Archiv für die ‘Vaterschaft’ Kategorie

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Ohnmächtige Wut im Kampf um Tochter

Freitag, Juli 24th, 2009

Kampf um das Sorge- und : Ein Vater steht vor , weil er seiner Ex-Freundin und deren neuem Freund nachgestellt hat. Der Angeklagte ist verzweifelt, weil er seine Tochter nicht in gewünschter Weise sehen kann.

Köln – „Seit zwei Jahren bettele ich und krieche im Dreck, damit ich mein Kind sehen kann“, sagte Harald G. am Donnerstag zu seinem geballten Frust. Nicht nur einmal kamen ihm in Saal 217 des Amtsgerichts vor ohnmächtiger Wut die Tränen. „Soll ich meine Tochter etwa vergessen?“

Im Kampf um das Sorge- und Umgangsrecht für seine sechsjährige Tochter Jessica hatte der 31-Jährige schon oft mit der Justiz zu tun. Zu seinem Nachteil, wie sein Geschimpfe auf den „Rechtsstaat“ deutlich machte. Dieses Mal musste er sich wegen Nachstellung und Beleidigung verantworten. Zunächst gab er nur einen Teil der acht Fälle zu, schließlich trat er der Anklage insgesamt nicht mehr entgegen. 900 Euro Geldstrafe muss er zahlen.

Harald G. lebt in Bautzen, arbeitet selbständig im Innenausbau und hat inzwischen mit einer neuen Lebensgefährtin eine zweite, ein Jahr alte Tochter. Bis zum Sommer 2007 habe er mit seiner ehemaligen Freundin Monika T. (alle Namen geändert) in einer „eheähnlichen Gemeinschaft“ gelebt, sagte er, bis sie „das gemeinsame Haus über Nacht verlassen hat“.

Dass „alle Kosten an mir hängen blieben“ und es deshalb „Ärger mit dem Finanzamt“ gab, sei nicht das größte Übel gewesen. Am meisten habe ihn geschmerzt, dass er Jessica nicht mehr habe sehen können. Von Emotionen überwältigt schilderte der Mann, wie er „ausgetrickst“ worden sei. Geblieben ist ihm nur das vorläufige Recht auf gelegentlichen „begleiteten “ – das sei viel zu beschränkt, protestierte er. Außerdem könne er aus finanziellen Gründen für einen Besuchstermin nicht 630 Kilometer nach Köln fahren. Deshalb habe er das Kind nun ein ganzes Jahr lang nicht mehr gesehen. Wieder kamen ihm die Tränen.

Monika T. lebt inzwischen mit einem schwerstbehinderten Mann zusammen, der sich in einem elektrischen Rollstuhl fortbewegt. Auch auf ihn richtet der Vorgänger seine Wut; denn der 48-Jährige habe manchmal „gelacht und aufgelegt“, wenn Harald G. am Telefon gebeten habe, mit Jessica zu sprechen. In einer Mailbox-Nachricht Ende Juli vergangenen Jahres beschimpfte der Angeklagte seine Ex-Lebensgefährtin als „dumme dreckige Hure“. Bei späteren Anrufen bezeichnete er ihren Freund mal als „pädophil“, mal als „Krüppelschwein“. An einem Augustmorgen passte er trotz eines Kontaktverbots Monika T. ab, als sie mit Jessica das Haus verließ, nannte sie „Miststück“ und versetzte ihr einen Stoß, so dass sie und das Kind vom Fahrrad fielen. Ein andermal sprang er über den Gartenzaun, stürzte auf den Balkon des Paars, trommelte gegen die Tür und brüllte Beleidigungen. Monika T. und ihr Partner, so heißt es in der Anklageschrift, seien „schwerwiegenden nervlichen Belastungen“ ausgesetzt gewesen.

