Archiv für die ‘Eltern’ Kategorie

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Mehr Rechte für Lebenspartnerschaften: Gleichbehandlung

Mittwoch, August 25th, 2010

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts lag auf der Hand. Im Jahr 2001 hatte die Bundesregierung mit der eingetragenen Lebenspartnerschaft homosexuellen Paaren erstmals die Möglichkeit eröffnet, ihrer Beziehung einen rechtlichen Rahmen ähnlich der Ehe zu geben.

Dass Schwule und Lesben dann gemäß Artikel 3 des Grundgesetzes auch beim Erben nicht gegenüber Ehepaaren benachteiligt werden dürfen, folgt daraus eigentlich zwingend. Das Urteil von Dienstag ist ein weiterer Schritt hin zu einer diskriminierungsfreien Gesellschaft, wie sie das Grundgesetz fordert.

Allerdings verstärkt der Richterspruch auch den Eindruck, dass in jüngster Zeit in Deutschland zwar viel für alle möglichen Formen des Zusammenlebens getan wird, die traditionellen Institutionen Ehe und Familie dabei aber zu kurz kommen oder sogar weiter beschädigt werden.

So hatte das Verfassungsgericht zuletzt das Sorgerecht unverheirateter Väter gestärkt. Und die Bundesregierung kappte Vorteile, die aus einer Ehe erwachsen, so den Anspruch auf Ehegatten-Unterhalt nach einer Scheidung.

Dabei steht es um Ehen und Familien in Deutschland wirklich nicht zum Besten. Die Zahl der Eheschließungen ist binnen 30 Jahren um mehr als ein Viertel zurückgegangen, jedes dritte Kind wird in Deutschland inzwischen außerhalb einer Ehe geboren.

Gesetzgeber und Verfassungsorgane scheinen beim Familienrecht mehr der gesellschaftlichen Realität hinterher zu rennen, statt selbst eine Ordnung vorzugeben. Dabei gäbe es Gründe genug, dem ebenfalls im Grundgesetz verankerten Schutz von Ehe und Familie einmal wieder zu stärkerer Wirkung zu verhelfen.

Quelle: general-anzeiger-bonn.de – 18.08.2010 – Von Julian Stech
Link zum Pressebericht: www .general-anzeiger-bonn.de/index.php?k=news&itemid=10027&detailid=775105

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Was Eltern zahlen müssen

Donnerstag, April 22nd, 2010

Zirka 120 000 Euro kostet es nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes, ein Kind großzuziehen. Doch auch über die Volljährigkeit hinaus sind Eltern verpflichtet, Unterhalt zu zahlen – solange sich ihre Sprösslinge noch in der Ausbildung befinden.

Das Lachen eines Kindes ist mit Geld nicht zu bezahlen – Kleidung, Spielzeug und Nahrungsmittel schon. 550 Euro müssen Eltern durchschnittlich im Monat pro Sprössling einkalkulieren, schätzt das Statistische Bundesamt. Bis der Nachwuchs volljährig ist, kommen so zirka 120 000 Euro zusammen. Doch dieser Betrag ist unter Umständen sogar noch zu niedrig angesetzt, wenn sich ein Kind beispielsweise entscheidet zu studieren. Wir fassen zusammen, wie viel und wie lange Eltern für die Ausbildung ihres Nachwuchses zahlen müssen und was es sonst noch zu beachten gibt.

Bar- und Betreuungsunterhalt
Das deutsche Recht unterscheidet zwischen dem Barunterhalt auf der einen und dem Betreuungsunterhalt auf der anderen Seite. „Wenn Kinder bei Mutter und Vater leben, wird die Unterhaltspflicht dadurch erfüllt, dass die Eltern Wohnung, Kleidung, Nahrung und auch Zuwendung leisten“, erklärt Stefan Heilmann, Sprecher des Bayerischen Justizministeriums, den Betreuungsunterhalt. „Wenn mindestens ein Elternteil nicht mit dem Kind zusammenwohnt, hat das Kind Anspruch auf Barunterhalt, also Geldleistungen.“ Generell gilt, dass mit der Volljährigkeit ihres Sprösslings beide Elternteile anteilig für den Barunterhalt ihres Nachwuchses aufkommen müssen. Freie Kost und Logis stellen dann keinen Ersatz mehr für die fälligen Unterhaltszahlungen dar, wenn das mit dem Nachwuchs nicht ausdrücklich anders vereinbart wurde.

