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Pädagogische Herausforderung: Neue Medien

Freitag, Januar 27th, 2012

mit dem Titel ‘Keine Bildung ohne Medien! Neue Medien als pädagogische Herausforderung’ ist jetzt eine weitere lesenswerte Publikation in der Schriftenreihe der Medienanstalt Hamburg / Schleswig Holstein (MA HSH) erschienen.

Das Buch dokumentiert die Vorträge einer von der MA HSH mit initiierten und geförderten öffentlichen Ringvorlesung an der Universität Hamburg, die auch über die Grenzen der Hansestadt hinaus starke Beachtung und Resonanz gefunden hat.

Die Beiträge der angesehenen Autoren geben einen aktuellen Einblick in die Diskussion um die Vermittlung von Medienkompetenz. Sie schlagen den Bogen von bildungspolitischen Forderungen über Handlungsempfehlungen zum von Kindern mit dem Social Web bis hin zum Forschungsbericht über die Medienerziehung in Familien.

Die nützlichen Erkenntnisse und Erfahrungen, die mit diesem Buch vermittelt werden, richten sich an Mitarbeiter in der universitäten Medienbildung, in der außerschulischen Jugend- und Erwachsenenbildung, an Studierende, Lehrkräfte, Vertreter von Bildungsträgern und an alle an der Medienkompetenzförderung Interessierte.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit und freundliche Grüße von Ihrem VISTAS-Team

VISTAS Verlag GmbH
Goltzstraße 11
10781 Berlin
Tel.: 030/32 70 74 46
Fax: 030/32 70 74 55
E-Mail: medienverlag@vistas.de
Internet: www.vistas.de
Geschäftsführer: Folker U. Strobel
Sitz Berlin, Registergericht AG Charlottenburg HRB 70757

Gerne informieren wir Sie hier auch über die KJM-Schriftenreihe der Kommission für Jugendmedienschutz der Landesmedienanstalten

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Dieses entsetzliche Gefühl des Ausgeliefertseins

Montag, April 4th, 2011

Thomas Hettche schreibt mit „Die Liebe der Väter“ den Roman zur aktuellen Sorgerechtsdebatte

Ja, es ist ein mutiges Buch, das Thomas Hettche da geschrieben hat. Zwar betont er immer wieder, es handle sich um einen fiktiven Roman und sein Ich-Erzähler Peter sei keinesfalls gleichzusetzen mit ihm selbst. Andererseits aber nennt er „Die Liebe der Väter“ sein „persönlichstes Buch“ und spricht von einem „befreienden Abschluss einer langen Entwicklung“. Mehr möchte er zum persönlichen Hintergrund nicht sagen. Sicher ist eins: Auch Thomas Hettche hat eine Tochter, aber kein für sie. Wie der Protagonist seines Romanes.

Mit seiner 13-jährigen Tochter Annika macht sich der Verlagsvertreter Peter auf zum Silvesterurlaub nach Sylt. Seit er sich von Mutter Ines vor zehn Jahren getrennt hat, sieht er sein Kind nur noch selten. Jedes Mal gilt es das Vertrauen der Tochter neu zu gewinnen. Jedes Mal fühlt er sich irgendwie schuldig. „Immer hatte ich diese peinliche Empfindung, man sähe mir mein Versagen an, mein Verschwinden, mein Fehlen.“ Auch auf Sylt spürt Peter die Entfremdung Annika gegenüber. Diesem „Kind, das doch keins mehr ist“, das sich die Nägel lackiert und eines dieser so „seltsam alten“ Gesichter heutiger Teenager hat.

Die Ferien auf der Insel verbringt Annika lieber mit den Nachbarzwillingen oder mit ihrem Freund Julian. Ihr Vater muss sich mit den zwei befreundeten Familien begnügen, mit denen sie sich das Ferienhaus teilen. Ein Wintersturm wird angekündigt. Alles läuft auf die gemeinsame Silvesterfeier hinaus. Und bei der entlädt sich das Gewitter dann auch. Als Peter hört, seine Tochter soll aus einer Laune der Mutter heraus erneut die Schule wechseln, ohne dass er mitbestimmen kann, bricht in ihm die ganze Wut auf Ines los, die damals „nicht nur gegen den Willen des Vaters, sondern gegen alle Vernunft“ das gemeinsame Kind bekommen hat. Zu einer Zeit, in der die beiden lange schon nichts mehr verbunden hat. Peter gibt Annika eine Ohrfeige.