Bei allem Verständnis für seine Aufgewühltheit empfahl die Amtsrichterin Harald G. eindringlich, sein Verhalten zu ändern – auch zum Wohl der Tochter, das ihm offensichtlich wichtig sei: „Sie machen das Kind kaputt, wenn sie in dieser Weise weiter an ihm herumzerren.“

Quelle: ksta.de – 23.07.2009 – Von Clemens Schminke
Link zum Pressebericht: www .ksta.de/html/artikel/1246883695671.shtml

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Schlafbörse für Scheidungsväter

Samstag, Juli 18th, 2009

Wenn Papa sein Kind besucht / Kirchliches Netzportal vermittelt preisgünstige Unterkünfte

München (epd). Mit einem ungewöhnlichen Service will die evangelische Kirche die Besuche von getrennt lebenden Väter bei ihren Kinder erleichtern. Der Kirchenkreis München und Oberbayern hat ein Internetportal geschaffen, das kostenlose Schlafplätze am Wohnort des Kindes vermittelt. Denn: Viele Betroffene können sich nach Abzug des Unterhalts Fahrt- und Hotelkosten nicht mehr leisten. Die Kontakte zum Kind drohen einzuschlafen.

“Papa wohnt am Bodensee. Er besucht mich jedes Wochenende. Aber das geht nur im Sommer, denn da kann er im Auto schlafen. Kannst du da was machen?” Der Wunsch, den der neunjährige Sven seiner Religionslehrerin Annette Habert im vergangenen Sommer mit auf den Weg gegeben hat, geht nun in Erfüllung.

Die Beauftragte für Alleinerziehendenarbeit im evangelischen Kirchenkreis München und Oberbayern hat das Projekt »Mein Papa kommt« ins Leben gerufen. Ab sofort vermittelt es alleinlebenden Vätern einen kostenlosen Schlafplatz am Wohnort ihres Kindes.

Die Idee ist einfach: Auf einer Internetseite registrieren sich Menschen, die ihr Gästezimmer ein Wochenende lang als Schlafplatz zur Verfügung stellen. Väter oder im selteneren Fall auch Mütter, die ihr Kind besuchen wollen, tragen sich ebenfalls ein, und Habert bringt beide Seiten zusammen. 15 potenzielle Gastgeber hat sie in München auf die Schnelle gefunden.

Svens Beispiel ist kein Einzelfall

Im Gespräch mit Beratungsstellen und Väterinitiativen erfuhr die Religionspädagogin, dass Svens Beispiel kein Einzelfall ist. “Viele Väter können sich nach Abzug der Unterhaltszahlungen die Fahrtkosten und ein Hotelzimmer einfach nicht leisten”, sagt die 48-Jährie. Weil Frauen nach einer häufig in ihren Heimatort zurückkehrten, gebe es für die Väter oft kein Netz von Freunden oder Verwandten, auf das sie zurückgreifen könnten. Viele pendeln deswegen endlose Strecken im Auto – oder lassen im schlimmsten Fall den Kontakt zum Kind einschlafen.

Die Initiatorin verzeichnet erste Erfolge “Beide Parteien sollen sich sicher fühlen; die Gastgeber sollen nicht für einen Rahmen sorgen müssen”, erläutert Habert das Regelwerk: Der Vater hinterlegt bei der Koordinationsstelle eine amtlich beglaubigte Kopie des Personalausweises. Festgelegt ist zudem, dass er die Zeit mit seinem Kind nicht bei den Gastgebern verbringt. Auch Ankunfts- und Abreisezeiten sind geregelt.

Die Initiatorin kann erste Erfolge verzeichnen. “Vor Kurzem rief ein Vater aus München bei mir an, dessen Tochter in einer norddeutschen Kleinstadt lebt”, berichtet sie. Habert telefonierte mit dem dortigen Pfarramt, schilderte die Situation und bat um Unterstützung. Die folgte prompt: Das Anliegen wurde nach dem nächsten Gottesdienst angekündigt – sofort meldeten sich drei Gastgeber.

