Schlafbörse für Scheidungsväter
Samstag, Juli 18th, 2009Wenn Papa sein Kind besucht / Kirchliches Netzportal vermittelt preisgünstige Unterkünfte
München (epd). Mit einem ungewöhnlichen Service will die evangelische Kirche die Besuche von getrennt lebenden Väter bei ihren Kinder erleichtern. Der Kirchenkreis München und Oberbayern hat ein Internetportal geschaffen, das kostenlose Schlafplätze am Wohnort des Kindes vermittelt. Denn: Viele Betroffene können sich nach Abzug des Unterhalts Fahrt- und Hotelkosten nicht mehr leisten. Die Kontakte zum Kind drohen einzuschlafen.
“Papa wohnt am Bodensee. Er besucht mich jedes Wochenende. Aber das geht nur im Sommer, denn da kann er im Auto schlafen. Kannst du da was machen?” Der Wunsch, den der neunjährige Sven seiner Religionslehrerin Annette Habert im vergangenen Sommer mit auf den Weg gegeben hat, geht nun in Erfüllung.
Die Beauftragte für Alleinerziehendenarbeit im evangelischen Kirchenkreis München und Oberbayern hat das Projekt »Mein Papa kommt« ins Leben gerufen. Ab sofort vermittelt es alleinlebenden Vätern einen kostenlosen Schlafplatz am Wohnort ihres Kindes.
Die Idee ist einfach: Auf einer Internetseite registrieren sich Menschen, die ihr Gästezimmer ein Wochenende lang als Schlafplatz zur Verfügung stellen. Väter oder im selteneren Fall auch Mütter, die ihr Kind besuchen wollen, tragen sich ebenfalls ein, und Habert bringt beide Seiten zusammen. 15 potenzielle Gastgeber hat sie in München auf die Schnelle gefunden.
Svens Beispiel ist kein Einzelfall
Im Gespräch mit Beratungsstellen und Väterinitiativen erfuhr die Religionspädagogin, dass Svens Beispiel kein Einzelfall ist. “Viele Väter können sich nach Abzug der Unterhaltszahlungen die Fahrtkosten und ein Hotelzimmer einfach nicht leisten”, sagt die 48-Jährie. Weil Frauen nach einer Trennung häufig in ihren Heimatort zurückkehrten, gebe es für die Väter oft kein Netz von Freunden oder Verwandten, auf das sie zurückgreifen könnten. Viele pendeln deswegen endlose Strecken im Auto – oder lassen im schlimmsten Fall den Kontakt zum Kind einschlafen.
Die Initiatorin verzeichnet erste Erfolge “Beide Parteien sollen sich sicher fühlen; die Gastgeber sollen nicht für einen Rahmen sorgen müssen”, erläutert Habert das Regelwerk: Der Vater hinterlegt bei der Koordinationsstelle eine amtlich beglaubigte Kopie des Personalausweises. Festgelegt ist zudem, dass er die Zeit mit seinem Kind nicht bei den Gastgebern verbringt. Auch Ankunfts- und Abreisezeiten sind geregelt.
Die Initiatorin kann erste Erfolge verzeichnen. “Vor Kurzem rief ein Vater aus München bei mir an, dessen Tochter in einer norddeutschen Kleinstadt lebt”, berichtet sie. Habert telefonierte mit dem dortigen Pfarramt, schilderte die Situation und bat um Unterstützung. Die folgte prompt: Das Anliegen wurde nach dem nächsten Gottesdienst angekündigt – sofort meldeten sich drei Gastgeber.
Haberts Ziel ist es, Kindern einen angemessenen Umgang mit Trennung und Abschied zu ermöglichen. “Jedes Kind bleibt innerlich verbunden mit Vater und Mutter”, sagt die Pädagogin. Bundesweit sei jedes sechste Kind ein Trennungskind. “Sie müssen erleben: Es geht zwar alles ganz anders weiter – aber es geht weiter!”, sagt Habert. Und die Idee zieht Kreise: “Vergangene Woche hat die Stadt Köln bei mir angerufen und sich für das Konzept interessiert.”
www .alleinerziehend-evangelisch.de
Quelle: epd sozial Nr. 29 – 17. Juli 2009 – Von Susanne Petersen
Link zum Pressebericht: www .epd.de/sozial/sozial_index_66718.html



