Archiv für die ‘Mutterschaft’ Kategorie

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Nicht ohne meinen Sohn, meine Tochter

Mittwoch, März 24th, 2010

In der Phase der Verliebtheit denken viele Paare nicht darüber nach, was nach einer alles passieren könnte. Eine Kindesentziehung ins Ausland ist dabei die höchste Eskalationsstufe, der Familien-GAU. Häufig wird er von den Müttern ausgeführt, sagt Hiltrud Stöcker-Zafari vom Verband binationaler Familien. Juristisch handelt es sich um den Tatbestand der Sorgerechtsverletzung, Kidnapping, “einen hochkriminellen Akt”.

Abschreckende Beispiele – etwa aus dem Buch der US-Schriftstellerin Betty Mahmoody “Nicht ohne meine Tochter” – haben sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. Auch wenn Kindesentziehung selten vorkommt, ist sie zwischen binationalen Partnern fast immer ein Gesprächsthema. So heißt es beim Verband binationaler Familien: “Ängste vor einer Kindesentführung oder die Drohung sind in fast allen binationalen Familien in Krisen und schwerwiegenden Konfliktsituationen anzutreffen.”

Christiane Hirts, die die deutsche Sektion des Kindersuchdienstes Committee for Missing Children leitet, schätzt, dass 1000 bis 1500 Kinder jedes Jahr von einem Elternteil ins Ausland entführt werden. Knapp die Hälfte davon in Länder, deren Regierungen die Haager Konvention zur Kindesentführung nicht unterzeichnet haben. Nur etwa zehn Prozent dieser Fälle gingen gut aus.

Die Liste der Zielländer wird laut Bundesjustizministerium angeführt von den USA, Polen, der Türkei und Großbritannien. Wird ein Kind in einen der 77 Staaten verschleppt, der dem Haager Übereinkommen von 1980 beigetreten ist, gibt es noch realistische Chancen auf ein Wiedersehen. Fast aussichtslos werden die Bemühungen, wenn es sich um einen Nicht-Vertragsstaat handelt – wie die meisten muslimischen Länder.

Darauf zu vertrauen, dass das deutsche oder ein helfen könnten, ein Kind zurückzuholen, ist ein vergebliches Unterfangen. Da in jedem Land eigenes Recht gilt, haben das Auswärtige Amt und die deutschen Auslandsbotschaften bei grenzüberschreitenden Kindesentziehungen nach eigener Aussage “keine rechtlichen und in der Praxis nur sehr begrenzte tatsächliche Möglichkeiten”, bei der Rückführung zu helfen. Wenn ein muslimischer Vater sein Kind beispielsweise in die Türkei mitnimmt, besteht die Möglichkeit der Rückführung, weil die Türkei Vertragsstaat des Haager Abkommens ist. Eine Rückholung aus dem Libanon dagegen ist aussichtslos, weil der Libanon dieses Abkommen nicht unterzeichnet hat.

“Wenn der Vater das Kind in sein Herkunftsland verbringt, das dem islamischen Rechtskreis zugeordnet wird, hat die deutsche Mutter keine Möglichkeit mehr, an das Kind rechtlich ranzukommen”, sagt auch Stöcker-Zafari. Als Mutter sei man auf den guten Willen der Familie des Mannes angewiesen. Ansonsten könne man nur hoffen, dass Sohn oder Tochter, wenn sie volljährig sind, irgendwann den Weg zurückfinden.

Quelle: stuttgarter-nachrichten.de – 20.03.2010 – Von Markus Brauer
Link zum Pressebericht: www .stuttgarter-nachrichten.de/stuttgarter_nachrichten.html/id/573e4f4d-3766-4832-a759-995ffed02183

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“Zusammenhalt macht stark”

Montag, März 15th, 2010

Gütersloherinnen diskutieren zum Internationalen Frauentag über Frauenrechte
Sie werden verurteilt, verstoßen, zum Selbstmord getrieben. In zahlreichen Ländern sind Frauenrechte mehr Wunschvorstellung denn Realität. Die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben ist gleich Null. Der heutige Internationale Frauentag ist eine gute Gelegenheit, um auf Erreichtes und Forderungen hinzuweisen. Beim Gütersloher Frauenfrühstück berichteten Teilnehmerinnen von ihren Erfahrungen und nahmen zum Thema Frauenrechte Stellung.