Haberts Ziel ist es, Kindern einen angemessenen mit Trennung und Abschied zu ermöglichen. “Jedes Kind bleibt innerlich verbunden mit Vater und Mutter”, sagt die Pädagogin. Bundesweit sei jedes sechste Kind ein Trennungskind. “Sie müssen erleben: Es geht zwar alles ganz anders weiter – aber es geht weiter!”, sagt Habert. Und die Idee zieht Kreise: “Vergangene Woche hat die Stadt Köln bei mir angerufen und sich für das Konzept interessiert.”

www .-evangelisch.de

Quelle: epd sozial Nr. 29 – 17. Juli 2009 – Von Susanne Petersen
Link zum Pressebericht: www .epd.de/sozial/sozial_index_66718.html

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Ausgeschmierte Männer

Freitag, Juli 17th, 2009

Douglas Wolfspergers Dokumentarfilm „Der entsorgte Vater“ klagt an
Organisiert hatte den Abend der „Väteraufbruch“, eine Interessengemeinschaft, die sich für ein gemeinsames nach und einsetzt. Aber es waren beileibe nicht nur Männer, die am Montag Douglas Wolfspergers Dokumentation „Der entsorgte Vater“ im Waldhorn sehen wollten.

Jetzt erschien das Bild von Wolfspergers Tochter also doch im Film, obwohl derzeit darum gestritten wird vorm Landgericht Düsseldorf, weil das Foto angeblich „eine emotionale Nähe zu mir dokumentiert, die so nicht mehr herüberkommen soll.“ Eine Fußnote eigentlich, wäre sie nicht zugleich auch symptomatisch für die bisweilen erschreckende Energie, mit der zerstrittene Paare um Kinder zanken.

Kein Zweifel: „Der entsorgte Vater“ ergreift einseitig Partei und verschweigt dies von Anfang an nicht. Wolfsperger lässt vier Männer zu Wort kommen, die es teils noch härter getroffen hat als ihn selbst. Einen Ex-Realschullehrer in seinen Sechzigern etwa, der seine Frustration mittlerweile zu politischer Arbeit im „Väteraufbruch“ sublimiert hat. Er erzählt davon, dass seine längst erwachsene Tochter im selben Betrieb wie er Praktikum machte, ihn aber selbst in dieser Situation mied.

Und ein anderer Vater berichtet, dass auf Betreiben seiner ehemaligen Frau wegen sexuellen Missbrauchs gegen ihn ermittelt wurde. Ein Freispruch erster Klasse nützte ihm aber nichts: Obwohl es ihr unter Androhung von Zwangsgeldern auferlegt wurde, betreuten Umgang des Vaters mit der Tochter zuzulassen, weiß die Mutter den ersehnten Kontakt immer wieder zu hintertreiben.

Die Mutter tritt nur auf als Kinderbesitzerin
Einzig in seinem Fall fließen Tränen. Ansonsten befleißigen sich die Männer eines eher abgeklärt resignierten bis verhalten kämpferischen denn offen larmoyanten Tonfalls, und auf allzu suggestive Bilder hat Wolfsperger weise verzichtet. Ihren vorgeblichen Anspruch, die Interessen der Kinder zu artikulieren, löst diese Dokumentation allerdings nicht ein: Sie bietet fast nur Männerbefindlichkeiten ein Forum. Und selbst die einzige auftretende Mutter scheint bloß in den Film aufgenommen, um den Archetyp der „Kinderbesitzerin“ zu verkörpern, für die Partner auf Dauer nicht mehr sind als „Samenspender“.

Erz-Trauma fast aller dieser um ihr Vatersein geprellten Männer aber ist es, dass die Kinder (im Film sind es zufälligerweise durchweg Töchter) irgendwann von sich aus keinen Wert mehr auf Nähe legen. 40 Prozent aller Väter in Deutschland, sagt die Statistik, haben ein Jahr nach der Trennung keinen Kontakt mehr zu ihrem Kind, nicht wenige davon trotz eigener Bemühungen darum.

In einem der leider raren analytischen Momente im Film versucht sich eine Vertreterin des Kinderschutzbundes daran, die psychologischen Mechanismen hinter dieser fast programmierten Entfremdung nachzuvollziehen: „Die Mütter glauben wirklich, es sei für die Kinder das Beste, wenn sie ihren Vater nicht mehr sehen. Und die Kinder haben Angst, nach dem einen auch noch den anderen Elternteil zu verlieren. Deshalb tun sie alles, damit es nicht dazu kommt.“

In welchem juristischen Rahmen sich so ein De-Facto-Kindesentzug vollzieht, leuchtet der Film nicht annähernd aus. Es wird lediglich über eine einseitige Rechtssprechung und „gnadenlos“ den Müttern beistehende geklagt. In der äußerst lebhaften Diskussion mit Douglas Wolfsperger machten Betroffene ihrem Unmut darüber Luft, dass in puncto Väterrechte Deutschland eine „Bananenrepublik“ sei, der „Umgang mit Kindern in dieser Gesellschaft barbarisch.“

