Ein Vater kämpft gegen Windmühlen

Er will mehr Zeit mit seiner Tochter verbringen, doch Gericht, Ämter und die Ex-Frau lassen ihn nicht: Was ein Mann im Streit um seine Tochter erlitten hat.

CHAM. Er ist 40 Jahre alt, Lehrer an einer weiterführenden Schule im Landkreis, hat täglich mit Kindern zu tun. Nur das eigene Kind darf er nicht sehen, wann er will. Denn er ist geschieden. Und kämpft seit sieben Jahren gegen die Windmühlen staatlicher Institutionen, von der Justiz bis zum Jugendamt. „Ich fühle mich heute gegängelt und gedemütigt“, sagt er beim Gespräch in der Wasserwirtschaft in Cham, zu dem er neben einer kleinen Auswahl des Schriftverkehrs auch sein Tagebuch mit allen Vorkommnissen und einen Karton mit Bildern mitgebracht hat.

Angst vor beruflichen Nachteilen
Wie sehr ihn die Sache mitnimmt und über die Jahre mürbe gemacht hat, wird später klar, als er die Pappkiste aufmacht und beginnt, anhand der Bilder das zu erzählen, was ihn seit sieben Jahren beschäftigt. Die Tochter auf dem Spielplatz, als Baby auf dem Wickeltisch, mit den Großeltern. Scheinbar normale Familienbilder – doch bei ihrem Anblick muss Norbert K. schlucken. Er will seinen richtigen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen, daher steht hier Norbert K. als Pseudonym. Nicht, weil er sich nicht traue, öffentlich Stellung zu beziehen, sondern weil seine Familie Angst habe, dass er beruflich Nachteile zu spüren bekommt, wenn er sagt, was er erlebt hat. Weil die Enttäuschung so groß ist, dass er manchmal kein Halten mehr kennt und am liebsten rausschreien würde, welche Ungerechtigkeit ihm und auch seiner Tochter geschieht.

Vor den Institutionen selbst hat er keine Angst mehr. Zu viel ist ihm widerfahren, was er anderen ersparen möchte. Dabei wollte er von Anfang an nur eines, wie wohl viele geschiedene Männer in Deutschland: als Vater möglichst oft mit seinem Kind zusammen sein.

Seine Tochter heißt Marina (Name geändert), ist heute sieben Jahre alt. Als sie zwei Monate alt war, haben sich ihre getrennt und die eingeläutet. Das war im April 2004. Seitdem versucht er mehr als nur wenige erlaubte Stunden pro Woche mit seiner Tochter zu verbringen. Und ist heute nicht weiter als ganz am Anfang. Er fühlt sich seitdem allein gelassen von der Justiz und den Behörden. Es sei ein Wahnsinn, dass einem Vater das Recht entzogen werde, sein Kind zu sehen, platzt es aus ihm heraus. Vom Gesetz her seien doch beide – Mutter und Vater – zuständig.

Anfangs optimistisch
Deshalb ist er damals optimistisch gewesen – er, der sich bis dahin nichts zuschulden kommen ließ und bei Jugendamt und Familiengericht noch ein unbeschriebenes Blatt war. Er sei zum zuständigen Jugendamt gegangen, das in einem Nachbarlandkreis Chams liegt, wo die Familie damals wohnte, und habe dort vorgesprochen, um zu erfahren, wie nun das Zusammensein mit seiner kleinen Tochter geregelt wird. Man machte ihm Hoffnung, wie auch seine Anwältin: Es sei kein Problem, dass er Marina mit nach Hause bekommt, sie auch mal bei ihm übernachten könne, sagte ihm eine Mitarbeiterin. Seine damalige Frau sah das anders. Heraus kam die Erlaubnis, alle 14 Tage zwei Stunden in der Wohnung seiner Ex-Frau verbringen zu dürfen. Im zwei mal drei Meter großen Kinderzimmer – und nebenan seine Noch-Ehefrau auf der Lauer nach seinen Fehlern. „Das waren die grausamsten zwei Stunden, die man sich vorstellen kann“, sagt Norbert K. Immer sei es darum gegangen, sich bloß nicht provozieren zu lassen. Er habe danach nicht selten „geweint wie ein kleines Kind“. Marina sei für mehr noch zu klein, habe das Jugendamt ihm die Vorschrift begründet. Er habe dagegengehalten, dass das Kind von ihm entwöhnt werde – ohne Wirkung.