Düsseldorfer Tabelle
Auf wie viel Geld ein erwachsenes Kind Anspruch hat, darüber gibt die sogenannte Düsseldorfer Tabelle Auskunft. Sie regelt nicht nur, wie viel Barunterhalt minderjährigen Kindern im Scheidungsfall zusteht. Sie stellt auch Empfehlungen darüber aus, was erwachsene Kinder bekommen sollten, die sich noch in der Ausbildung befinden. Der Betrag hängt von der Höhe des Einkommens der Eltern ab. Verdienen diese netto zwischen 2701 und 3100 Euro, stehen dem Kind beispielsweise 586 Euro zu. Leben die volljährigen Kinder in einer eigenen Wohnung, wird in den Anmerkungen der Tabelle derzeit ein Unterhaltssatz von 640 Euro empfohlen. „Die Tabelle hat zwar keine Gesetzeskraft, dient Gerichten in ganz Deutschland aber als Entscheidungsgrundlage“, weiß Heilmann.

Dauer der Zahlungspflicht
„Die Zahlungspflicht der Eltern gilt im Normalfall für die Erstausbildung der Kinder beziehungsweise für die Regelstudienzeit“, erklärt Heilmann. Ob die Eltern mit dem Berufswunsch ihrer Kinder einverstanden sind oder nicht, spielt dabei keine Rolle. „Das Kind ist nicht an die Berufsvorstellungen der Eltern gebunden“, stellt der Experte klar. Natürlich gebe es aber auch Grenzen: „Der Berufswunsch darf nicht objektiv völlig unvernünftig sein, also zum Beispiel, wenn das Kind gar nicht die notwendigen geistigen oder körperlichen Voraussetzungen zur Ausübung des Berufs mitbringt.“

Eigenbedarf der Eltern
Generell sind Eltern Heilmann zufolge dazu verpflichtet, alles Zumutbare zu unternehmen, um möglichst viel Unterhalt zu leisten, damit das Kind seine Ausbildung absolvieren kann. „Aber natürlich dürfen sie einen Mindestsatz ihres Einkommens auf jeden Fall behalten, um ihren eigenen Lebensunterhalt bestreiten zu können“, betont der Pressesprecher. Nach Empfehlung der Düsseldorfer Tabelle beträgt der notwendige Eigenbedarf bei nicht erwerbstätigen Unterhaltspflichtigen, deren Kinder das 21. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, unverheiratet sind und sich noch in der allgemeinen Schulausbildung befinden, derzeit 770 Euro. Bei erwerbstätigen Unterhaltspflichtigen sind es 900 Euro. „Sind die Kinder über 21 Jahre alt und befinden sie sich in einer Lehre oder in einem Studium, sind die Sätze höher“, weiß Heilmann. „Man spricht dann von einem angemessenen Eigenbedarf, der nur im Einzelfall ermittelt werden kann.“

Kindergeld und Ausbildungsgehalt
Das Kindergeld wird auf die in der Düsseldorfer Tabelle vorgeschlagenen Sätze angerechnet. Dasselbe gilt für das Gehalt, das ein Kind im Rahmen seiner Lehre verdient. Da der Gesetzgeber von einem sogenannten ausbildungsbedingten Mehrbedarf ausgeht, wird der Lohn vor seiner Anrechnung um 90 Euro gekürzt.

Rechte der Kinder im Streitfall
Lehnen die Eltern die Unterhaltszahlungen ab, können Kinder klagen. „Hierfür sind die Familiengerichte zuständig“, weiß Heilmann. „Selbst Klage erheben können Kinder allerdings erst, wenn sie erwachsen sind. Davor müssen sie sich vertreten lassen, weil sie noch nicht prozessfähig sind.“

Quelle: merkur-online.de – 21.04.10
Link zum Pressebericht: www .merkur-online.de/nachrichten/wirtschaft/eltern-zahlen-muessen-726190.html

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Was ist Familie heute?

Dienstag, April 6th, 2010

Sie ist vielfältiger geworden. Und schwieriger. Schon oft wurde sie zum Auslaufmodell erklärt. Dabei bleibt sie für viele unverzichtbar. An Festtagen spürt man das besonders.