Thomas Hettche hat einen psychologisch fein motivierten Roman über die Ohnmacht der Väter geschrieben, denen von der Exfrau nicht nur das Sorgerecht, sondern auch der Einfluss auf das gemeinsame Kind genommen wird. Er macht die Ausgrenzung der Väter sichtbar, die laut Gesetz bis vor kurzem völlig der Willkür der Mutter ausgeliefert waren. In der Weltliteratur gibt es unzählige von Büchern, die das Thema des abwesenden Vaters thematisieren, der sich kaum um sein Kind kümmert. Mit „Die Liebe der Väter“ setzt Hettche diese Tradition nun nuancenreich fort und schreibt das Buch derjenigen, die anwesend sein wollen, es aber nicht dürfen.

Ein riesiger, noch weitgehend unbearbeiteter Stoff in der Generation der Alleinerziehenden. Der 1964 in Treis geborene und in Berlin und Erschmatt (Schweiz) lebende Hettche gibt den Vätern eine Sprache. Es heißt, wenn Männern die Worte ausgehen, schlagen sie zu. So wie Peter im Roman. „Dieses entsetzliche Gefühl des Ausgeliefertseins“ lässt ihn zum Täter werden, der eigentlich nicht das Kind, sondern viel lieber die Mutter schlagen will.

Dass das Sorgerecht vom Bundesverfassungsgericht gerade reformiert wurde, schmälert die Aktualität und das Anliegen dieses Buches, das gute Chancen auf den Deutschen Buchpreis haben dürfte, in keinster Weise. Im Gegenteil: Es spricht gerade für die literarische Qualität des Textes, dass er nicht an Paragraphen gebunden ist. Klar geht es um die juristische Situation entmündigter Väter, die nach der Reform nun eine bessere Chance haben, ihr Recht einzuklagen. Es geht aber auch um den Verlust von Unschuld. Das Anhalten von Zeit. Und ganz allgemein um die Instrumentalisierung der Kinder durch ihre . Der Rücken der kleinen Annika wird zum Schlachtfeld, auf dem die ihren hasserfüllten Rosenkrieg austragen. Sie muss kurzfristig den Urlaub mit dem Vater absagen, wenn es der Mutter so gefällt. Oder liegt in der Klinik, ohne dass ihr Vater informiert wird, weil Mutter das so will.

Dass Hettche dabei aus der Mutter ein Monster macht, das die Tochter zu ihrem neuen Liebhaber mit ins Bett nimmt und ihre Sorgepflicht so schlecht erfüllt, dass Annika mit Tablettenvergiftung im Krankenhaus landet, hätte es nicht bedurft. Das ist der einzige Schönheitsfehler des sonst stimmigen Romanes, über dem wie ein Schleier die winterliche Natur von Sylt liegt, welches Hettche 2005 als Inselschreiber lieben lernte.

Thomas Hettche: „Die Liebe der Väter“. Kiepenheuer & Witsch, Köln. 224 S., 16,95 Euro.

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Quelle: suedkurier.de – 04.04.2011 – Welf Grombacher
Link zum Pressebericht: www .suedkurier.de/news/kultur/kultur/Dieses-entsetzliche-Gefuehl-des-Ausgeliefertseins;art410935,4783535

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Die Familie und ihre Zerstörer

Donnerstag, September 16th, 2010

Eine überfällige gesellschaftliche Debatte
Was falsch läuft und was anders werden muss

Dieses Buchprojekt beschäftigt sich mit der Familie, der Familienpolitik, dem , der Familienzerstörung in Europa mit Schwerpunkt Deutschland.
In Deutschland, Österreich und der Schweiz liegt die Scheidungsrate bei rund 50%. In Deutschland wurden 2005 rund 200.000 Ehen geschieden mit rund 156.000 Scheidungswaisen (betroffene unmündige Kinder), in Österreich wurden 2008 rund 20.000 Ehen geschieden mit 15.000 Scheidungswaisen und in der Schweiz wurden 2008 rund 20.000 Ehen geschieden mit 14.000 Scheidungswaisen. Trotz des grassierenden Familienzerbruchs wird dieses Thema öffentlich nicht diskutiert und die Folgen verdrängt.

