Der Beziehungs-Check für Paare in einer Krise
„Machen Sie den Beziehungs-Check“, fordert Ralph Dietl-Hühnermann Paare auf. Der Familientherapeut und Leiter des Evangelischen Beratungszentrum im Diakonischen Werk Würzburg möchte Paaren in der Krise helfen, sich über die Beziehung klarer zu werden, zu verstehen, wie es zu einer Dreiecksbeziehung kam und welche Bedeutung sie hat. „Folgende Fragen können dazu dienen, wieder miteinander ins Gespräch zu finden“, sagt der Fachmann.
• Soll die Außenbeziehung dazu dienen, aus der unbefriedigenden Ehe auszusteigen? Gibt es Hoffnung, dass sich die Ehe noch retten lässt, oder ist er/sie nur ablehnend? Wird durch die Außenbeziehung klar, dass ich mich trennen will?
• Soll die Außenbeziehung den eigenen Selbstwert bestätigen, der in der Partnerschaft eher abgewertet wird? Werde ich von der/dem Geliebten anerkannt, so wie ich bin, von meinem/meiner Partner/in dagegen nur kritisiert? Kann man nur in der Außenbeziehung sein, wie man ist?
• Was wurde aus unseren Idealen und Visionen, mit denen wir als Paar angetreten sind? Wodurch gingen sie verloren? Welche Vorstellungen konnten dem Alltag nicht standhalten, und was ist an ihre Stelle getreten?
• Gibt es eine Balance zwischen Sicherheit und Spannung? Wie gelingt es uns, in der Beziehung Sicherheit zu geben, ohne dass die Bindung als einengend erlebt wird? Wie viel individuelle Freiheit braucht jeder, ohne dass das Gefühl der Zusammengehörigkeit verloren geht?
• Gibt es eine Balance zwischen Pflicht und Lust? Wie sind die täglichen Pflichten verteilt? Wer sorgt sich um deren Einhaltung? Wer versorgt die Kinder und den Haushalt? Wer sorgt wie dafür, dass das Unternehmen Paar beziehungsweise Familie rund läuft? Welche Pflichten ergeben sich aus dem Beruf? Gleicht die Beziehung der Partner eher einer Eltern-Kind-Beziehung als einer Mann-Frau-Beziehung? Wo bleibt neben der Pflicht Zeit für Genuss und lustvolles Beisammensein? Können die unterschiedlichen Bedürfnisse ohne Angst mitgeteilt werden? Gibt es eine Sexualität, die beide befriedigt? Bleibt die Lebendigkeit zugunsten der Konventionen auf der Strecke?
• Gibt es einen Wechsel zwischen Dominanz und Anpassung? Eine Beziehung lebt vom Wechsel zwischen Dominanz und Anpassung. Wer dominiert in welchen Bereichen? Wer bringt wofür welche Fähigkeiten mit, werden sie anerkannt? Wer bestimmt was, und gibt es einen Wechsel und gegenseitige Anerkennung, oder überwiegt der ständige (Macht-)Kampf um die Führung? Wer setzt sich wie und wobei und womit durch? Wie war die Verteilung am Beginn der Beziehung, und wie hat sie sich wodurch im Laufe der Zeit entwickelt? Gibt es am Ende immer nur „Gewinner“ und „Verlierer“? Werden Auseinandersetzungen vermieden, um nicht der Unterlegene zu sein?
• Wie steht es um die Finanzen? Wer verdient den Unterhalt des Paares beziehungsweise der Familie? Wer verdient wie viel, und ergeben sich daraus Abhängigkeiten? Wer entscheidet, wofür das Geld ausgegeben wird? Wer verwaltet die Finanzen? Welche Rolle spielen die Finanzen?
• Gibt es einen Ausgleich zwischen Geben und Nehmen? „Die Verteilung zwischen Geben und Nehmen muss nicht auf derselben Ebene ausgeglichen sein“, sagt Ralph Dietl-Hühnermann. Entscheidend sei, ob in der Partnerschaft einer das Gefühl hat, dem anderen etwas schuldig bleiben zu müssen, sei es, weil er/sie zu wenig gibt oder der/die andere zu viel gibt und nicht Entsprechendes zurückbekommt.
Quelle: mainpost.de – 23.07.2009
Link zum Pressbericht: www .mainpost.de/nachrichten/journal/journal/Der-Beziehungs-Check-fuer-Paare-in-einer-Krise;art6164,5221071
Literaturtipp: Hans Jellouschek: „Warum hast du mir das angetan? Untreue als Chance“ (Piper).