WAS WAR FAMILIE FRÜHER?
Doch ja, es gibt ihn noch. Den Familienvorstand alter Schule, wie ihn beispielsweise Thomas Mann in den Buddenbrooks mustergültig beschrieb. Louis van Gaal, der Trainer des FC Bayern, ist einer von ihnen: Er lässt sich von seinen Töchtern mit Sie anreden. Und findet das ganz normal, schließlich sei er eine Respektsperson. Den meisten von uns erscheint das nicht ganz so normal, es kommt im Gegenteil ziemlich überholt daher. Schließlich ist Familie weniger mit der Vorstellung einer Herrschafts- denn mit einer Liebesbeziehung verbunden.

Das war in der Vergangenheit nicht immer so. Familie war bis tief in die Mitte des 19. Jahrhunderts hinein eine Form des Zusammenlebens, die weit mehr von wirtschaftlichen als sozialen Bindungen geprägt war. Das steckt auch im Ursprung des Begriffs Familie, der dem Lateinischen entstammt. Abgeleitet von famulus (der Haussklave), bezeichnete er den Besitzstand eines Mannes, des pater familias. Zu seinem Besitz gehörten freilich nicht nur Weib und Kinder, sondern gleichermaßen Vieh und Sklaven.

Die traditionelle Familie, wie wir sie kennen, ist wie die Liebesheirat eine Erfindung des Bürgertums im 19. Jahrhundert. Sie bildete sich als das klassische Modell in dem Maße heraus, in dem mit der fortschreitenden Industrialisierung Kinder nicht mehr als Arbeitskräfte herangezogen wurden. Mehr und mehr entwickelte sich ein Muster, das auf traditioneller Rollenverteilung basiert: Der Vater ist Ernährer der Familie und somit für den außerhäuslichen Bereich zuständig. Er verdient das Geld und kümmert sich um die sozialen Kontakte. Seiner Ehefrau, die keiner Berufstätigkeit nachgeht, obliegt die Sorge für den innerfamiliären Bereich. Dazu gehören das gemütliche Heim und die Erziehung der Kinder.

WIE HAT SICH FAMILIE VERÄNDERT?
Schon oft wurde die traditionelle Kleinfamilie zum Auslaufmodell erklärt. Die Fakten scheinen eindeutig: Fast jeder fünfte Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren lebte 2008 bei Mutter oder Vater, wobei der Anteil der alleinerziehenden Mütter deutlich höher ist. Das bedeutet einen Anstieg von alleinerziehenden Eltern im Vergleich zu 1996 um 37 Prozent. Dazu kommen die Jugendlichen, die innerhalb eines alternativen Familienmodells wie beispielsweise nichtehelichen Lebensgemeinschaften aufwachsen. Ihr Anteil hat sich seit 1996 um immerhin 56 Prozent erhöht.

Doch diese Fakten trügen. Noch immer werden drei Viertel aller Kinder und Jugendlichen bei Ehepaaren groß. Allerdings beinhaltet das neben der Normfamilie auch alternative Formen, zu denen neben Stief-, Adoptiv- und Pflegefamilien auch die Patchworkfamilie gehört. Aber auch die Regenbogenfamilie, also Familien, in denen Kinder bei zwei gleichgeschlechtlichen Eltern leben, oder die Mehrgenerationenfamilie lassen sich dazu zählen. Die Familie als solche hat sich nicht überlebt – wohl aber sind ihre Erscheinungsformen vielfältiger geworden. Nach der Familie kommt die Familie! Nur erscheint sie eben in facettenreichen Gewändern. Das kann der Einpersonenhaushalt, die Wohngemeinschaft, die kinderlose Ehe, die Fernbeziehung oder eine polyamore Partnerschaft sein.

Der Grund für diese Entwicklung lässt sich vor allem in den Individualisierungstendenzen suchen, mit denen sich dem Menschen seit den späten sechziger Jahren ganz neue Auswahl- und Entscheidungsmöglichkeiten boten – welche auch die Familie in wildes Gewässer brachten.

Der Soziologe Ulrich Beck beschrieb schon Mitte der achtziger Jahre in seinem Buch Risikogesellschaft, wie mit den Individualisierungsschüben alle bisherigen Leitbilder ihre Gültigkeit verloren. Die Zentrifugalkräfte der Moderne katapultierten den Menschen aus einem festgefügten und engen Lebenskorsett in die unendliche und verheißungsvolle Vielfältigkeit, welche die Gesellschaft ihm bot.