Die Politiker nehmen sich des Themas nicht an, sie sondern allenfalls leere Sprechblasen dazu ab. Sie wissen oftmals nicht einmal mehr, was eine Familie ist und sie reden von Patchwork-Familie, „Familie ist da, wo Kinder sind“ und „Familie ist da, wo alle aus einem Kühlschrank essen“. Familienpolitik findet de facto nur als Frauenpolitik statt und in dem Bau immer neuer Kindergärten und Kinderkrippen, wo die Kinder abgestellt werden können, damit die Mütter einer Berufstätigkeit nachgehen können.
Das Familienrecht begünstigt nicht den, der an der Familie festhält. Um den Zusammenhalt und der Rettung von Familien kümmert sich niemand, dafür gibt es viele Anwälte, Frauenberater, Familienrichter und Sozialarbeiter, die an dem Familienzerbruch verdienen. Von dieser Helferindustrie handelt ein weiteres Kapitel des Buches. Weiterhin werden Ideologien betrachtet, die den Familienzerstörung ideologisch begründen und vorantreiben wie Sozialismus, Feminismus und Genderismus.

Mit dem Verlust der Familie verlieren die Menschen auch ihre Autonomie, ihre Unabhängigkeit vom Staat (Menschen werden von staatlichen Sozialleistungen abhängig gemacht), der Staat dringt immer tiefer in die Privatsphäre seiner Bürger ein, das Subsidiaritätprinzip wird verletzt. Das Subsidiaritätprinzip ist ein Grundprinzip einer freiheitlichen Gesellschaft. Mit der Zerstörung der Familien geht die von Staat und Familie verloren, die Gesellschaft driftet langsam zu einem sozialistischen Staat bzw. totalitären Staat.
Menschen werden von staatlichen Sozialleistungen abhängig gemacht, Kinder werden staatlich in Kindergärten und Kinderkrippen erzogen. Das Buch will ein Plädoyer für die Familie sein und ruft zur Rettung und dem Schutz der Familie auf.

Das Autorenteam
Webseite: dfuiz.net
Forum: dfuiz.net/forum/
Kontakt: buch@dfuiz.net

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Aktive Vaterschaft ist Plus für alle

Donnerstag, September 9th, 2010

Lüdenscheid. „Aktive ist ein Plus für alle!“ Anhand seines Buches „Mit Lust und Liebe Vater sein – Gestalte die Rolle deines Lebens“, kürzlich im Heidelberger Carl-Auer-Systeme-Verlag erschienen, lud der Familientherapeut Ansgar Röhrbein zur persönlichen Standortbestimmung ein.

Vor kleiner Zuhörerrunde nahm der Lüdenscheider sein Buch, das er eigentlich schon Anfang der 90er Jahre im Zuge seiner Diplomarbeit „Möglichkeiten und Grenzen der Vaterrolle“ schreiben wollte, zum Leitfaden seiner Ausführungen über Vaterschaft zwischen alten Traditionen und neuen Leitbildern, Partnerschaft, Erziehung, Arbeitsteilung und vielem mehr.

Eltern werden – Partner bleiben
Von der Fragestellung: „Was ist wichtig bei moderner Vaterschaft, bei heutiger Vaterschaft?“, ging er bei seinen Ausführungen, die zum Nachdenken über das eigene Verhalten ermunterten, aus. Vom Erbe der Vorväter, das Spuren im Leben jedes Einzelnen hinterlassen hat, bis zum Plädoyer für eine aktive Annahme der Vaterrolle spannte er den Bogen seines am Buch angelehnten Vortrags zur Vaterschaft.

