Vater, ledig, fordert Sorgerecht
Hagen. Uwe Depping hat zwei Töchter, die er fast so häufig wie die Mutter betreut. Doch er mag nicht länger „Befehlsempfänger” sein und klagt für ein geteiltes Sorgerecht.
„Warum ist die Mama so gemein zu dir?” Damals ist seine Jüngste gerade sechs. Die unschöne Szene vor der Haustür hat ihr Angst gemacht. „Du hast mir gar nichts zu sagen”, hatte die Mutter seiner beiden Töchter ihm an den Kopf geworfen, ,,vergiss nicht, du hast kein Sorgerecht”. Es ging wie immer um eine nicht eingehaltene Verabredung. Seine ehemalige Partnerin hatte sich willkürlich über eine feste Ferienplanung hinweg gesetzt. Am liebsten hätte er seiner Tochter damals erklärt, warum die „Mama gemein” war, und warum er sich das gefallen lässt. Gefallen lassen muss. Aber er schwieg. Um nichts zu riskieren. Um seine Kinder weiterhin sehen zu dürfen.
Uwe Depping ist ein lediger Vater, der sich seit Jahren um das Sorgerecht für seine Töchter bemüht. Seit dem Urteil des Straßburger Gerichtshofes für Menschenrechte hat er neuen Mut gefasst, dass sein Wunsch in Erfüllung gehen könnte.
Denn Ende 2009 entschieden die Richter, dass die deutsche Regelung, bei der ledige Väter nur mit Zustimmung der leiblichen Mutter das Sorgerecht erhalten können, diskriminierend ist. Vor diesem Hintergrund hofft Uwe Depping, dass es in Deutschland bald vorbei sein könnte mit der einseitigen Bevorzugung der Mutter. „Mir geht es um Gerechtigkeit. Nur weil ich Vater bin, darf ich nicht benachteiligt werden. Ich will keinen Streit mit der Mutter.”
Sandkastenliebe
Dabei hätte es sich der 46-Jährige nie träumen lassen, dass es mal so kommen würde. Seine Sandkastenliebe und er schienen wie füreinander geschaffen. Sie kannten sich, gingen zunächst selbstständige Wege, die schließlich in einer Beziehung mündeten. Irgendwann beschlossen sie, Kinder zu bekommen. Die Grundschullehrerin und der angehende Lehrer setzten ihre Vision in die Tat um, und vor 14 Jahren erblickte die erste Tochter das Licht der Welt. Das Paar lebte nun mit Verstärkung unter einem Dach. Alles war prima, und das zweite Kind war auch schon im Gespräch. ,,Von Heirat war nie die Rede”, sagt Uwe Depping. Das Wort Sorgerecht war ihm gänzlich unbekannt. „Es lief gut, ich machte mir keine Gedanken, dass mal alles anders werden würde. Ich war verliebt. Heute würde man sagen, das war naiv.”
Das Ende leiteten die Partner Ende 2002 ein. Zunächst nur räumlich. Doch für die Kinder sollte es keine Konsequenzen haben. Zwei bis drei Tage in der Woche plus geteilte Wochenenden verbrachten sie beim Vater. „Wir sind noch als komplette Familie in den Urlaub gefahren. Es war ganz harmonisch.” Bis zu jenem Tag, als der Deutsch- und Spanischlehrer Post vom Jugendamt erhielt. Die Mutter beschwere sich über zu geringe Unterhaltszahlungen, wurde ihm mitgeteilt. ,,Ich war erschüttert. Kein Wort hatte sie darüber verloren. Plötzlich war alles geschäftsmäßig.” Warum es so kam, darüber kann Uwe Depping nur spekulieren: „Zeitgleich zu dieser neuen Forderung trat ein neuer Mann in das Leben meiner ehemaligen Freundin.”
Gespräch beim Jugendamt
Plötzlich wollen die Kinder öfter beim Vater sein. Weil an ein Gespräch mit seiner Ex-Partnerin nicht zu denken ist, setzt er auf eine moderierte Begegnung durch das Jugendamt. Doch dort erlebt er, wie das hohe Lied auf die heilige Mutter gesungen wird. Als er das gewünschte Sorgerecht zur Sprache bringt, unterbindet die Jugendamtsmitarbeiterin den gewünschten Dialog mit der Bemerkung. „Das würde ich ablehnen. Wenn Väter einmal das Sorgerecht haben, nutzen sie das aus.”
Kein Befehlsempfänger
Bis zum heutigen Tage hat sich nichts geändert, außer dass Uwe Depping seine beiden Töchter noch häufiger betreut als früher. „Das hat sich weder auf den Unterhalt, noch auf das Sorgerecht ausgewirkt.” Doch ans Aufgeben, trotz mehrerer Niederlagen vor Gericht, denkt Depping nicht. Juristisch will er durchsetzen, das geteilte Sorgerecht zu erhalten. In mehreren Aktenordnern hat er dokumentiert, wann, wo und wie lange er Zeit mit seinen Töchtern verbringt. Damit will er beweisen, dass er fast zu gleichen Anteilen wie die Mutter seine Kinder in den vergangenen Monaten betreut hat.
Seine aktuelle Sorgerechts-Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe wurde zumindest zur Kenntnis genommen. Drei Tage nach dem Urteil von Straßburg wurde ihm schriftlich mitgeteilt, dass sein Schriftstück auch an das Land NRW weitergeleitet worden sei. „Ich möchte nicht länger Befehlsempfänger sein, weil mir die Kindsmutter sonst den Kontakt zu meinen Töchtern entziehen könnte. Ich will einfach mein Recht, das mir als Vater zusteht.”
Quelle: derwesten.de – 11.01.2010 – Von Silke Hoock
Link zum Pressebericht: www .derwesten.de/waz/rhein-ruhr/Vater-ledig-fordert-Sorgerecht-id2372356.html