Die Einführung der Pille Anfang der Sechziger erlaubte Frauen und Ehepaaren eine viel bewusstere Entscheidung für oder gegen Kinder. Die Emanzipationsbewegung der Frauen mit ihrem Wunsch nach Teilhabe am gesellschaftlichen und beruflichen Leben bot ihnen auf der einen Seite mehr Möglichkeiten. Zugleich aber litten sie unter den Zwängen und Komplikationen, die sich daraus ergaben. Auch die Bildungsexpansion und damit einhergehende lange Ausbildungszeiten waren nicht unwesentlich beteiligt. Denn das hatte zur Folge, dass sich Jugend verlängerte, der Eintritt in die Phase der Verantwortlichkeit sich auf einen späteren Zeitpunkt verlagerte. Außerdem war die lückenlose Erwerbsbiografie bis zum Eintritt in die Rente nicht mehr der Normalfall. Das hatte nicht nur mit Risiken wie Arbeitslosigkeit zu tun, sondern zum Teil auch mit dem selbstbestimmten Wechsel zu verschiedenen Arbeitgebern.

Und wie reagierte die Politik auf diesen Wandel? In den fünfziger und sechziger Jahren war Familienpolitik noch am Alleinverdienermodell ausgerichtet. Danach wurde sie zum Experimentierfeld. Denn während ein grundlegender sozialer Wandel vonstatten ging, blieben einerseits auf vielen Ebenen die Säulen erhalten, auf denen das alte Modell stabil ruhen konnte. Dazu trugen neben dem Ehegattensplitting das Festhalten an der Halbtagsschule bei. Ebenso wurde jahrelang die Notwendigkeit ignoriert, dass Eltern Kitaplätze benötigen. Andererseits wurden die Menschen mit der Änderung des Scheidungsrechts 1976 und der Reform des Unterhaltsrechts aus traditionellen Zwängen befreit. So hat die Familienpolitik hierzulande jahrelang einen Schlingerkurs verfolgt und zwischen verschiedenen Leitbildern laviert. Das Ergebnis war ein widersprüchlicher Mix, euphemistisch als Wahlfreiheit bezeichnet.

Erst mit der Einführung des Krippenausbaus, dem gesetzlichen Anspruch auf einen Kitaplatz, der Zahlung von Erziehungsgeld und der Möglichkeit, in Elternzeit zu gehen, gab man Eltern verlässliche Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Familie und Berufstätigkeit.

WARUM IST FAMILIE WICHTIG?
Familie ist ein ganz eigenes Universum. Zuerst einmal ist sie ein sozialer Raum. Ist dieser einigermaßen intakt, kann jeder in ihr, ob Kind oder Erwachsener, sich angemessen entwickeln und wachsen. Kann Geborgenheit, Vertrauen, Nähe und Intimität erfahren. Für Kinder ist dies elementar, um Kompetenzen zu entwickeln und Handlungspotenzial zu erwerben, welches sie zur Teilnahme am gesellschaftlichen Leben befähigt. Neben der auch materiellen Fürsorge der Eltern für ihre Kinder spielt die Vermittlung von Werten eine wichtige Rolle.

Nicht nur zu Ostern pflegen die meisten Familien die üblichen oder ganz eigene Rituale. Und ihr Wert – nicht nur für Kinder – ist keineswegs zu unterschätzen. Das gemeinsame Abendessen, das Vorlesen vor dem Zubettgehen, auch der Flohmarktbummel sonntagnachmittags vermitteln Halt. Diese immer wiederkehrenden Handlungen geben Orientierung und Struktur, was gerade in Krisenzeiten stabilisierend wirkt.

Wer Kinder fragt, was ihnen am wichtigsten ist, wird in den allermeisten Fällen die Antwort bekommen: Familie und Freunde. Sie haben eine größere Bedeutung als Geld und Besitz. So sagt es jedenfalls eine von Unicef und der Zeitschrift „Geolino“ vorgestellte Studie. Für die Sechs- bis 14-Jährigen seien Freundschaft, Geborgenheit und Ehrlichkeit die wichtigsten Werte. Für die älteren stehen Freunde und Familie an erster Stelle.

Dieses Bild kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch durch den demografischen Wandel immer mehr Menschen in Singlehaushalten leben, also ohne familiären Kompass durch den Alltag navigieren. Sie suchen sich deshalb häufig eine Ersatzfamilie, in der sie Anerkennung finden. Das kann ein Verein, eine politische Gruppierung, eine religiöse oder spirituelle Gemeinschaft sein. Gerade in Krisen und wirtschaftlich schwierigen Zeiten betonen die Menschen den Wert der Familie.