Mit Fotos aus dem eigenen Familienalbum, Illustrationen und Karikaturen von Thomas Vogler – im Buch zu finden – , Verweise auf Studien und ihre Ergebnisse sowie dem launigen Reinhard Mey-Song vom „Zeugnistag“ näherte er sich seinem Thema und brachte teils überraschende Aussagen, die hängenblieben, auf den Weg. „Eltern werden – Partner bleiben“ war eines der wichtigen Kapitel, das der stellvertretende Leiter des Märkischen Kinderschutzzentrums und Lerntherapeut des Instituts für systemische Forschung, Therapie und Beratung (isft) in Magdeburg, anhand seines Buchs beleuchtete.

Es sei wichtig, Paarrituale von Anfang an beizubehalten und eigene Interessen bzw. die Zweisamkeit klar im Auge zu behalten.

Von Versöhnungskultur, Gesprächsbereitschaft, Wegen sich als Eltern Kraft zu bewahren und dergleichen mehr war die Rede. „Sorgen Sie gut für sich und Ihre Beziehung(en)“, Freundschaften eingeschlossen, war ein Rat, den Ansgar Röhrbein Müttern und Vätern mit auf den Weg gab. Auch das notwendige Loslassen der Kinder sprach er an.

Mit Ausführungen zum Thema „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“, das im Buch ein ganzes Kapitel einnimmt, und der Einladung, die Vaterrolle aktiv anzunehmen, endete die Veranstaltung, die mehr Resonanz verdient gehabt hätte.

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Quelle: derwesten.de – 08.09.2010 – Monika Salzmann
Link zum Pressebericht: www .derwesten.de/staedte/luedenscheid/Aktive-Vaterschaft-ist-Plus-fuer-alle-id3683541.html

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Feindbild Vater – Das entfremdete Kind

Freitag, September 3rd, 2010

Weil die Mutter es nicht will, sieht Timo seinen Vater viele Jahre lang nicht. Sie redet ihm ein, dass dieser Mann ein Schuft ist, und er glaubt ihr. Erst mit achtzehn sieht Timo ihn wieder. Und fällt aus allen Wolken: Die Mutter hat ihn angelogen.

Die von Timo Struve* trennen sich, als er sieben Jahre alt ist. Vorangegangen sind jahrelange Zankereien. Nach einem besonders schlimmen Streit verfrachtet die Mutter ihn und seine jüngere Schwester ins Auto und zieht zu einer Bekannten. Am nächsten Morgen muss Timo, der nichts von der ganzen Aktion geahnt hat, in der neuen Stadt auf eine neue Schule gehen. Die Mutter erklärt Timo, dass sie bald wieder zurück zum Vater gehen werden. Er solle ein bisschen nach ihnen suchen, sich entschuldigen, und dann sei alles wieder gut. Ein paar Wochen später findet der Vater seine Familie tatsächlich. Aber er möchte nicht mehr mit der Mutter zusammenleben.

Danach sieht Timo den Vater einige Monate lang nicht, so dass der Vater den vor einklagt. In dieser Zeit beginnt die Mutter, schlecht über den Vater zu reden. Als sie zum Beispiel eines Tages Waffeln backen will, stellt sich heraus, dass der Vater das Waffeleisen nach der Trennung behalten hat. Die Mutter sagt: „Er hat es gestohlen.“ Auch über die intellektuellen Fähigkeiten des Vaters lässt sich die Mutter, die aus dem klassischen Bildungsbürgertum stammt, aus. Der Vater kommt aus einer Arbeiterfamilie.

„Seht mal, der zerrt euch schon wieder vor Gericht“
Als der Vater den Umgang mit seinen Kindern nach der Trennung endlich eingeklagt hat, dürfen sie ihn lediglich an drei Tagen im Monat sehen. Obwohl der Vater das hat und die Eltern zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal geschieden sind. Die Mutter boykottiert diesen Umgang, und als der Vater ein neues Verfahren anstrengt, damit der von der Mutter vereitelte Umgang nachgeholt wird, erklärt sie den Kindern: „Seht mal, der zerrt euch schon wieder vor Gericht. Er muss doch wissen, wie sehr ihr das hasst!“ Sie hat recht. Timo hasst es, vor Gericht zu gehen und dort aussagen zu müssen. Jedes Mal wird sein Erscheinen dort von der Mutter zu einer Art Prüfungssituation stilisiert. Sie redet ihm ein, die Leute, mit denen er dort zu tun habe, wollten ihn zum Umgang mit seinem Vater zwingen. Er müsse dies zu verhindern wissen. Doch Timo möchte den Umgang mit dem Vater und hat ihr dies immer wieder gesagt. Seiner Mutter zufolge hatte und hat er den Umgang jedoch nicht zu wollen. Und so hat er irgendwann aufgehört, ihr zu sagen, dass er den Vater sehen will.

