Nicht jeder Streit muss vor Gericht enden und viele Paare bewältigen eine Trennung und den weiteren Umgang mit ihren Kindern gut. Auch eine Mediation kann helfen, bei einer Trennung keinen Scherbenhaufen zu hinterlassen. Einige Tipps von Christian Schoenfelder, Leiter der interkulturellen Familienberatung beim Arbeitskreis neue Erziehung.
Mediation Ein Mediator sorgt dafür, dass die Expartner wieder ins Gespräch kommen, sucht gerechte, friedliche Lösungen und verhandelt mit ihnen, wo sie sich entgegenkommen können. Mediation bedeutet Vermittlung. Wenn es um Kinder geht, ist es von Vorteil, wenn der Mediator eine psychosoziale Ausbildung hat.
Streit Zwischen Ängsten, Schuldgefühlen und Rachegelüsten ist es oft schwer, rationale Entscheidungen zu treffen. Hier ist Selbstdisziplin gefragt. “Bei Streit konzentriert sich die Beratung darauf, den Eltern den Blick wieder zu weiten auf Dinge, die sie eigentlich wissen”, sagt Schoenfelder. Denn Streitsituationen führen zu einem Tunnelblick. Manchmal helfen auch Mails und SMS – da bleibt man ruhiger, sieht nicht die Körperhaltung, hört nicht den Tonfall, der einen vielleicht auf die Palme bringt. Wenn man gar nicht mehr miteinander reden kann, hilft eine Beratung, die den Fokus von der Paarbeziehung auf die Elternbeziehung lenkt.
Kompromisse Nach einer Trennung gemeinsam Kinder zu erziehen, bedeutet immer auch, dass man mit Kompromissen leben muss. Dabei muss man wissen, dass jede Lösung nur für eine gewisse Zeit funktionieren wird. So wie sich die Rahmenbedingungen der Eltern privat und beruflich ändern, verändern sich auch die Bedürfnisse und Interessen des Kindes. Wenn sie Hilfe brauchen, können Eltern dann wieder eine Beratung aufsuchen, um die nächste Etappe auszuhandeln.
Modelle Patentlösungen oder Modelle gibt es nicht. Es gibt nur Einzelfalllösungen. Denn jedes Modell kann nur funktionieren, wenn die Beteiligten von ihm überzeugt sind. Dann steigen die Erfolgschancen, dass das Modell funktioniert. Wenn einer der Partner nicht wirklich überzeugt ist, bricht der Konflikt irgendwann auf.
Kompetenz Eltern können sehr gut einschätzen, was ihren Kindern gut tut. Das ist die Messlatte. Und sie sollten die Kinder mit einbeziehen. Je nach Alter ist es besser, das Kind gemeinsam oder allein und bei Bedarf auch extra zu betreuen.
Sorgerecht Bei Scheidungspaaren geht man heute grundsätzlich vom gemeinsamen Sorgerecht aus. Es bedeutet, dass grundsätzliche Entscheidungen einvernehmlich getroffen werden müssen. Dinge des täglichen Lebens darf der Elternteil entscheiden, bei dem das Kind gewöhnlich lebt. Das alleinige Sorgerecht wird nur gewährt, wenn dies dem Wohl des Kindes dient (z.B. es vor Gewalt oder Missbrauch schützt). Unverheiratete Eltern bekommen das gemeinsame Sorgerecht nur, wenn sie bei der Vaterschaftsanerkennung eine Sorgerechtserklärung abgeben. Das Umgangsrecht ist davon unabhängig.
Recht auf Eltern Jedes Kind hat ein Recht auf Umgang mit beiden Eltern. Da das in der Realität nicht immer leicht umsetzbar ist, schicken die Richter inzwischen immer öfter streitende Paare vor ihrer gerichtlichen Entscheidung in die Beratung – das Kindeswohl rückt wieder mehr ins Bewusstsein.
Rat und Hilfe
- Arbeitskreis neue Erziehung: www.aktiv-fuer-kinder.de ; www.ane.de , Tel. 25 90 06-0
- Väteraufbruch für Kinder e.V., www.vafk.de , Tel. 26 03 84 93
- Verband alleinerziehender Mütter und Väter Berlin (vamv), www.vamv-berlin.de , Tel. 851 51 20
- www.umgangskalender.de
- Beratungsstellen nach Postleitzahl: www.bke.de
“Die Beratung will den Blick der Eltern weiten auf Dinge, die sie eigentlich wissen”
Quelle: morgenpost.de – 9. Oktober 2009 – gs
Link zum Pressebericht: www .morgenpost.de/familie/article1186811/Ohne-Kompromisse-geht-es-nicht.html
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