WAS MACHT FAMILIE SCHWIERIG?
Leo Tolstois Gesellschaftsroman Anna Karenina beginnt mit dem Satz: „Alle glücklichen Familien gleichen einander; jede unglückliche Familie jedoch ist auf ihre besondere Weise unglücklich.“ Während für das Zustandekommen einer Sache immer mehrere Faktoren stimmig sein müssen, reicht ein einziger Faktor, um ihr Misslingen zu besiegeln.

Auf lange Sicht ist die Familie von der sinkenden Geburtenrate bedroht. Diese liegt derzeit statistisch gesehen bei 1,4 Kindern je Frau. Vergegenwärtigt man sich, dass mit Beginn der Industrialisierung, also vor rund 140 Jahren, eine Frau hierzulande durchschnittlich 4,7 Kindern das Leben schenkte, wird die ganze Dramatik dieser Entwicklung deutlich. Wovon ein großer Teil in den vergangenen 40 Jahren stattgefunden hat: Zwischen 1964 und 2006 hat sich die Zahl der Geburten in Deutschland nahezu halbiert. Auch wenn in Berlin, entgegen dem Bundestrend, inzwischen wieder mehr Kinder geboren werden, gibt es hier doch auch am meisten Kinderlose.

Oft wird die geringe Geburtenrate vor allem in gebildeten Schichten den Frauen angelastet: Ihr Streben nach Selbstverwirklichung im Beruf geschehe auf Kosten von Mutterschaft. Tatsächlich aber scheint es mehr und mehr junge Männer zu geben, die unter Bindungsängsten leiden und sich scheuen, die lebenslange Verpflichtung, die mit Vaterschaft einhergeht, zu akzeptieren.

Das alles sind Folgen der Individualisierungstendenzen: Das Streben nach Glück und Freiheit, in dem die Fürsorge für eine Familie als Beschränkung der eigenen Individualität wahrgenommen wird, kollidiert mit der lebenslangen Verantwortung, die Familie mit sich bringt. Wie sehr die Menschen mit diesem Dilemma zu kämpfen haben, lässt sich auch an den hohen Scheidungsraten ablesen. Mittlerweile wird jede dritte Ehe vor Gericht beendet.

Aber auch äußere Faktoren wie Existenzsorgen und Arbeitslosigkeit können das Gelingen von Familie bedrohen. Kinder sind nachgewiesenermaßen ein Armutsrisiko. Auch die mittlerweile von vielen Firmen vorausgesetzte Bereitschaft zu grenzenloser Mobilität lässt viele Menschen ratlos zurück. Denn wo Partner und Kinder sind, ist es eben nicht so einfach, alle Jahre umzuziehen und Schule und Freunde hinter sich zu lassen.

WAS UNTERSCHEIDET FAMILIE VON FREUNDEN?
Blut ist dicker als Wasser. Sagen die einen. Verwandtschaft kann man sich nicht aussuchen, Freunde schon, sagen die anderen. Christian Lindner, 31 Jahre alt und Generalsekretär der FDP, sagt: „Familie sind für mich (…) all die Leute, wo ich ungefragt an den Kühlschrank gehen kann.“

Manche sagen auch: „Meine Mutter ist meine beste Freundin.“ Darin zeigt sich zwar, wie sehr sich heute das Eltern- Kind-Verhältnis zu einer eher partnerschaftlichen, von gegenseitigem Respekt getragenen Beziehung entwickelt hat. Die Generationenkonflikte haben sich entschärft, aus großen Rebellionen sind kleine geworden. Wenn die Eltern selber Popmusik hören oder abends ausgehen, bleibt für die Kinder nur noch wenig, wogegen sie sich auflehnen können. Gleichwohl: Auch wenn sich die wenigsten Eltern mit Sie anreden lassen – es bleibt ein Abhängigkeitsverhältnis.

Das ist bei Freunden nicht so. Wenn sie Fürsorge, Respekt und Liebe vermissen lassen oder Vertrauen missbrauchen, kann man sich von ihnen trennen. Aber das Kind seiner Eltern und Eltern seiner Kinder bleibt man ein Leben lang.

Quelle: tagesspiegel.de – 04.04.2010
Link zum Pressebericht: www .tagesspiegel.de/berlin/familie/familie/Familie;art20470,3074792

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Ja, bitte! Oder?

Dienstag, April 6th, 2010

Die Ehe genießt bei den Deutschen nach wie vor ein hohes Ansehen. Doch immer mehr junge Männer und Frauen trauen sich nicht mehr
Jetzt, im Frühling, beginnt sie wieder, die Hochzeitssaison. Wer sich traut, hat Fragen über Fragen. Kirchlicher Segen oder nur Standesamt? Was wird aus den Namen? Das Brautkleid von der Stange oder vom Schneider? Welchen Treueschwur, welche Ringe, welche Gäste? Und: Wer bezahlt das eigentlich alles?

