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Alternative Lebensformen stärken

Montag, Juli 20th, 2009

Ohne leistungsstarke Familien und persönliche Netzwerke können die Deutschen ihre derzeitige Lebensqualität in den kommenden 30 Jahren nicht halten. Zu diesem Ergebnis kommt der zweite Bericht der Kommission “Familie und demographischer Wandel” der Robert-Bosch-Stiftung, der am Freitag in Berlin vorgestellt wurde.

Das Gremium unter dem Vorsitz des früheren sächsischen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf (CDU) plädierte für eine “kommunale Familienpolitik”, die auf die unterschiedlichen Verhältnisse innerhalb Deutschlands am besten reagieren könne. Der Staat müsse sich stärker als bisher darauf konzentrieren, gute Rahmenbedingungen zur Selbsthilfe, für Hilfe auf Gegenseitigkeit und das Ehrenamt zu schaffen.
Die Mitglieder der Kommission, neben Biedenkopf der Familiensoziologe Hans Bertram und die Journalistin Elisabeth Niejahr, betonten aber zugleich, ihre Studie sei kein Angriff auf den Sozialstaat. Er dürfe allerdings nicht Funktionen übernehmen, die der Familie und den “kleinen Lebenskreisen” zukommen. Andernfalls werde die Kraft zur Eigeninitiative geschwächt und der Sozialstaat über seine Leistungsfähigkeit hinaus belastet.
Niejahr sagte, die Alterung der Gesellschaft und Sparzwänge bei den öffentlichen Haushalten infolge der Wirtschaftkrise führten fast zwangsläufig dazu, dass die Menschen nach Formen des Zusammenlebens suchen, die auf gegenseitiger Unterstützung und Verbindlichkeit basieren.
Zahlreiche solcher Modelle, die bereits existieren, wurden für den Bericht von der Prognos AG zusammengestellt. Die Aufgabe des Staates bestehe darin, diese Lebensformen zu unterstützen.
Die Kommission fordert unter anderem, die eingetragene Lebenspartnerschaft für homosexuelle Paare zu erweitern und beispielsweise auch für alte Menschen, die sich gegenseitig pflegen wollen, oder kleine Gruppen, die zusammenleben, zuzulassen. Der Familiensoziologe Bertram sagte, es gehe darum, “das Prinzip Familie” zu stärken, nicht um die Förderung der traditionellen Form von Familien. Familienpolitik müsse sich stärker am und dem Wohl der Älteren orientieren. Dies sei eine Querschnittsaufgabe.
Biedenkopf betonte, dass die Politik handeln müsse. Jede künftige Regierung, und zwar unabhängig von der Parteienzusammensetzung, müsse umdenken. Die Probleme der alternden Gesellschaft würden sich erstmals deutlich zeigen, wenn die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gingen. Diese Generation könne erstmals nicht mehr vollständig auf die Unterstützung ihrer Kinder und Enkel setzen, da sie ein Drittel weniger Kinder und nur fast halb so viele Enkel habe wie noch die vorangegangene Generation, sagte der CDU-Politiker.
Anders als der erste Bericht der Kommission wurde ihr zweiter nicht von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) entgegengenommen. Niejahr und Biedenkopf äußerten sich aber zuversichtlich, dass die Ministerin “sich für unsere Gedanken interessiert”. Die Kommission sieht ihre Empfehlungen auch als Programm für die nächste Bundesregierung. Medienberichten zufolge hatte die Familienministerin eine öffentliche Entgegennahme des Berichts abgelehnt. Daraufhin war spekuliert worden, dass der Union die Empfehlungen der Kommission zur Unterstützung neuer Lebensformen zu weit gehen.

Quelle: morgenpost.de – 19. Juli 2009
Link zum Pressebericht: www .morgenpost.de/printarchiv/familie/article1134469/Alternative_Lebensformen_staerken.html

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