Hessen (12.10.2009): Vorsorgeuntersuchungen – Aufwändiger Kinderschutz
Mit großem Aufwand setzt Hessen die verpflichtende Vorsorgeuntersuchung für Kinder um. Politik und Ärzte loben, dass mittlerweile fast alle Kinder untersucht werden. Die Kommune Wiesbaden kritisiert die Effizienz der Maßnahme.
Seit die ärztlichen Vorsorgeuntersuchungen für Kinder in Hessen verpflichtend sind, ist die Teilnahme-Quote bei den Untersuchungen auf 99 Prozent angestiegen. Vor der Anfang 2008 eingeführten Maßnahme kamen 80 bis 90 Prozent der Eltern mit ihren Kindern zu den regelmäßgen Terminen beim Kinderarzt.
Für den Landesvorsitzenden des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Josef Geisz, ist das eine “ausgesprochen erfolgreiche Bilanz”, wie er dem hr erklärt. Etwa 330.000 Erinnerungen verschickt das zuständige Frankfurter Vorsorgezentrum im Jahr, um diesen Erfolg zu erreichen. Wenn Eltern die Pflichtuntersuchungen versäumen und auch auf Mahnungen nicht reagieren, bekommen sie Besuch vom Jugendamt.
Wiesbaden kritisiert Fehlalarme
Doch laut Arno Goßmann, Sozialdezernent der Stadt Wiesbaden, erweisen sich viele der beanstandeten Fälle als unproblematisch. Von Mitte 2008 bis Mitte 2009 erhielt Wiesbaden 527 Meldungen über Vorsorgeuntersuchungen-Verweigerer – zu drei Viertel handelte es sich dabei aber um Fehlalarme. Auch beim Rest gab es plausible Erklärungen, oder sogar makabere Fälle, bei denen das Kind bereits verstorben war.
Goßmann erklärt: “Wir haben keinen einzigen Fall gefunden, bei dem die Meldung der versäumten U-Untersuchung uns auf die Spur eines vernachlässigten Kindes gebracht hätte, bei dem wir nicht schon zuvor tätig waren”. Vielmehr müssten die Sozialarbeiter die zu Unrecht verdächtigten Eltern oft beruhigen – und hätten dadurch keine Zeit für wichtigere Aufgaben gehabt. Wiesbaden sei dabei keine Ausnahme.
Banzer: “Sehe keine andere Möglichkeit”
Gesundheitsminister Jürgen Banzer (CDU) sagt, dieser “Riesen-Aufwand” sei notwendig. “Ich sehe keine andere Möglichkeit auf die ganz wenigen Fälle zu kommen, bei denen wir intervenieren müssen.” Bei einigen Familien habe es sich als richtig erwiesen, dass das Jugendamt vorbeigeschaut habe.
Außerdem habe sich das allgemeine Verhältnis der Menschen zum Thema Kindesverwahrlosung geändert: Nachbarn würden mehr drauf achten, wenn Kinder permanent schreien. Auch der Anruf beim Jugendamt werde nicht mehr als Denunziation angesehen.
Quelle: hr-online.de – 18.09.2009 – phsc
Link zum Pressebericht: www .hr-online.de/website/rubriken/nachrichten/indexhessen34938.jsp?rubrik=34954&key=standard_document_37990172