Doch für immer mehr Männer und Frauen stellen sich solche Fragen nicht – weder jetzt noch irgendwann. “Die Deutschen verlieren die Lust am Heiraten”, konstatiert Jürgen Dorbritz vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB). Der Statistiker hat in einem aufwendigen Prognose-Modell berechnet, dass unter den Jüngeren jede dritte Frau und sogar knapp 40 Prozent der Männer niemals den Bund der Ehe eingehen werden (siehe Grafik). “Die Bedeutung der Ehe ist dramatisch zurückgegangen”, sagt Dorbritz. Besonders die ostdeutschen Männer tun sich schwer auf dem Heiratsmarkt. Blieben von ihnen 1980 gerade einmal zwölf Prozent lebenslang unverheiratet, sind es mittlerweile 41 Prozent – ein historisch beispielloser Anstieg. Im Westen stehe der Prozess noch am Anfang, sagt der Forscher. Doch auch hier nehme die Heiratsneigung stetig ab.

Während die traditionelle Ehe auf dem Rückzug ist, sind neue Lebensformen auf dem Vormarsch: Ein-Eltern-Familien, nicht eheliche Lebensgemeinschaften und lockere Beziehungen, bei denen die Partner keine gemeinsame Wohnung haben. Daneben wird – besonders in den Metropolen – das Single-Dasein zur Norm. Mittlerweile lebt in 39,5 Prozent der Haushalte ein Alleinstehender. In Deutschlands Single-Hauptstadt Berlin liegt die Quote gar bei 54 Prozent. Und es sind keineswegs in erster Linie ältere Menschen, die allein wohnen, weil ihr Partner gestorben ist. “Für die Singularisierung sind vor allem die 25- bis 45-Jährigen verantwortlich”, sagt Stefan Fuchs vom Institut für Demographie, Allgemeinwohl und Familie.

Im scharfen Kontrast zum gesellschaftlichen Wandel steht indes das hohe Ansehen, das die Lebensform Ehe auch heute noch genießt. Umfragen des Meinungsforschungsinstituts Allensbach zeigen diesen Zwiespalt. Zwar lebt nur noch gut jeder Zweite in einer Ehe. Dennoch widersprechen 70 Prozent der Westdeutschen und auch zwei Drittel der Ostdeutschen der Aussage, dass diese Institution veraltet sei.

Und immerhin jeder zweite Ledige, der einen Gefährten hat, strebt die Hochzeit an – das gilt besonders für Frauen. Ob es allerdings dazu kommt, ist unsicher. Denn nicht einmal jeder Dritte, der unverheiratet in einer festen Partnerschaft lebt, ist sich überhaupt sicher, dass die derzeitige Beziehung ein Leben lang hält. Dagegen haben drei Viertel der Eheleute keinerlei Zweifel an ihrer Wahl.

Eine große Instabilität ist denn auch das Wesensmerkmal der alternativen Beziehungen. Besonders groß ist das Trennungsrisiko, wenn die beiden Partner zwar in derselben Stadt, aber nicht in einer gemeinsamen Wohnung leben. “Living apart together”, getrenntes Zusammenleben, nennt der Psychologe Jens B. Asendorpf von der Berliner Humboldt-Universität diese Partnerschaften, in denen knapp zehn Prozent der Bevölkerung leben. Die Hälfte dieser LATs geht innerhalb von sechs Jahren kaputt. Damit ist die Trennungsrate etwa doppelt so hoch wie bei nicht ehelichen Lebensgemeinschaften, die wiederum instabiler als Ehen sind.

LAT-Partnerschaft, das hört sich nach Latte macchiato, Freiheit und Moderne an. Das Schriftstellerpaar Paul Sartre und Simone de Beauvoir propagierte diese Beziehungsform als optimalen Kompromiss zwischen Selbstverwirklichung und Nähe. Tatsächlich jedoch ist die Realität meist profaner. “Überzeugte LATs sind selten”, sagt Asendorpf. “Nur eine Minderheit findet diese Art der Beziehung ideal. Noch seltener finden sich Paare, in denen sowohl der Mann als auch die Frau davon überzeugt sind.” In jüngeren Jahren seien es öfter die Männer, die ihre Unabhängigkeit betonten und nicht zusammenziehen oder gar heiraten wollten. Etwa ab 40 Jahren jedoch seien es häufiger die Frauen, die an der LAT-Beziehung nichts ändern möchten. “Viele von ihnen sind geschieden und wollen nicht in die traditionelle Rolle zurückfallen.”

