Überregional (04.08.2009): Jugendämter auf schmalem Grat

Immer wieder Kritik an Behörden nach Kindesmisshandlungen
Verwahrlost, vernachlässigt, verschwunden: Die Zahl spektakulärer Fälle von Kindesmisshandlung häuft sich. In der Kritik stehen dabei die . Ihnen wird Versagen vorgeworfen, mangelnde Kooperation, zu spätes Eingreifen. Fakt ist gleichzeitig: Immer mehr wird das entzogen. Im Südwesten gab es im vergangenen Jahr 25 Prozent mehr Fälle, in denen Gerichte das einem Jugendamt übertrugen. Nach Beobachtung von Kinderschützern sind die Jugendämter inzwischen sensibler geworden, Netzwerke entstehen in Zusammenarbeit mit Ärzten, Erziehern und Lehrern. Dennoch bleibt die Aufgabe des Jugendamts eine schwierige: Wann wird ein Kind aus der Familie genommen, wann kann es bleiben – ein schmaler Grat, der verheerende Folgen haben kann.

Misshandelte Kinder
Sie heißen Kevin, Lea-Sophie oder Finn. Sie sind gestorben, weil ihre Eltern sie über Monate und Jahre vernachlässigt oder misshandelt haben. Kindesmisshandlung bedeutet: Einem Kind oder Jugendlichen wird Gewalt an Leib und Seele zugefügt, durch körperliche, psychische oder sexuelle Gewalt. Kommt ein Fall ans Tageslicht, sorgt er regelmäßig für fassungsloses Entsetzen und grausame Schlagzeilen. Die schlimmsten Fälle der letzten Zeit – Christiane Breuer fasst sie zusammen.

Kritisierte Jugendämter
Es ist der Paragraph 8a in der Kinder- und Jugendhilfe des Sozialgesetzbuchs, der den Schutzauftrag des Jugendamts benennt. Darin werden klare Vorgaben gemacht – die Spielräume sind dadurch geringer geworden, eine Hilfe für die Jugendämter. Die endgültige Entscheidung, zu welchem Zeitpunkt die Behörde einschreitet, nimmt dem Jugendamt indes keiner ab. Und manchmal reagiert das Amt zu spät. Aber wer definiert die Grenze? Die Frage ist häufig mit enormem psychischem Stress verbunden – und mit schrecklichen Folgen, wenn sie falsch beantwortet wird. Gespräch mit Klaus Kaiser, Leiter vom Fachbereich soziale Dienste im Kreisjugendamt Rastatt.

Aufmerksame Bürger
Eine betrunkene Mutter schlägt ihre Kinder in der Straßenbahn – so einen Fall melden aufmerksame Bürger inzwischen dem Jugendamt. In Karlsruhe beispielsweise gab es im vergangenen Jahr mehr als 500 solcher Hinweise – und die Hälfte davon war auch berechtigt. Eine enorme Mehrarbeit für die Sozialarbeiter, tatsächlich wurden zusätzlich Stellen geschaffen. Zu Recht – denn Jugendarbeit im Akkord kann gefährliche Fehler produzieren.

Notwendige Prävention
Niemand weiß genau, wie viele Fälle von Misshandlung und Vernachlässigung es in Deutschland gibt. Die Dunkelziffer ist hoch. Nur wenn Kinder sterben, ist die Öffentlichkeit alarmiert, die Politik mit Rezepten schnell bei der Hand. Dann wird die Frage gestellt: Wie können Väter oder Mütter ihren Kindern so etwas antun? Neben gravierenden Störungen der Persönlichkeit spielen Depressionen eine große Rolle. Bei der Suche nach Lösungen sind Experten einer Meinung: Es muss bei der Prävention anfangen. Gespräch mit dem Kinderschutzbund Landau.

Quelle: swr.de – 04.08.2009 – Von Bernd Hefter
Link zum Pressebericht: www .swr.de/swr1/bw/programm/-/id=446250/nid=446250/did=5141060/1s4g7n8/

Bookmark Dienste: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Readster
  • Alltagz
  • Oneview
  • SEOigg
  • Maodi
  • Colivia
  • Infopirat
  • Linkarchiv
  • Linkarena
  • Webbrille
  • Tausendreporter
  • Newsrider
  • newskick
  • seekXL
  • Newstube
  • Weblinkr
  • Wikio DE
  • Propeller

Post to Twitter Post to Facebook Send Gmail Post to MySpace

Verwandte Artikel:


Geben Sie einen Kommentar ein