Auch Vertreter der angegriffenen Zünfte meldeten sich. „Der helle Wahnsinn“ walte oft zwischen verkrachten Ex-Partnern, bestätigte Christine Bauer, die beim Kreis Tübingen Jugend- und Familienberatung macht. Aber: „Wir versuchen, mit den einen Vertrag zu schließen, der ein Mindestmaß an Umgang mit den Kindern sichert.“

Blockiert wird oft auf subtile Art
„Mit Zwang geht da wenig“, pflichtete Familienrichter Burghart Heusch bei: „Der Vorwurf an uns geht fehl, denn die Mütter blockieren und verhindern auf subtile Art. Zwangsgelder sind wegen der ökonomischen Situation der Frauen oft nicht vollstreckbar. Sollen wir sie dann ins Gefängnis schicken?“

Es werde zu wenig von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, hartleibigen Müttern einen Teil des Sorgerechts abzunehmen und einen Umgangspfleger einzusetzen, kritisierte der Regisseur. Auch eine zum September in Kraft tretende Gesetzesänderung, die Eltern schneller an einen Tisch zwingt als bisher, beurteilt Wolfsperger skeptisch: „Die Gerichte sind jetzt schon überlastet.“

Info
„Der entsorgte Vater“ läuft von Donnerstag bis Sonntag, 16. bis 19. Juli, jeweils um 18.30 Uhr im Waldhorn. Link zur Website der Initiative „Väteraufbruch“: www.vafk-es.de

Quelle: tagblatt.de – 15.07.2009 – Von willibald ruscheinski
Link zum Pressebericht: tagblatt.de/3262753/Nachrichten/Rottenburg

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Zwei Männer, ein Kind

Mittwoch, Juli 1st, 2009

Simon Becketts Thriller „Obsession“ handelt vom Desaster der

Das Leiden der abgeschafften Väter geht gelegentlich durch die Presse, wie auch die Leiden der überforderten alleinstehenden Mütter immer wieder für Aufsehen sorgen. Trennen sich hier die Klagewege der Geschlechter, ist das Entsetzen über geschändete Kinder mittlerweile zum Generalbass der moralgesäuerten Öffentlichkeit geworden: Ein nach verbüßter Haft entlassener Kinderschänder wird aus dem Dorf vertrieben, in dem er bei Verwandtschaft Unterschlupf gefunden hatte. Die Sperrung von Kinderpornoseiten findet grandiosen Beifall. Die Vernachlässigung von Kindern, die zum Teil bis zu deren Tod geführt hat, sorgt immer noch für mediales Aufsehen und demonstratives Entsetzen. Die Sorge ums Kind scheint also auch in unserer angeblich so verrohten Gesellschaft immer noch eines der zentralen Themen zu sein, unabhängig davon, ob es sich hier nur um die nächste Sau handelt, die durchs Mediendorf getrieben wird, oder um virulente Probleme der Strafverfolgung und Verbrechensvermeidung. Das führt naheliegend auch zu merkwürdigen Konjunkturen im Kriminalgenre.

Während im Krimi Macht- und Kindesmissbrauch in der Regel eng verknüpft werden, hat der englische Krimiautor Simon Beckett einen anderen Ansatz gewählt. Ihm geht es um eine Art leidenschaftlicher Vaterschaft und um die Konfrontation von gleichermaßen gerechtfertigten Ansprüchen, die allerdings keinen Ausgleich möglich machen.

Der Entwurf: Ben ist erfolgreicher Fotograf, verheiratet und hat ein Kind, das seine Frau mit in die Beziehung gebracht hat. Alles läuft soweit ungemein gut, eine glückliche Ehe, woran sich auch nichts ändert, als sich herausstellt, dass Jacob, so der Name des Jungen, ein Autist ist. Der mit dem Jungen ist schwierig, er hat seine festen Routinen, die mit ungemein großer Regelmäßigkeit eingehalten werden sollen, seine Außenwahrnehmung ist ansonsten stark reduziert. Dennoch sind Ben, Sarah und Jacob nicht nur eingespielt, sondern glücklich. Vieles könnte besser sein – aber so wie es ist, hat jeder seinen Platz und alles ist gut. Bis Sarah eines Tages unvermittelt stirbt. Nicht dass das irgendetwas an Bens Zuneigung für Jacob ändern würde. Auch wenn die Verantwortung für den Jungen nun allein auf ihm lastet, wird er ihr in aller seiner Niedergeschlagenheit doch gerecht.