Timo glaubt, dass er deswegen in der Vergangenheit manchmal geweint hat, ohne sagen zu können, warum. Einmal geschah dies während eines Spaziergangs, den er mit der Mutter unternahm. Ihm kamen die Tränen, doch er konnte keinen Grund dafür nennen. „Wahrscheinlich war es, weil ich nicht sagen durfte, warum ich traurig war, und das deshalb selbst verdrängt hatte“, meint er heute. Das zweite Mal weint er anscheinend grundlos, als er mit dem Vater im Urlaub ist. Heute vermutet er, dass es deswegen war, weil er lieber beim Vater gelebt hätte. „Dort war es schöner. Er hat uns normal behandelt, wie Kinder. Im positiven Sinne. Er hat mit uns gespielt, uns unser Lieblingsessen gekocht, uns Geschenke gekauft und mit uns die Großeltern besucht.“ Die Mutter indessen habe sich eher um sich selbst gekümmert als um ihn und seine Schwester.

„Alle Gründe, die sie nannte, waren erfunden“
Als Timo in einem der zahlreichen Umgangsverfahren aussagt, dass es ihm bei seinen Großeltern väterlicherseits immer gut gefalle, findet sie das unmöglich von ihm. Vor dem nächsten Gerichtstermin denkt sie sich Gründe aus, aus denen Timo seine Großeltern nicht zu mögen hat. Sie erklärt ihm: „Sag nicht noch mal, dass es dir dort gefällt. In Wirklichkeit gefällt es dir doch gar nicht.“ „Aber alle Gründe, die sie nannte, waren erfunden“, sagt Timo heute. Erfunden sind auch die Erklärungen dafür, dass die Kinder den Vater nicht grüßen sollen, wenn sie ihn vor einem Gerichtstermin antreffen. Timo mag das Gefühl nicht, das er hat, wenn der Vater ihn grüßt und er nicht zurückgrüßen darf. Die Mutter indes grüßt den Vater stets zurück. „Es sollte so aussehen, als wollten wir bloß nicht grüßen“, erinnert sich Timo.

Auch was den Umgang mit dem Vater angeht, stellt die Mutter die Weichen so, wie sie es für richtig hält. Über eine lange Zeit hinweg versucht sie Timo zu überreden, dass er dem Vater schreiben solle, er wolle ihn nicht mehr sehen. Als er elf Jahre alt ist, gibt Timo schließlich auf. „Ich wollte endlich Ruhe vor meiner Mutter haben.“ Er schreibt, was die Mutter ihm diktiert: „Lieber Papa, mir reicht es jetzt mit diesen Gerichtsterminen und ähnlichen Sachen und ich möchte vorerst nichts mit dir zu tun haben.“ Während er schreibt, ist er unwillig und unglücklich, außerdem hat er das Gefühl, dass er seinem Vater unrecht tut und ihn sehr, sehr traurig macht. Doch das alles darf er nicht zeigen. Als er fertig ist, lobt die Mutter ihn: „Das hast du ganz toll gemacht, ich bin sehr stolz auf dich.“ Normalerweise lobt sie ihn nur selten. Timo freut sich über das Lob. Und niemand darf von ihrem Verhalten wissen. Wenn Besuch da ist, behauptet die Mutter selbst im Beisein der Kinder: „Ich will ja, dass sie den Vater sehen, aber die Kinder wollen halt nicht.“ Vor Gericht ist es genauso. Sie sagt: „Da kann ich doch nichts machen, wenn sie nicht wollen.“