Im September 2005 sei dann die Scheidung besiegelt worden. Das „Schlimmste“ folgte, wie sich für ihn herausstellte: Ein Verfahrenpfleger sei als „Anwalt“ des Kindes von Amts wegen eingesetzt worden. Als Mediator gedacht, habe dieser Mann über die Jahre nichts getan – außer Geld gekostet, sagt Norbert K.. Wie ein „Sparschwein“ habe er ihn füttern müssen. Er habe schließlich konstatiert, dass die Beziehung zwischen den Eltern des Kindes nicht funktioniere. Was bei einer Scheidung keine Überraschung sei, sagt er.

Vier Stunden im Möbelhaus
2005 bekam Norbert K. die Zusage, nunmehr alle 14 Tage einen Samstag von 9 bis 18 Uhr mit Marina verbringen zu dürfen und ein Mal jede Woche vier Stunden. Vor allem die vier Stunden seien schwierig gewesen, da er aufgrund der langen Anfahrt nicht mit seiner Tochter nach Hause fahren konnte. Somit blieb nur ein Zusammensein in Baumärkten, Möbelgeschäften oder Cafés. „Man fühlt sich wie der letzte Dreck“, beschreibt der Lehrer seine Gefühlswelt dabei.

Als er einmal im Herbst 2005 mit seinen Eltern am vereinbarten Übergabeort auftaucht, um ihnen ihr Enkelkind zu zeigen, dreht seine Ex-Frau die Autoscheibe hoch und fährt mit Marina einfach davon. Weil er sich das nicht gefallen lassen will, geht er zur Polizei, zeigt seinen Sorgerechtsbescheid und erklärt den Beamten, seine Ex-Frau halte sich nicht daran. Doch mehr als ein Polizei-Anruf bei ihr kommt nicht heraus.

Etwas Hoffnung setzt Norbert K. in die Scheidungsverhandlung 2005. Und stellt fest, dass auch dies zu viel war. Es gebe zwei Hauptverhandlungsbereiche: den und den mit Kindern. Während der genau festgelegt sei, bleibe der Umgang schwammig. Der Richter habe erst gar nicht versucht, einen Kompromiss zu finden: „20 Minuten haben hier über das Schicksal des Kindes entschieden.“ Heraus kommt die bisherige Regelung: einen Samstag alle 14 Tage und vier Stunden die Woche.

Schrittweises Kennenlernen
Noch krasser sei es ab dem 20. Juli 2008 gekommen: Von da war jeder Kontakt mit Marina untersagt. Von seiner „Ex“. Seine Tochter wolle ihn nicht mehr sehen, sagte sie ihm. Also wieder zum Jugendamt. Das habe eine Erziehungsberatungsstelle als Mittler eingeschaltet. Immer wieder sei die Tochter durch die Mutter gegen ihn eingenommen worden.

Dabei ist seine Grundeinstellung für die Mutter als Schwerpunkt der Erziehung durchaus positiv: „Kinder sollten bei der Mutter bleiben – auch wenn ich denke, Vater und Mutter sind für Kinder gleich wichtig.“

Um wenigstens etwas von seiner Tochter zu haben, habe er sich auf die Minimallösung eingelassen. Doch auch die sei nie wirklich zustande gekommen. Immer wieder sei der Mutter etwas eingefallen, um Treffen abzusagen.

Schließlich sei es im Dezember 2008 zu einer neuen Verhandlung vor dem Familienrichter gekommen. Es lockte sogar eine mögliche Übernachtung beim Vater. Nur ein einziges Mal klappte dies. Die anfangs Erfolg ersprechenden Zusammenkünfte seien schließlich wieder am Widerstand der Mutter gescheitert. Daraufhin habe das Gericht eine „Trennungsberatung“ vorgeschlagen. Das sei ein Theologe der Caritas gewesen – gebracht habe es nichts.

Im September 2009 folgte die nächste Verhandlung. Da er so lange nicht mehr mit seiner Tochter zusammen gewesen sei, habe das Gericht ein schrittweises Kennenlernen angeordnet mit „Umgangsbegleitung“, einer Sozialpädagogin. Im Januar/Februar 2010 habe der Richter dann ein Gutachten angeregt. Da die Gutachterin, eine Diplom-Psychologin, dem Vater drei bis vier Termine pro Woche mit dem Kind in Aussicht stellt, geht er widerwillig darauf ein. Im Juni 2010 sei der erste gemeinsame Termin mit Tochter und Mutter gewesen. Weitere Umgangsverhandlungen folgen bis Ende Oktober 2010. Das Gutachten habe schließlich vorgelegen – angeschaut habe es der Richter nicht.

