Bremen – Wenn Väter ihre Kinder nicht sehen dürfen

Gesprächsrunden für Väter, die ihre Kinder nur eingeschränkt sehen dürfen, sind in Bremen gut besucht„So liberal die Stadt auch ist, in Sachen für Väter ist sie sehr konservativ“, sagt Fredo Behrens vom Haus der Familie Mitte und belegt seine Worte mit Zahlen. Demnach haben 2007 nur Bayern, Baden-Württemberg und Berlin seltener das an Väter vergeben. 2008 befindet sich Bremen immerhin im unteren Mittelfeld der Statistik.
Vater Sven Tietjen (die Namen der Väter wurden von der Redaktion geändert) sieht seine Tochter alle zwei Wochen für vier Stunden beim Vätertreff in Walle. Nachdem sich seine Freundin kurz nach der Geburt des Kindes von ihm trennte, sah er seine Tochter sieben Monate gar nicht. Erst dann machte das Jugendamt die Treffen möglich. „Das wird mir ewig weh tun, dass ich diese Monate verpasst habe“, sagt Sven Tietjen. Er hat mit der Mutter das gemeinsame Sorgerecht. Dennoch sieht er die Dreijährige kaum. „ und inhaltliche Sorge sind zwei verschiedene Dinge“, erklärt Pädagoge Behrens.

„So viel Sorgerecht kann mir kein geben, wie es mir das Lächeln meines Sohnes gibt, wenn ich ihn abhole“, sagt Matthias Schmidt. Bereits während der Schwangerschaft ging die Beziehung zu seiner Freundin in die Brüche. Danach durfte er seinen Sohn alle 14 Tage für zwei Stunden sehen. „Das ist lächerlich“, sagt der Vater.

Bindung zum Säugling aufbauen
In so kurzer Zeit könne man keine Bindung zu einem Säugling aufbauen. „Das ist die alte Schule“, kommentiert Behrens die Entscheidung des Jugendamtes. „35 Mal sind die Treffen schon ausgefallen“, beklagt sich der Vater. Mal ist der Sohn angeblich krank, mal ein Urlaub geplant, mal eine Familienfeier. Noch heute wird Schmidt nervös, wenn das Telefon klingelt. Die Angst ist groß, die Mutter könne wieder ein Treffen absagen. Seit einem Gutachten vom letzten Oktober darf er seinen Sohn einmal acht und einmal drei Stunden in der Woche sehen.

Viele Väter ertragen die seltenen Treffen mit den Kindern nur schwer. Beim Vätertreff in Walle sind die vier Stunden am Vormittag schnell vergangen, erst zwei Wochen später sehen sich Vater und Kind wieder. „Oft setzen sich die Männer nach der Übergabe des Kindes in ihr Auto und heulen sich erst einmal aus“, sagt Behrens. „Mir gelingt es bei der Übergabe nicht einmal, traurig zu sein“, sagt Hannes Müller. Nur wenige Meter Luftlinie wohnen seine beiden Töchter von ihm entfernt, trotzdem besuchen ihn die Kinder nur alle zwei Wochen am Wochenende – für 48 Stunden.

Kinder befinden sich in einem „Loyalitätskonflikt“
Wenn die Mutter die Töchter bringt, traut er sich nicht, die Mädchen herzlich zu begrüßen. „Für die Kinder ist der Moment furchtbar“, sagt er. Oft würden sie regelrecht in ihre Zimmer fliehen. In der Vätersprechstunde hat Müller gelernt, dass die Kinder sich in einem „Loyalitätskonflikt“ befinden. „Die Kinder lieben Mutter und Vater“, sagt Behrens. „Um keinem weh zu tun, ziehen sie eine klare Trennlinie.“

Vätersprechstunde ist jeden zweiten Dienstag ab 20 Uhr im Haus der Familie Mitte, Fehrfeld 7. Alle 14 Tage sonnabends von 10 bis 14 Uhr betreut Fredo Behrens den Vätertreff im Haus der Familie Walle, Waller Heerstraße 229. Günter Jader veranstaltet donnerstags zwischen 19 und 21 Uhr in der Dünenstraße 2-4 eine Vätergruppe. Nähere Informationen sind unter der Telefonnummer 0421/3618284 erhältlich.

Quelle: weser-kurier.de – 06.09.2009 – Von Meike Lorenzen
Link zum Pressebericht: www.weser-kurier.de/Artikel/Bremen/Politik/30820/Wenn+Vaeter+ihre+Kinder+nicht+sehen+duerfen.html

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