„Ich war abhängig von ihr“
Dabei bereitet sie die Kinder auf jeden Prozess wochenlang akribisch vor. Beim Spazierengehen, beim Essen, es ist eine ständige Indoktrination. Sie redet ihnen ein, dass sie den Vater nicht sehen wollen. Heute kommt es Timo vor, als habe sie ihn einer Gehirnwäsche unterzogen: „Ich habe bei ihr gewohnt, sie war meine einzige Bezugsperson und mein Lebensmittelpunkt. Ich war abhängig von ihr. Ich tat immer, was sie wollte. Ich war nie rebellisch, habe mich nie gegen sie durchgesetzt. Ich hatte eher Angst, sie auch noch zu verlieren.“ Der amerikanische Kinderpsychiater Richard Gardner hat diesen Zustand als (), zu Deutsch „elterliches Entfremdungssyndrom“, bezeichnet. Er schätzt, dass neunzig Prozent der Kinder, deren Eltern um das Sorge- oder Umgangsrecht streiten, unter leiden: Sie fühlen sich dem abwesenden Elternteil entfremdet, lehnen ihn ab, betrachten ihn sogar als Feind. Sie wollen ihn nicht mehr sehen, weil das für sie die einzige Möglichkeit ist, der Missachtung ihrer Bedürfnisse durch den umgangsvereitelnden Elternteil zu entgehen und sich dessen Zuneigung zu erhalten. Auch Timo hat gelernt, dass es ihm bei der Mutter bessergeht, wenn er sagt, was sie hören will. Schöne Erinnerungen an die Zeit, als der Vater noch zur Familie gehörte, sind tabu. „Im Nachhinein durften meine Erinnerungen nicht mehr glücklich sein“, sagt Timo. „Sie betrieb Vergangenheitsfälschung.“

Dennoch ordnet der Richter den Umgang des Vaters mit seinen Kindern an, da er der Meinung ist, dies widerspreche dem Kindeswohl nicht: „Timo hat den Eindruck hinterlassen, dass er trotz der großen Belastung, unter der er immer noch steht, nicht grundsätzlich Besuche beim Vater verweigern will“, schreibt er nach einer Begutachtung des Kindes. Doch als der erste richterlich angeordnete Umgangstermin ansteht, fährt die Mutter mit Timo und seiner Schwester übers Wochenende zu Bekannten. Der Vater steht vor verschlossener Tür. „Meine Mutter hat uns deutlich spüren lassen, dass sie meinen Vater für gefährlich hält“, sagt Timo. Sie habe oft Geschichten von früher erzählt, in denen es darum ging, dass der Vater gewalttätig sei. Auch geschlagen habe der Vater sie angeblich. Timo, der diese Geschichten wieder und wieder aufgetischt bekommt, glaubt sie irgendwann. In seinem Attest schreibt ein Psychologe, „dass der Anblick des Vaters Timo in Panik versetzt“.

„Gegen die Besuchsregelung schuldhaft verstoßen“
Nachdem die Mutter sämtliche Umgangstermine hat ausfallen lassen, ordnet der Richter ein Zwangsgeld an für den Fall, dass sie so weitermacht. Sie hat nach „Überzeugung des Gerichts gegen die Besuchsregelung schuldhaft verstoßen“, weitere Verstöße seien zu befürchten. Doch dann wird die Mutter krank, sie leidet an der Vorstufe einer psychischen Erkrankung, einer Art Verfolgungsgedanken. Die Kinder kommen für einige Monate ins Heim, da sie sie nicht mehr betreuen kann. Eine mit dem Fall betraute psychologische Gutachterin empfiehlt nach der Gesundung der Mutter, dass das Gericht den Umgang des Vaters mit den Kindern ausschließen sollte, weil die Mutter sonst vor lauter Stress wieder krank werden könnte. Sie sei aber die wichtigste Bezugsperson der Kinder.