Nunmehr – sieben Jahre nach dem Beginn des Streits um das ist Norbert K. wieder am Anfang: alle 14 Tage zwei Stunden, zunächst sogar im Beisein der Ex-Frau. Installiert worden sei zudem noch eine „Umgangspflegschaft“, eine Person, die vom Jugendamt bestimmt ist. Im Sommer 2011 sei ihm wieder eine Übernachtung der Tochter in Aussicht gestellt worden. Freuen will sich der 40-Jährige darauf noch nicht – zu oft folgte die Enttäuschung: „Man hat einfach eine Nullerwartung.“

Er sei in den sieben Jahren innerlich um 20 Jahre gealtert. Es sei zermürbend. „Der Glaube an die Justiz ist weg“, sagt er. Richter hätten zu viel Macht – und würden, wie in seinem Fall, doch nichts machen. Wie eine Ordnungsmaßnahme werde hier einfach abgehakt. Ehrlichkeit und Offenheit hätten ihn nicht weitergebracht, „doch kann ich noch in den Spiegel schauen.“

„Aufgeben werde ich nicht!“
Was er nicht noch einmal tun würde, wäre, zum Jugendamt zu gehen. Er habe eine Vermittlung erwartet – doch hätten alle Organe versagt, „auf der Strecke bleiben die Kinder.“ Das Schlimmste sei für ihn bis heute der Moment der von seiner Tochter: „Vor fünf Minuten hast du noch gespielt und jetzt gehst du und weißt genau, dass das Kind das nicht versteht.“ Das ist für ihn genug Ansporn, weiterzukämpfen für mehr Zeit mit seiner Tochter: „Aufgeben werde ich nicht!“

Quelle: mittelbayerische.de – 14.03.2011 – von Christoph Klöckner
Link zum Pressebericht: www .mittelbayerische.de/index.cfm?pid=10059&pk=643237&p=1#643237

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Ein Kommentar zu “Ein Vater kämpft gegen Windmühlen”

  1. Peter schrieb:

    Hallo,
    das kenne ich nur zu gut, aber was soll man als Vater auch machen wenn die Mütter den Kindern über den Vater einen Berg von lügen erzählen undda sso lange das selbst die Kinder nicht einmal mehr fargen ob das war ist was die Mutter erzählt. Mein ältesten habe ich ich zuletzt im alter von drei Jahren gesehen ab da durfte ich nicht mehr auch keine Geschenke oder ähnliches schicken weil es ihr zu dumm wäre den jungen zu erklären woher das käme. Erstmals mit 14 Jahren erfuhr er das ich als Vater existiere weil sie sich scheiden ließ von dem wo mein Sohn angenommen hatte das es sein vater ist. Er hat soviel lügen von ihr gehört das er nicht mal mit mir eine E-Mail schreiben möchte. Mütter dürfen alles in der Gesellschaft und der Vater oder mann soll nur das zahlende mitglied sein, aber keine ansprüche stellen. Dann werden lügen über lügen von vielen Müttern erfunden. Und wenn man das Amt um hilfe fragt, kommt auch nichts bei herrum über zehn Jahre mache ich das schon mit.

    Eine Schwiegermutter in Spee sagte mal, so lernte ich sie kennen, “Männer sind nur gut zum Arbeiten um das Geld nach Hause zu bringen” , wären sie zu Hause gesessen hat und das Fernsehprogramm zu verfolgen oder sich gemeinheiten und intriegen ausdachte gegen mich.

    Im großen und ganzen haben viele Mütter und Frauen zu viel Rechte.Einerseits heist es Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern aber nicht in jedenfall. Was aber manchmal doch sinvoller wäre das Männer und Väter die selben rechte haben weil doch oft Mütter nachlässiger sind als Väter, aber die zu Hause sitzen und meinen der Vater muss Unterhalt zahlen wozu soll ich arbeiten. Nicht alle aber viele.
    Das ist der Politik überwiegend Männer sind finde ich auch scheiße aber so wie Frau Merkel entpuppt hat ist es auch nicht gerade lebenswert. Denn diese Frau hat vergessen woher sie stammt aber Geld und Rum scheint machen den Kopf zu vernebeln so das das menschliche auf der Stecke bleibt. Und so ist es dann wieder die Kehrseite des Vaters man will Vater sein und darf nicht wegen ein Berg der Lügen von den Müttern gegen den man als Vater nicht ankommt.

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