Doch vor allem in den jüngeren Lebensjahren sei diese Form der Beziehung in aller Regel ein Übergangsphänomen, das früher oder später mit dem Zusammenziehen oder mit der Trennung ende, sagt der Psychologe. “Das hängt oft an der Kinderfrage: Wer Nachwuchs haben will, für den macht LAT keinen Sinn.”

Tatsächlich besteht in Deutschland anders als in Schweden oder Frankreich noch immer ein sehr enger Zusammenhang zwischen Kindern und Ehe. Nach dem noch unveröffentlichten Familienbericht der Regierung ist die Ehe mit Kindern mit 73 Prozent immer noch die mit Abstand wichtigste Familienform. Nur: Wenn mittlerweile jede vierte Frau und fast ein Drittel der Männer kinderlos bleiben, dann entfällt für sie auch das zentrale Heiratsmotiv. “Die meisten Männer und Frauen entscheiden sich nicht aus Überzeugung gegen die Ehe und gegen Kinder”, beobachtet der Soziologe Hans Bertram, der dem Kompetenzzentrum des Familienministeriums angehört. “Vor allem hoch qualifizierte Frauen sagen oft, es habe sich halt nicht ergeben.” Oft fehle gerade in den jüngeren Jahren die Sicherheit im Job. “Deshalb verhalten sie sich durchaus rational, wenn sie keine Kinder bekommen und keine festen Beziehungen eingehen”, meint der Soziologe.

Die Ehemüdigkeit ist einer der Gründe, warum bisher trotz Elterngeld und Krippenoffensive der erhoffte Babyboom ausblieb. Wenn der verlässliche Partner zum richtigen Zeitpunkt fehlt, nützt die beste Kinderbetreuung nichts. Doch die Politik hat sich längst mit der abnehmenden Bedeutung der Ehe abgefunden. Mehr noch: Mit dem seit 2008 geltenden neuen Unterhaltsrecht, das Geschiedene flüchtigen Bekanntschaften rechtlich fast gleichstellt, beschleunigt sie diesen gesellschaftlichen Wandel noch.

Selbst die Union hat sich von ihrem einstigen Leitbild der Ehe mehr oder weniger verabschiedet. Der Fraktionsvize Johannes Singhammer zählt zu der Minderheit im bürgerlichen Lager, die in der abnehmenden Heiratsneigung eine “extrem bedenkliche Entwicklung” sieht, die die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft gefährde.

Ökonomen weisen zudem darauf hin, dass der Trend zu lockeren Beziehungen das Armutsrisiko in Deutschland enorm erhöht. Schließlich müssen zwei Alleinstehende zusammen ein um ein Drittel höheres Einkommen erzielen, um auf denselben Lebensstandard zu kommen wie ein Paarhaushalt. Vor allem Alleinerziehende und deren Nachwuchs sind deshalb häufig auf Vater Staat angewiesen. Die mit der Trauung verbundene langfristige Verpflichtung, füreinander einzustehen, macht Eheleute unabhängiger vom Staat. Dies ist auch der Grund, warum die Väter des Grundgesetzes nicht nur die Familie, sondern auch die Ehe unter einen besonderen Schutz gestellt haben. “Die Menschen werden spüren, dass der Sozialstaat nie die Sicherheit bieten kann wie die traditionelle Familie”, prophezeit CSU-Mann Singhammer. “Am Ende wird sich die Ehe deshalb durchsetzen.”

Das glaubt auch Familienministerin Kristina Köhler. Denn obwohl jede dritte Ehe früher oder später scheitere, trete jeder zweite Geschiedene erneut vor den Traualtar. “Wer sich einmal für die Ehe entschieden hat, heiratet auch nach einer Scheidung wieder. So unattraktiv scheint die Ehe also doch nicht zu sein”, sagt die CDU-Politikerin.

Familienforscher Bertram rät mit Blick auf die düstere Prognose der BiB-Statistiker zur Vorsicht. “Vielleicht verändert sich das Heiratsverhalten nur.” In Skandinavien heirate man oft erst, wenn die Kinder aus dem Haus seien – als Zeichen, dass man im Alter füreinander Verantwortung übernehmen wolle. “Es kann auch bei uns zu einer Neuinterpretation der Ehe kommen, die nicht mehr so stark wie bisher an Kindern anknüpft.”

