Berlin/Brandenburg (14.04.2010): Kinder wollen keine Außenseiter sein
Beratungsstellen und Frauenzentren helfen binationalen Familien
Binationale Ehen gibt es in Berlin genug. Die Palette der Konstellationen ist sehr breit. Allein in der Hauptstadt ist jede vierte Partnerschaft binational, bundesweit jede siebte. Jedes dritte Kind, das geboren wird, hat Eltern unterschiedlicher Nationalitäten. Für diese Familien ist die Erziehung der Kinder wie für jede Familie eine Herausforderung. »Dennoch kommen einige Besonderheiten wie zum Beispiel unterschiedliche Sprache, Religion, Kultur, Erziehungskonzepte, Reaktionen der Umgebung hinzu«, erklärt Tatjana Lima Curvello, Geschäftsführerin des Verbandes binationaler Familien und Partnerschaften in Berlin, bei einer Veranstaltung der Reihe »Kindererziehung im interkulturellen Kontext« im Frauenzentrum S.U.S.I.
Die Reihe des Frauenzentrums wurde gemeinsam mit dem Interkulturellen Frauenhaus Berlin konzipiert und fand großen Zuspruch.
Patentrezepte gab es an diesem Abend nicht, dafür aber viele Denkanstöße, Anregungen und Fragen. »Die typischen Probleme von bikulturellen Familien kann ich nicht nennen, weil es die typische bikulturelle Familie nicht gibt«, meint die Soziologin Lima Curvello. Paaren, die einen binationalen Alltag leben, Hilfen zu geben und Partner zu sein, sind Anliegen des Verbandes. Er setzt sich für die soziale und rechtliche Gleichstellung von Menschen ungeachtet der Hautfarbe und kulturellen Herkunft ein.
Der gemeinnützige Verein ist seit 1972 in 25 Städten Deutschlands aktiv und hat sich von einer Interessengemeinschaft der mit Ausländern verheirateten Frauen (iaf) zu einem interkulturellen Familienverband entwickelt, dessen Beratungsangebote sich an deutsch-ausländische Paare ebenso richten wie an eingewanderte Familien mit und ohne deutschen Pass.
»Kinder sind sehr kreativ, wenn sie mit unterschiedlichen Kulturen umgehen müssen«, weiß Lima Curvello aus ihrer eigenen Biografie und ihrer Arbeit. »Schwierigkeiten entstehen erst, wenn die Gesellschaft damit Schwierigkeiten hat.« Für die Soziologin spielen die Eltern eine große Rolle. Die Selbstsicherheit färbt auf den Nachwuchs ab, ebenso aber auch deren Orientierungslosigkeit und Identitätsprobleme. Kinder, Mütter und Väter gehen oft unterschiedlich mit dem Anderssein um. »Kinder wollen keine Außenseiter sein, und in Berlin mit seinen vielen multikulturellen Bezirken hat man Möglichkeiten, sie unterzubringen, damit sie sich nicht als solche fühlen«, meint die Geschäftsführerin des Verbandes.
Die Diskussion am Abend zeigt jedoch, dass nicht allein die Eltern verantwortlich sein können, wenn die Kinder Probleme haben. Von Kitas und Schulen wird erwartet, dass sie erklären, »wie die Welt aussieht und dass es Kinder unterschiedlicher Hautfarbe gibt«. Mehr noch, die interkulturellen Ressourcen, die diese Kinder mitbringen, sollten dort weiter entwickelt werden. Auch dabei brauchen viele Eltern Hilfe, die sie in solchen Beratungsstellen wie der des Verbandes oder auch beim interkulturellen Frauenzentrum S.U.S.I. von Anwälten und Psychologen bekommen.
Neben ganz konkreten Beratungen zum Ausländer- und Familienrecht wird dort auch ihr Selbstbewusstsein gestärkt. Außerdem werden ihnen Chancen gezeigt, die bikulturell erzogene Kinder haben können. »Wichtig ist es, sich auf seine eigenen Kräfte, seine Ressourcen zu besinnen, solange Schule und Gesellschaft sich nicht ändern«, meint Tatjana Lima Curvello.
Informationen: www.verband-binationaler.de; www.susi-frauen-zentrum.com
Quelle: neues-deutschland.de – 12.04.2010 – Von Uta Herrmann
Link zum Pressebericht: www .neues-deutschland.de/artikel/168864.kinder-wollen-keine-aussenseiter-sein.html























