Nordrhein-W. (27.08.2009): In NRW droht 4300 Eltern Besuch vom Jugendamt
Düsseldorf. Viele Eltern in NRW vernachlässigen offenbar die ärztlichen Vorsorgeuntersuchungen für ihre Kinder. Nach Auskunft des Landesinstituts für Gesundheit und Arbeit (“Liga”) handelt es sich allein im Bereich der U 5-Untersuchung, die für sechs und sieben Monate alte Babys vorgesehen ist, um landesweit 2403 Fälle. Bei der U 6-Untersuchung (zehn bis zwölf Monate) seien 1904 säumige Eltern ermittelt worden, hieß es auf Nachfrage unserer Zeitung.
Diese mehr als 4300 Eltern bekommen in diesen Tagen eine Aufforderung von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU), ihre Babys ärztlich untersuchen zu lassen. Es gehe ihm nicht darum, die Eltern an den Pranger zu stellen, so Laumann. Oft würden die Vorsorgeuntersuchungen ganz einfach vergessen, oder die Eltern seien nicht ausreichend darüber informiert. Jedes Kind habe jedoch ein Anrecht auf Früherkennung und Vorsorge.
Die Behörden wissen deshalb genau Bescheid, weil die Kinderärzte neuerdings melden müssen, wer in ihrer Praxis an der U-Vorsorge teilgenommen hat. Die Daten werden dann vom “Liga” mit den Einträgen der Einwohnermeldeämter abgeglichen.
Diejenigen Eltern, die trotz schriftlicher Erinnerung nicht reagieren, müssen demnächst mit Hausbesuch durch das örtliche Jugendamt rechnen. Hintergrund der im Oktober 2008 eingeführten ärztlichen Meldepflicht ist das Bemühen, mögliche Misshandlungen oder Verwahrlosung von Kindern aufzudecken oder ganz zu verhindern. Die Überprüfung erfasst zunächst die Bereiche U5 und U 6. Bis zum Jahresende soll sie auf alle Kinder bis zu einem Alter von fünfeinhalb Jahren (U 9) ausgedehnt werden.
Quelle: Rheinische Post – 18.08.2009 – VON DETLEV HüWEL
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