Alles ändert sich jedoch in dem Moment, in dem Ben eine Kassette findet, in der Sarah Zeitungsausschnitte aufbewahrt hat, die vom Verschwinden eines Jungen direkt nach der Geburt berichten. Der fragliche Junge ist am selben Tag geboren wie Jacob. Ein erster böser Gedanke ist da. Kurz danach erfährt Ben von einer engen Freundin Sarahs, einer Hebamme, dass dieser absurde Gedanke der Wahrheit entspricht: Sarah hat den Jungen aus Verzweiflung entführt und für ihr eigenes Kind ausgegeben. Ihr eigenes Kind hat sie nach einer Fehlgeburt auf einer öffentlichen Toilette in Panik in einen Mülleimer gelegt. Es blieb verschwunden.

Ben kann es nicht glauben und muss es doch, zu ähnlich ist der leibliche Vater Jacob. Bens zögerlicher Versuch, die leiblichen zu finden, enden im Fiasko. Der Detektiv, den er engagiert, versucht ihn zu erpressen und geht, als Ben sich nicht darauf einlässt, zum Vater, einem ehemaligen Soldaten, der auf einem Schrottplatz arbeitet und der mittlerweile in einer neuen Ehe mit einer ehemaligen Prostituierten lebt. Ben bleibt nichts anderes übrig, als zur Polizei zu gehen und den Kindesdiebstahl anzuzeigen. Jacob wird, nach langem hin und her (mit dem erwarteten Medienspektakel) seinem leiblichen Vater übergeben (die Mutter ist lange tot), Ben erhält ein Besuchsrecht.

Soweit könnte alles geregelt sein, Ben könnte ein bisschen leiden und zugleich erleichtert sein, weil er die Last mit Jacob los ist. Aber wie es so geht: Von der Last befreit, meldet sich die in Trauer, Entsetzen und Stress ein wenig untergegangene Vaterliebe mit Macht zurück. Außerdem verweigert Cole, der leibliche Vater, Ben das eingeräumte Besuchsrecht und zeigt sich als gewalttätiger Psychopath, der beinahe ebenso autistisch agiert wie sein Sohn. Naheliegend kommt es dann zum großen Desaster, bei dem es ein kleineres Massaker gibt. Am Ende steht dann zwar ein kleines Happy End, aber dennoch bleibt ein Unbehagen.

Gut, das Spiel mit dem Ziehvater in der Zwickmühle ist erlaubt, warum auch nicht? Allerdings erlaubt sich Beckett eine Zuspitzung, die denkwürdig ist, wenn nicht gar zweifelhaft. Aus dem ganzen Thriller wäre nichts geworden, wenn Cole nicht der Verrückte wäre, der er im Roman ist. Aber dass Beckett diesen Kunstgriff wählt, um seinen Roman eskalieren lassen zu können, ist nicht plausibel. Ein normaler Cole, der in einigermaßen gesetzten Verhältnissen lebte, mit hinreichendem Intellekt und ausreichender geistiger Gesundheit gesegnet wäre, hätte sich möglicherweise mit Ben, der ja an allem unschuldig und unwissend dazu ist, ein wenig gestritten. Am Ende wäre aber daraus möglicherweise eine Art Patchwork-Familie wie in Nick Hornbys „About a Boy“ geworden. Das aber hat Beckett nicht gereicht, wohl weil dringend ein Thriller draus werden sollte. Und so muss der Verrückte nicht nur durchgeknallt, sondern auch stark sein, und sein Sohn all das auch noch geerbt haben. Als Konstruktion ist das vielleicht halbwegs funktionstüchtig, und dennoch bleibt ein ,Geschmäckle‘ übrig, das dem Buch nicht gut tut.

