Ein Vater kämpft um seinen Sohn

Den Abend im Frühsommer 2000 wird Wolfgang Pfeiffer niemals vergessen. Als er von einer Vortragsveranstaltung nach Hause kam, waren die Lebensgefährtin und der fast zweijährige gemeinsame Sohn Florian verschwunden. Die Hausschlüssel lagen auf dem Tisch. Für Pfeiffer, der 1999 mit dem Bau eines Eigenheims in Ittendorf begonnen hatte, brach eine Welt zusammen. Nach Fertigstellung des Hauses war die Hochzeit geplant.

Das Jugendamt sprach das für das Kind der Mutter zu. Die hatte mittlerweile einen neuen Partner, bei dem sie auch lebt. Sie haben geheiratet und jetzt zwei weitere Kinder. Sie gestand Wolfgang Pfeiffer zu, alle zwei Wochen übers Wochenende seinen Sohn zu sehen. Doch Wolfgang Pfeiffer, der seinen Sohn liebt, wollte mehr: das . Denn er hatte eine eigene Wohnung mit Kinderzimmer und eine Mutter, die sich tagsüber des Sohnes angenommen hätte. Denn Wolfgang Pfeiffer ist berufstätig. Er arbeitet als Wassermeister der Stadt Markdorf und ist ein angesehener und beliebter Bürger.

Gegenüber dieser Zeitung betont er, sich um Florian in vielerlei Hinsicht gekümmert zu haben. Sie habe ihn zwar beim Kindergarten angemeldet, „aber alles andere war meine Sache“. Florians Tretroller, Kettcar und Fahrrad hat der Vater bezahlt. Er habe sich um Einschulung, Kommunion gekümmert, am Wochenende die Hausaufgaben nachgeschaut. „Sie machte 14 Tage lang gar nichts, und ich soll das dann an einem Wochenende nachholen“.

Bis zum neunten Lebensjahr von Florian habe er „das Theater mitgemacht“. „Die Mutter hat ihm nie geholfen, das habe ich an den Schulheften erkannt.“ Wie Florian in der Schule ist, weiß Pfeiffer nicht. Zeugnisse hat er nie gesehen.

Allerdings habe ihm die Lehrerin bereits im dritten Schuljahr mitgeteilt, man müsse sich mal zusammensetzen. Es gebe Probleme wegen nicht gemachter Hausaufgaben. Der Termin sei mit ihm, Mutter, Lehrerin und Schulpsychologin zustande gekommen, aber ausgegangen wie das Hornberger Schießen.

In einem Telefongespräch, so schildert Wolfgang Pfeiffer, habe er dem Jugendamt telefonisch mitgeteilt, es könne so nicht weitergehen. Florian sei in seiner Familie das fünfte Rad am Wagen. Nach den Wochenenden beim Vater wollte er nicht mehr nach Hause. „Die Mutter war überfordert, macht nichts, schreit nur rum“, schildert der Vater. Sein weiterer Vorwurf: „Florian gehört nicht zu der Familie. Die Mutter hat kein Interesse an ihm, sondern nur an meinem Geld, monatlich 254 Euro.“ Wörtlich habe sie zu Florian gesagt: „Du gehörst nicht zur Familie. Du bist ein Unglücksfall.“ Im Herbst sei der Junge noch in kurzen Hosen gekommen.

Wolfgang Pfeiffer sorgt sich um dessen Wohl. Sei er erst mal 18 Jahre, sei er verkorkst und sie wirft ihn auf die Straße. Der Vater hat den Eindruck, sein Sohn wäre lieber bei ihm. Zuletzt am Vatertag 2009. „Florian wollte unbedingt im Neubau das Kinderzimmer sehen und war völlig neben der Kappe“, als er wieder zurück sollte. Pfeiffer wollte das Jugendamt einbeziehen, bekam vom Leiter Werner Feiri die Auskunft, er besitze noch nicht alle Informationen und werde zurückrufen. Das soll er nicht getan haben.

Pfeiffer gewann nach mehreren Anrufen den Verdacht, er werde hingehalten. Als das Telefonat dann endlich zustande kam, habe er nach einer Viertelstunde den Eindruck gehabt, Feiri habe keine Ahnung davon, dass Florian keine Zuwendung erfahre. Oft habe Florian Tränen in den Augen, wenn er von ihm heimgebracht werde. Pfeiffer: „Abends ist das Kind alleine und die Mutter mit dem Auto unterwegs.“

Auch vermutet Pfeiffer, Florian werde aus der Familie ausgeschlossen und nur zum Vater abgeschoben, wenn die Familie etwa einen Ausflug unternehme. Jetzt hat sich Wolfgang Pfeiffer hilfesuchend an den Verein „Väteraufbruch“ gewandt. Gegründet wurde er unter anderem von Douglas Wolfsperger, dem Konstanzer Regisseur und Macher des Films „Entsorgte Väter“.

Werner Feiri vom Jugendamt weist derweil darauf hin, das Amt habe keine Entscheidungskompetenz. „Nur die Mutter bestimmt“, sagt er gegenüber dem SÜDKURIER. Solange es keine gravierenden Hinweise auf Kinderwohlgefährdung gebe, seien seinem Amt die Hände gebunden. Die Schulsozialarbeiterin sehe keinen Anlass, Negatives zu erkennen. Feiri empfiehlt Wolfgang Pfeiffer, beim Überlingen Antrag auf Sorgerechtsübertragung zu stellen. Dann entscheide ein Richter. „Wir behaupten auch nicht, dass wir alles sehen und einschätzen können“, sagt Feiri.

Quelle: suedkurier.de – 26.08.2009 – Von Winfried Thum
Link zum Pressebericht: www .suedkurier.de/region/bodenseekreis-oberschwaben/markdorf/Ein-Vater-kaempft-um-seinen-Sohn;art372484,3916091

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