sie auch das
    Sorgerecht/Vormundschaft übertragen bekommt.

    Für die Pflege des Enkel kann sie beim Jugendamt ein Pflegegeld
    durchsetzen. Siehe auch hier: —>

    http://www.lto.de/recht/hintergruende/h/pflegegeld-fuer-grosseltern-jugendamt-muss-auch-oma-und-opa-unterstuetzen/

    Das Kindergeld verbleibt i.d. R. weiter bei der Kindesmutter.

    Anders bei dem Umgangsrecht, in aller Regel haben die
    Großeltern grundsätzlich ein Umgangsrecht, vor allem
    wenn ein guter emotionaler Kontakt zum Enkel besteht.
    Wenn die Kindesmutter aber nachweisen kann oder das
    Familiengericht zur Erkenntnis kommt, dass dieser
    Umgang dem „Kindeswohl“ abträglich ist, kann den Großeltern
    auch das Recht auf Umgang verwehrt werden. Die
    Definitionshoheit zum Begriff „Kindeswohl“ liegt letztendlich
    beim Familiengericht ( Justiz) , Jugendamt und Gutachter.

    Siehe auch hier :

    http://www.ndr.de/ratgeber/Umgangsrecht-Grosseltern-unerwuenscht,grosseltern122.html

    Die „ausgegliederte Vormundschaft“ wurde sinnvoller Weise
    eingerichtet um die Rechte des Kindes zu wahren in einem solchen
    Konfliktfall zwischen Großmutter und ihrer Tochter. An diesem Beschluss
    wird sich auch kaum durch ein Klageverfahren was ändern. Wenn die
    Tochter in einem Alter von 14 Jahren beim FG antragsberechtigt wird
    besteht Aussicht, die Vormundschaft u.U. auf die Großmutter übertragen
    zu bekommen.

    Dipl.-Päd., Dipl. Soz.-Päd. Michael Strerath
    Erziehungswissenschaftler und Sozialpädagoge
    -Experte für Erziehung und Soziales
    -Krisenintervention für Jugendliche in Not

    Liebe, Arbeit und Wissen sind die Quellen unseres
    Daseins. Sie sollen es auch regieren.
    ( Wilhelm Reich, Psychoanalytiker )

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