Julja Ibrahim ist eine selbstbewusste Frau, führt ein freies Leben. Doch die Gütersloherin weiß, dass die Lebenswirklichkeit bei vielen Frauen eine andere ist, ihr Leben von Traditionen und Riten bestimmt wird. Die gebürtige Kölnerin und Mitglied des Gütersloher Fraueninitiative “Die Brücke” arbeitete drei Jahre in Tansania und versuchte die Menschen aufzuklären. ” Ich erlebte, wie unverheiratete Mädchen von ihren Familien verstoßen wurden, weil sie unverheiratet sind”, berichtet Julja Ibrahim. Die Frauen seien völlig verzweifelt, würden durch die Ausgrenzung auch in den Selbstmord getrieben. Auch Beschneidungen und Verstümmelungen von Frauen seien an der Tagesordnung. “Gegen solch alte Riten anzukämpfen, ist sehr schwer. Man muss vorsichtig vorgehen, langsam das Vertrauen der Menschen gewinnen”, sagt Ibrahim.

Nach einiger Zeit stellten sich erste Erfolgserlebnisse ein, und obwohl die Frauen stark von ihren Männern abhängig sind, sind doch sie es, die erste Veränderungen in den Familien anstoßen. “Sie stehen Neuem offener gegenüber, können schließlich auch ihre Männer überzeugen”, erklärt die Gütersloherin.

Dem stimmt auch Saniye Özergin zu. Dem noch immer gängigen Bild, der unterdrückten türkischen Frau stimmt sie nicht zun. “Nicht wenige in der Türkei erziehen ihre Mädchen heute zu selbstbewussten Frauen, nehmen ihre Bildung durchaus ernst”, erklärt Özergin, die ebenfalls in der Initiative “Die Brücke” engagiert ist.

Einiges hat sich für Frauen bereits zum Positiven gewendet. Ist ein internationaler Frauentag dann noch nötig? “Natürlich”, rufen die Teilnehmer des Frauenfrühstücks vehement. “Noch immer verdienen Frauen weniger als ihre männlichen Kollegen, sind selten inTop-Positionen anzutreffen, obwohl sie bessere Schul- und Ausbildungsabschlüsse erzielen”, sagt die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Gütersloh Inge Trame. Auch beim Thema Kinderbetreuung sei noch viel zu tun. “Gerade nach einer steht eine Frau vielfach ganz allein da, sie muss auf die Kinder aufpassen, kann nicht arbeiten gehen”, sagt Elisabeth Gündüz vom Assyrischen Mesopotamischen Verein Gütersloh.

Eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, flexible Arbeitszeitmodelle, mehr Plätze bei der Kinderbetreuung – Forderungen, die alle Teilnehmerinnen aussprechen. Doch appellieren sie nicht nur an die Politik. “Wichtig ist auch, dass die Frauen sich selber organisieren, Kontakte knüpfen und ihre Möglichkeiten ausschöpfen”, findet Julya Ibrahim. Inge Trame merkt an, dass es mehr weibliche Entscheidungsträger geben sollte. “Es reicht nicht aus, eine weibliche Bundeskanzlerin zu haben. Daher ist es wichtig einen Tag zu haben, an dem wir innehalten und uns über unsere Forderungen und Zukunftsperspektiven Gedanken machen.”

Quelle: nw-news.de – 08.03.2010 – VON MARTINA PANCHYRZ
Link zum Pressebericht: www .nw-news.de/lokale_news/guetersloh/guetersloh/3425378_Zusammenhalt_macht_stark.html

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“Frauen sollten aufhören zu lästern”

Montag, März 15th, 2010

“Weltfrauentag” – ist der noch nötig?

Ortgies Ja. Wir sind noch lange nicht durch mit dem Thema, obwohl das gern behauptet wird: Es gebe ja Kitas, Tagesmütter und die “neuen Väter”. Doch wenn ein Vater ein paar Wochen Elternzeit nimmt, dann sind da noch etliche Jahre übrig, in denen sich seine Frau um das Kind kümmert. Väter sollten endlich ernsthaft Verantwortung bei der Erziehung übernehmen.

Warum ist das so wichtig?

Ortgies Wenn eine Frau für mehrere Jahre aus dem Berufsleben aussteigt, wird es sehr schwer, wieder einzusteigen. Meistens müssen die Frauen dann einen geringer qualifizierten Job annehmen oder sie arbeiten nur halbtags, um auch die Kindererziehung zu übernehmen.

Aber warum soll eine Mutter nicht zu Hause bleiben?