Und genau das geschieht. Der Umgang des Vaters wird ausgeschlossen. Mit der Folge, dass die Bindung zwischen Mutter und Kindern immer noch enger wird. In gewisser Weise fühlt Timo sich so, als habe er überhaupt keinen Vater mehr. Als er älter wird, ändert sich die Situation ein wenig. Nachdem er achtzehn geworden ist, versucht er zaghaft, sich aus der Symbiose, in der er mit der Mutter lebt, zu lösen. Die Spannungen zwischen beiden werden immer größer und eskalieren, als Timo kurz vor dem Abitur steht. Es ist ein Montagabend, und Timo möchte vor dem Schlafengehen duschen. Die Mutter verbietet es ihm: „Das ist zu laut, ich kann dann nicht schlafen.“ Als er widerspricht, schließt sie die Badezimmertür ab und zieht den Schlüssel ab. Timo ist wütend und reißt ihn ihr aus der Hand. Dann duscht er. Es ist das erste Mal, dass er ihre Autorität offen in Frage stellt. Die Mutter regt sich höllisch auf.

„Nimm dein Leben in die Hand“
Als er freitags mittags durchgefroren aus der Schule kommt – es herrscht gerade ein Schneesturm -, passt sein Hausschlüssel nicht ins Schloss. Erst nach einigen Minuten erkennt er, dass es ausgetauscht wurde. Dann entdeckt er den Brief, der vor der Tür liegt. „Lieber Timo, das Nötigste habe ich dir in die Garage getan. Du wirst irgendwo unterkommen und dir dann eine Bleibe suchen. Gib mir Bescheid, wohin ich dir am Montag deinen Unterhalt schicken soll. Nimm dein Leben in die Hand, viel Glück, alles Gute. Mama.“

Timo ist fassungslos, wie versteinert. Die nächsten drei Monate verbringt er im Gästezimmer der Kirchengemeinde. In dieser Zeit macht er das Abitur und sucht sich nebenbei eine Wohnung. Und er nimmt Kontakt zu seinem Vater auf. Denn ihm dämmert, dass nicht alles, was ihm die Mutter in den vergangenen neun Jahren über diesen Mann aufgetischt hat, stimmen muss.

Timo nennt seinen Vater wieder „Papa“
Inzwischen besuchen Vater und Sohn einander regelmäßig. Timo nennt seinen Vater wieder „Papa“. Zunächst fiel ihm das schwer, denn er hatte das Wort als Schimpfwort abgespeichert. Doch nach und nach gewöhnte er sich daran, und das Verhältnis zum Vater wurde innig. Zunächst schien es so, als sei das traurige Kapitel „Kindheit“ in Timos Leben damit abgeschlossen. Doch als er seine Diplomarbeit schrieb, bekam er plötzlich Depressionen. Timo geht davon aus, dass seine Kindheit die Ursache ist. Nach Untersuchungen des psychologischen Gutachters Walter Andritzky trifft seine Vermutung zu: Dem zufolge zieht die Entfremdung von einem Elternteil häufig psychosomatische Reaktionen aller Art nach sich. Die Soziologin Anneke Napp-Peters kommt ebenfalls zu dem Ergebnis, dass der Verlust eines Elternteils meist gravierende Folgen für die Kinder hat: In einer Langzeituntersuchung kommt sie zu dem Schluss, dass der Kontaktabbruch zu Vater oder Mutter „die gravierendste Ursache für scheidungsbedingte Störungen bei Kindern“ sei.

Timo indessen ist nach einer medikamentösen Therapie wieder gesund geworden. Die Mutter hat er seit seinem „Rauswurf“ außer vor Gericht nicht mehr gesehen. Als er ihr vor kurzem einen Brief geschickt hat, um nachzufragen, wo ihr Unterhalt bleibe, benutzte er als Anrede nur ein einziges Wort: „Hallo“. Sie ist ihm gleichgültig. Er will sie nie wieder sehen.

Alle Namen geändert

Buchtitel: Entsorgte Väter. Der Kampf um die Kinder: Warum Männer weniger Recht bekommen.
Buchautor: Katrin Hummel

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Quelle: faz.net – 27.08.2010 – Von Katrin Hummel
Link zum Pressebericht: www .faz.net/s/Rub867BF88948594D80AD8AB4E72C5626ED/Doc~E6EAF9DC8810F45F99CD02E0E3F1BC901~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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