Diese und andere & finden Sie unter unserer Rubrik: Bücher & Lektüren. Einfach und sicher online bestellen!

Quelle: literaturkritik.de – 30.06.2009 – Von Walter Delabar
Link zum Pressebericht: http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=13171

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Buchvorstellung: „Nicht ohne Leoni“

Samstag, Juli 5th, 2008

Das vorliegende Buch „Nicht ohne Leoni“ befasst sich mit einem Fall, dessen Hintergrund das wirkliche Leben bildet. Reale Personen reden und handeln, träumen und leiden und kämpfen um ihren kleinen Anteil am Lebensglück.

Im eigentlichen Mittelpunkt der Handlung stehen die Geschichte des Michael Klubschewsky, im Roman Klaus Gruschki genannt, und mit ihm die aktuellen Themen „“, „“ und die damit verknüpften Fragestellungen der Fürsorge und des Kindeswohls.
Alljährlich trennen sich in Deutschland zehntausende von Ehen oder Paargemeinschaften. Nach langen Jahren der Zusammengehörigkeit erfolgt oft von einem auf den anderen Tag der Bruch der Beziehung.
Aus vielen dieser Verbindungen sind Kinder hervorgegangen, die das Auseinandergehen ihrer Eltern in einem meist schmerzhaften Prozess miterleben. Oft bedeutet die Trennung für sie den Verlust eines Elternteils. Kaum eine Trennung vollzieht sich ohne Kampf und Streit. Häufig werden diese Kämpfe auf den Rücken und auf Kosten der Kinder ausgetragen. Sie werden derart zum doppelten Opfern der Erwachsenenwelt.
Dazu kommt, dass in Deutschland die aktuellen emanzipatorischen Prozesse neue Dimensionen entwickelt haben. Die Rollen der Männer und Väter werden überall und zunehmend kritisch hinterfragt, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte reklamieren unter dem Vorwand der Gleichbehandlung den Vorrang des Weiblichen. Dieser Anspruch wird als Ausgleich der jahrhundertlangen Benachteiligung der Frauen gesehen. Sozusagen auf der Strecke bleiben die heutigen Männer, die in eine ganz andere Zeit hineingeboren wurden und mit der reklamierten historischen „Faktizität“ naturgemäß nichts zu tun haben. Gerade im Scheidungs- und trieb und treibt die genannte weibliche Anspruchshaltung ihre besonderen Blüten. Die Chancen eines Vaters, vor allem eines nichtehelichen, das für sein Kind zu bekommen oder dieses Recht zu teilen, sind – trotz eingeleiteter Rechtsreformen – nach wie vor schlecht.
Die bewegende Geschichte des Klaus Gruschki und seines Kampfes um seine Tochter Leoni hat ihren Hintergrund somit in einem höchst realen Geschehen. Die Geschichte selbst wurde in einen eigenen Kontext gestellt und fiktional überarbeitet. Die Wirklichkeit des literarischen Klaus Gruschki ist nur bedingt die des wahren und lebendigen „Helden“ Michael K. In den Kernaussagen und im Handlungsgrundgerüst ist der Roman jedoch der Wahrheit verpflichtet und folgt anhand vorliegender Dokumente den Spuren einer mitunter sehr bedrückenden Wirklichkeit. Es liegt dabei nicht in der Absicht des Autors, die „Lösung“ des realen Helden, die verzweifelte Entführung seines Kindes, in ihren Konsequenzen zu verharmlosen. Doch es besteht der Anspruch und der Wunsch, Verständnis für die geschilderten Ereignisse, für die Hoffnungen und Sehnsüchte des Vaters „Klaus G.“ – und Mitleiden mit seinem Scheitern zu erreichen. Vielleicht soll auch ein wenig Nachdenklichkeit erreicht werden, ein Nachdenken über soziale Verhältnisse, die den meisten Lesern mehr vom Hörensagen als vom realen Leben bekannt sind.
In diesem Sinne versteht sich „Nicht ohne Leoni“ als ein Milieuroman und hofft auf eine kritische, offene und positive Annahme durch das interessierte Lesepublikum.

Nicht ohne Leoni erscheint am 30.10.2008 im swb-Verlag Stuttgart

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