Ortgies Natürlich kann sie das – wenn sie in Kauf nimmt, dass sie damit in ein Abhängigkeitsverhältnis dem Mann gegenüber rutscht. Im Falle einer wird es für sie finanziell eng. Das neue verschärft das Problem: Lässt sich die Frau scheiden, übernimmt sie vermutlich die Kindererziehung und muss nach drei Jahren auch ihren Lebensunterhalt verdienen. Das Abhängigkeitsverhältnis, das so entsteht, wirkt sich automatisch auf eine Beziehung aus.

Wie sollten Frauen damit umgehen?

Ortgies Nicht die Frauen sind jetzt am Zug, sondern vor allem die Männer. Ich sehe den Weltfrauentag als Gelegenheit, endlich mal einen Weckruf zu starten. Wir tun alle so, als wären all die Krippenplätze und Familien mit entspannten Doppelverdienern Realität. Dabei hinkt der Alltag in den meisten Familien weit hinter der Familienpolitik hinterher. Die meisten treffen ihre Entscheidungen nach dem alten Ehegattensplitting und nicht im Hinblick auf das neue Unterhaltsrecht. An der alten Rollenverteilung unter neuen Bedingungen scheitern viele Familien.

Was fordern Sie von den Männern?

Ortgies Sie sollten sich an Erziehungsarbeit und Haushalt genauso beteiligen und ihren Partnerinnen Platz schaffen, damit sie beruflich am Ball bleiben. Nur so können die Frauen finanziell unabhängig bleiben und gleichberechtigt im Beruf vorankommen.

Das können Frauen doch schon jetzt.

Ortgies Aufsteigen? Im gleichen Maße wie die Männer? Niemals. Der Anteil der Frauen in Führungsetagen ist gering. Und männliche Chefs stellen lieber Männer ein. Frauen können da nicht mithalten oder versuchen, sich anzugleichen. Die Männer gehen abends ein Bier trinken und machen die Jobs häufig unter sich aus. Erst ab einem Anteil von 30 Prozent Frauen in der Belegschaft kippt diese “männliche” Kultur, und Frauen gewinnen an Einfluss.

Sind also nur die Männer schuld, dass aus Frauen selten Chefs werden?

Ortgies Frauen müssen sich auch an ihre eigene Nase fassen. Sie sind ganz schlecht beim Thema Netzwerken. Anstatt offen zu debattieren und gemeinsam für ihre Belange zu kämpfen, hacken sie hintenrum aufeinander ein. Da wird über die Entscheidung der anderen hergezogen, die ihren Job an den Nagel hängt, um ein Kind großzuziehen – oder eben über die, die eine Tagesmutter anstellt. Frauen sollten aufhören zu lästern. Das ist verkehrt und zielt in die falsche Richtung. Sie sollten gemeinsam fragen, warum eine Entscheidung wie Kinder oder Karriere überhaupt getroffen werden muss.

Meinen Sie, dass der Weltfrauentag irgendwann überflüssig sein wird?

Ortgies Dafür müssen sich die Männer ändern – und das wird für sie schmerzhaft. Sie werden Abstriche machen müssen bei Karriere, Gehalt und Status, um sich mehr den häuslichen Aufgaben zu widmen.

Tina Stockhausen führte das Gespräch.

Quelle: Rheinische Post – 08.03.2010
Link zum Pressebericht: nachrichten.rp-online.de/article/panorama/Frauen-sollten-aufhoeren-zu-laestern/70106

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Was tun, wenn der Vater den Unterhalt für die Kinder nicht zahlt?

Freitag, März 5th, 2010

Mit Wirkung zum Januar 2010 sind die Sätze der nach oben angepasst worden. Doch nicht alle Väter können den höheren für ihre Kinder auch bezahlen. Alleinerziehende können in solchen Fällen einen erhöhten beantragen.

Mit dem Wachstumsbeschleunigungsgesetz wurde den Bürgerinnen und Bürgern einige Steuererleichterungen beschert. So steigt das Kindergeld um 20 Euro auf 184 Euro im Monat für das erste und zweite Kind und der Kinderfreibetrag wird von 6.024 Euro auf 7.008 Euro pro Jahr angehoben. Durch diese Erhöhungen musste auch die Düsseldorfer Tabelle angepasst werden.