So sieht Glück aus

Der Wandel der Lebensformen ist, mit unterschiedlichem Tempo, überall auf der Welt zu beobachten. Auch in Spanien heiraten die Jungen heutzutage seltener – doch wenn sie sich trauen, hält der Bund in der Regel noch ein Leben lang. In den früheren Ostblockländern nahmen seit dem Fall des Eisernen Vorhangs die Heiratshäufigkeit und der Kindersegen besonders rasant ab. In den USA hingegen steht die Ehe nach wie vor hoch im Kurs: In keinem anderen Industrieland sind Trauungen häufiger. Allerdings scheitern die Ehen fast doppelt so häufig wie in Deutschland. Asien ist nach wie vor traditionell geprägt. Nicht eheliche Lebensgemeinschaften sind unüblich, Scheidungen verpönt. Frankreich geht in Europa einen Sonderweg: Es erlaubt als Alternative zur Ehe einen “Zivilen Solidarpakt”. Für die Trennung reicht hier eine Mitteilung ans Amtsgericht

Quelle: welt.de – 4. April 2010 – Von Dorothea Siems
Link zum Pressebericht: www .welt.de/die-welt/politik/article7045619/Ja-bitte-Oder.html

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Europäisches Familienrecht im Aufbau?

Donnerstag, Februar 25th, 2010

Die französische und die deutsche Justizministerin haben ein Abkommen zum deutsch-französischen Wahlgüterstand unterzeichnet. Es wird als Pilotprojekt für den Aufbau eines zusammenwachsenden europäischen Familienrechts verstanden. Bei 11% über europäische Landesgrenzen geschlossene Ehen besteht hier Bedarf.

Bei Ehen mit Auslandsberührung stellt sich, besonders im Ernstfall, die Frage, welche rechtlichen Regeln gelten. Das Internationale Privatrecht ist hier ein sehr kompliziertes Instrument. Nun wird auch in diesem Bereich das EU-Recht ausgebaut.

Ein zur Wahl stehende deutsch-französisches Güterrecht wurde als erster Baustein für ein europäisches Familienrecht begründet.

Deutsch-französische Wahlgüterstand
Der deutsch-französische Wahlgüterstand kann regelmäßig gewählt werden, wenn

* deutsche Ehegatten in Frankreich oder französische Ehegatten in Deutschland leben,
* deutsch-französische Ehegatten in Frankreich oder in Deutschland leben oder
* ausländische Ehegatten ihren gewöhnlichen Aufenthalt entweder in Deutschland oder in Frankreich haben.

Der neue Wahlgüterstand bietet Eheleuten eine attraktive Wahlmöglichkeit für die Behandlung ihres Vermögens in der Ehe.

Gestaltung: Zugewinngemeinschaft + französische Spezialitäten
Inhaltlich orientiert sich der Wahlgüterstand an der Zugewinngemeinschaft, dem gesetzlichen Güterstand in Deutschland.

* Dabei bleiben die Vermögen der Ehegatten während der Ehe getrennt.
* Nur bei Ende des Güterstandes wird der erwirtschaftete Zugewinn ausgeglichen.

Trotz der Anlehnung an die Zugewinngemeinschaft gibt es beim Wahlgüterstand eine Reihe französisch geprägter Besonderheiten. So werden etwa Schmerzensgeld und zufällige Wertsteigerungen von Immobilien (z.B. durch Erklärung zu Bauland) nicht im Zugewinnausgleich berücksichtigt.

Andere EU-Länder können sich anschließen
Wenn das neue Instrument erfolgreich ist, können weitere gemeinsame Schritte folgen. Der Wahlgüterstand kann zur Initialzündung für Angleichungen im Familienrecht in einem zusammenwachsenden Europa werden.

Der deutsch-französische Wahlgüterstand steht auch anderen Mitgliedstaaten der EU offen. Er könnte so zum Pilotverfahren für weitere vergleichbare Harmonisierungen des Familienrechts zwischen einzelnen Mitgliedstaaten mit ähnlichen Rechtstraditionen werden.

Quele: haufe.de – 23.02.2010 – Haufe Online-Redaktion
Link zum Pressebericht: www .haufe.de/recht/newsDetails?newsID=1266915165.09&portal=Recht&topic=FamilienErbrecht&topicView=Familien-%20%26%20Erbrecht

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