Unterhalt für Kinder: Höhe nach der Düsseldorfer Tabelle 2010
Mit der Düsseldorfer Tabelle 2010 steigt die Höhe des Unterhalts um etwa 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr an. Allerdings wird sich der eine oder andere Vater schwer tun, monatlich bis zu 70 Euro pro Kind mehr an Unterhalt zu zahlen.

Kann der Unterhaltspflichtige seinen Verpflichtungen nicht vollständig nachkommen, springt in der Regel der Staat ein. Die gute Nachricht: Auch der Unterhaltsvorschuss ist Anfang 2010 erhöht worden.

Unterhalt für Kinder: Unterhaltsvorschuss ist an Kinderfreibetrag gekoppelt
Ähnlich wie die Sätze der Düsseldorfer Tabelle ist auch der Unterhaltsvorschuss an den Kinderfreibetrag gekoppelt. Daher steigt auch der Unterhaltsvorschuss im Jahr 2010 gegenüber dem Vorjahr deutlich an.

Für Kinder bis zu sechs Jahren beträgt der Unterhaltsvorschuss 133 Euro im Monat, für Kinder zwischen sechs und (unter) zwölf Jahren sind es 180 Euro.

Basis für den Unterhaltsvorschuss ist der in Paragraf 1612a des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) geregelte Mindestunterhalt, der an den Kinderfreibetrag gekoppelt ist. Für Kinder zwischen sechs und elf Jahren ist danach als Mindestunterhalt der volle Kinderfreibetrag vorgesehen. Dieser liegt seit Anfang 2010 bei 364 Euro pro Monat. Davon abgezogen wird das Kindergeld, das seit Anfang 2010 für die ersten beiden Kinder 184 Euro beträgt.

Damit bleiben 180 Euro, die der Staat als Unterhaltsvorschuss maximal zahlt, wenn ein Vater den Unterhalt für seine Kinder nicht vollständig zahlen kann. Zusammen mit dem Kindergeld ist damit das sächliche Existenzminimum des Kindes gesichert. Eine ähnliche Rechnung wird auch für Kinder unter sechs Jahren aufgemacht. Für Kinder in dieser Altersgruppe beträgt das sächliche Existenzminimum nach § 1612a BGB genau 317 Euro.

Unterhalt für Kinder: Wer zahlt den Unterhaltsvorschuss?
Der Unterhaltsvorschuss wird für Kinder bis maximal zwölf Jahren vom Jugendamt gezahlt. Die Leistung kann immer dann beantragt werden, wenn Unterhaltszahlungen ausbleiben. Allerdings springt das Jugendamt nur für maximal 72 Monate mit dem Unterhaltsvorschuss ein. Ist dieser Zeitraum ausgeschöpft oder ein Kind zwölf Jahre alt geworden, werden die Zahlungen eingestellt.

Unterhalt für Kinder: Der Unterhaltsvorschuss ist einkommensunabhängig
Bei der Berechnung des Unterhaltsvorschusses spielt das Einkommen des Alleinerziehenden keine Rolle. Daher können auch alleinerziehende Mütter den Unterhaltsvorschuss beantragen.

Demgegenüber werden die Unterhaltszahlungen des anderen Elternteils (also meist des Vaters) voll auf den Unterhaltsvorschuss angerechnet. Somit tritt das Jugendamt mit dem Unterhaltsvorschuss nur in Vorleistung. Es wird versuchen, die gezahlten Beträge vom säumigen Unterhaltspflichtigen zurückzuholen.

Unterhalt für Kinder: Unterhaltsvorschuss wird nicht rückwirkend gezahlt
Der vom Jugendamt gezahlte Unterhaltsvorschuss wird nicht rückwirkend gezahlt. Alleinerziehende sollten daher umgehend aktiv werden, wenn der Unterhalt für die Kinder nicht gezahlt wird.

Quelle: vnr.de – 28.02.2010 – Von Michael Konetzny
Link zum Pressebericht: www .vnr.de/b2c/finanzen/finanzplanung/wenn-der-vater-den-unterhalt-fuer-die-kinder-nicht-zahlt.html

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Selbst Mutter sein – damit begann das Leben ganz neu

Samstag, Februar 13th, 2010

Betreutes Wohnen: Als Minderjährige lebt Susann Kriebel mit ihren beiden Kindern im Heim

Gerade mal 14 Jahre war Susann Kriebel, als sie das erste Mal schwanger wurde. Die Verhütung habe versagt, doch das Kind nicht auszutragen, das sei für sie zu keinem Zeitpunkt in Frage gekommen, sagt die junge Frau, die selbst noch ein Stück Kind ist. Sie habe sich von Tag zu Tag schließlich mehr darauf gefreut, Mutter zu werden – und so wohl auch den Tod des Vaters besser verkraftet, der eine große Lücke in ihrem Leben hinterlassen habe.

“Celina hat es geschafft, dass ich mein ganzes Leben geändert habe”, sagt sie nun als junge Mutter mit einem liebevollen Blick auf ihre Tochter, die jetzt ein Jahr alt ist. Susann Kriebel selbst ist das letzte von sechs Kindern einer Weißenfelser Familie und hat ihre Erziehung Mutter und Vater reichlich schwer gemacht. “Eine Geldstrafe nach der anderen mussten sie bezahlen, weil ich nicht zur Schule gegangen bin und stattdessen mit Kumpeln rumgehangen habe. Da haben wir jede Menge Blödsinn gemacht”, schaut Susann Kriebel auf, wie sie sie nennt, “böse Jugendjahre” zurück, für die sie sich heute schämt. In diesem Jahr nun möchte sie die Schulbesuche wieder aufnehmen. Es reift der Traum von einem Beruf, der sich mit Kindern beschäftigt.

Doch im Augenblick ist die 16-Jährige erst einmal nur Mutter. Denn zur eigenen Überraschung hat die Natur es schon gleich nach Celinas Geburt wieder sehr gut mit ihr gemeint. Vor fast vier Monaten hat die “Kindmutter” auch noch Leon geboren. “Das schaff’ ich jetzt auch noch”, lässt sie sich nicht schrecken. “Ich habe es mir stressiger vorgestellt”, so ihre Worte. Die kann sie allerdings aus behüteten und gesicherten Verhältnissen heraus sprechen, denn das Jugendamt hat ihr Hilfe zur Seite gestellt.

Seit einem Dreivierteljahr lebt die junge Mutter in einer betreuten Wohnform für alleinerziehende Mütter oder Väter mit Kind. So etwas wird im Burgenlandkreis vor allem in Naumburg und in Zeitz angeboten, um jungen Müttern oder Vätern die Gelegenheit zu geben, in ihre neuen Aufgaben hineinzuwachsen.

Susann Kriebel teilt in einem Heim ihre Wohngemeinschaft mit einer anderen jungen Mutter mit Kind sowie zwei Jungen im Alter von 15 und 17 Jahren. Kochen, Wäsche waschen, Ordnung halten und Saubermachen – die alltäglichen Arbeiten in einem Haushalt gehören zu den gemeinsamen Aufgaben, die Susann Kriebel neben der Versorgung ihrer Kinder erfüllen muss. “Sie hat das alles schon prima im Griff”, lobt die Heimerzieherin Jennifer Geheb, die in die Wohngemeinschaft nicht nur zur Kontrolle kommt, sondern auch “weil es einfach Spaß macht, zu sehen, wie die drei miteinander umgehen”. Und zugleich drückt Celina ihr Köpfchen lieb an das des Bruders, nachdem sie eine Runde durch das Zimmer gekrabbelt ist und sich kraftvoll neben die Mutti auf die Couch gehievt hat.

Am Nachmittag bekommt das Dreigestirn oft Besuch, denn der Vater von Leon möchte zeigen, dass er zu Susann steht und seinen Teil beitragen will, ein guter Vater für beide Kinder zu sein. “Füttern, waschen, windeln – für ihn kein Problem”, freut sich die junge Mutter. Wenn es nach ihr und ihrem Freund ginge, würden sie sofort morgen zusammenziehen und wie eine Familie leben. “Das traut das Jugendamt uns noch nicht zu”, weiß Susann Kriebel und fügt sich. “Wenn wir es ihnen zeigen und auch alles mit der Schule klappt, dann sieht es im nächsten Jahr gewiss für uns als Familie schon viel besser aus”, hofft sie. Jemand vom Amt habe derzeit noch die Vormundschaft für die Kinder. Und die Mutter von Susann Kriebel hilft während der regelmäßigen Wochenend- und Ferienbesuche. Celina besucht bis 14 Uhr gern die Kindertagesstätte. So umsorgt hat die neue Familie beste Entwicklungschancen.

Quelle: mz-web.de – 11.01.10 – VON HEIKE RIEDEL
Link zum Pressebericht: www .mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1260693544916&openMenu=1121028317612&calledPageId=1121028317612&listid=1121250412275

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