Auf dem Rücken der Kinder

Scheidungen laufen selten ohne Reibungen ab. Speziell wenn Kinder mit im Spiel sind. Das bestätigte einmal mehr die Telefonaktion des „Kölner Stadt-Anzeiger“ zum Thema ohne Schlammschlacht. Die Fragen im Überblick.

Wenn sich ein Paar trennt, sind es meistens die Kinder, die am meisten darunter zu leiden haben. Das haben die vielen Anrufe bei unserer Telefonaktion zum Thema „Scheidung ohne Schlammschlacht“ gezeigt. Für die Kinder ist es am schwierigsten, sich an ein neues Umfeld zu gewöhnen und zwischen ihren hin- und hergerissen zu sein. Nicht selten versuchen die , die Kinder auf ihre Seite zu ziehen und gegen den Noch-Partner aufzuhetzen.

Manchmal werden Tochter oder Sohn auch als Überbringer von Botschaften missbraucht: Sie müssen Zettelchen überbringen oder (schlechte) Nachrichten mitteilen. Die fehlende Kommunikation scheint das größte Problem zwischen den Paaren zu sein. Das zeigte zum Beispiel diese Frage einer Anruferin: „Mein Mann ist ausgezogen, ab wann darf ich ein neues Schloss einbauen?“ Als Diplom-Psychologin Juliane Arnold der Frau vorschlug, doch einfach ihren Ex-Mann darum zu bitten, die Schlüssel zurückzugeben, sagte diese: „Ach so, stimmt. Daran habe ich noch gar nicht gedacht.“ In solchen eingefahrenen Situationen können neutrale Berater helfen, einen Schritt nach vorn zu gehen, sich aus dem Patt zu lösen und die wichtigsten Schritte, die bei einer Trennung zu beachten sind, anzupacken.

Kinder können und sollen diese Fehlkommunikation zwischen ihren Eltern nicht ausgleichen: Die Erwachsenen sollten ihren Streit untereinander ausmachen und die Kinder möglichst außen vor lassen. Darin waren sich die drei Expertinnen unserer Telefonaktion – Diplom-Psychologin Dr. Juliane Arnold, Heilpädagogin Vera Lindenthal und Mediatorin Annette Löning vom Institut für „KoKon“ in Köln- einig. Doch auch für Paare ohne Kinder ist es nicht leicht, sich so harmonisch wie eben möglich zu trennen.

Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Scheidung ohne Anwalt – geht das?

Ganz ohne geht es nicht, aber ein Anwalt reicht für beide, wenn sich das Paar einig ist. Der Anwalt des einen muss den Scheidungsantrag stellen, der andere Partner vertritt sich selbst.

Wie viele Jahre kann man eine Scheidung hinauszögern?

Drei Jahre. Danach kann eine Scheidung auch gegen den Willen des Partners vollzogen werden.

Habe ich nach der Trennung trotzdem Ansprüche auf das Haus?

Klare Antwort: Ja.

Die Mutter zieht zu ihrem neuen Lebenspartner, die elfjährige Tochter soll mit, will aber lieber bei dem Vater bleiben. Der sagt, sie müsse nicht umziehen, wenn sie nicht wolle. Wer darf dann entscheiden, wo die Tochter bleibt?

Das ist eine klare Elternentscheidung. Aber die Wünsche des Kindes sollten unbedingt mit einbezogen werden. Hinter dem Verhalten der Tochter steckt vor allem Angst, darüber sollten die Eltern mit ihr reden. Ein Vorschlag wäre, die Tochter nach dem Umzug immer wieder für längere Zeitspannen beim Vater wohnen zu lassen oder ihre anzubieten, den Umzug wieder rückgängig zu machen, wenn es gar nicht klappt.

Was bedeutet es für Kinder, ihre gewohnte Umgebung verlassen zu müssen und woanders neu anzufangen?

Für Kinder ist es auf jeden Fall besser, wenn sich nicht alles auf einmal ändert und einige Stützen bleiben. Die Trennung ist für sie schwierig genug, kann aber besser verkraftet werden, wenn das alte Umfeld – Schule, Wohnung, Freunde – erhalten bleibt. „Die gewohnte Wohnung ohne den Vater (oder die Mutter) ist immer noch besser, als eine ganz neue Wohnung”, sagt Juliane Arnold. Oft hätten nur die Eltern das Bedürfnis nach einem Neuanfang. Dies sei von den Wünschen der Kindern klar zu trennen.

Wann sagt man den Kindern, dass sie ihr gewohntes Umfeld verlassen müssen?

Erst, wenn es wirklich entschieden ist und ein Termin feststeht. Aber auch nicht zu kurz vorher. Wenn die Kinder beispielsweise zum nächsten Schuljahr die Schule wechseln müssen, sollten die Eltern ihnen das spätestens nach den Osterferien mitteilen.

Der Vater benutzt den 17-jährigen Sohn als Boten für Nachrichten an die Mutter. Deren Ärger über die Zettel, die er ihr bringt, bekommt auch der Sohn zu spüren.

Der Sohn darf nicht als Nachrichten-Überbringer instrumentalisiert werden, auch, wenn er schon 17 ist. Die Eltern müssen das auf ihrer Ebene regeln. Wenn es nicht mehr am Telefon geht, weil das Gespräch zu schnell in Streit ausartet, kann eine E-Mail oder ein Brief helfen. Sinnvoll ist auch, sich an einem neutralem Ort – etwa in einem Café – zu treffen, weil man sich da mehr beherrschen muss. Wenn gar nichts mehr geht, sollte man einen neutralen Berater hinzuziehen.

Der andere macht mich vor den Kindern schlecht, boykottiert und provoziert mich. Auch Jahre nach der Scheidung versucht er, es mir so schwer wie möglich zu machen.

Die Eltern sollten den Kindern zuliebe einen Waffenstillstand schließen und nicht alle Munition verschießen, die sie haben. „Eltern bleibt man das ganze Leben. Wenn man schon kein Paar mehr ist, könnte man zumindest versuchen, ein Eltern-Team zu werden“, sagt Expertin Vera Lindenthal.

Seit die Tochter 18 ist, überweist der Vater den direkt an sie und nicht mehr an die Mutter. Er verlangt von der Tochter zudem, die Höhe des Unterhalts mit ihm direkt zu verhandeln. Zusätzlich sät er damit Streit zwischen Mutter und Tochter, wo vorher keiner war: Die Mutter bekommt kein Geld mehr, der Vater sagt ihr, sie müsse der Mutter nichts abgeben.

Die Tochter wird in einen Konflikt gestürzt. Das Geld steht nun zwischen allen. „ bedeutet auch, dass die Kinder Geld für Wohnen und Essen an den Elternteil abgeben, mit dem sie zu Hause leben“, stellt Juliane Arnold klar. Die Tochter sollte sich von einem neutralen Dritten beraten lassen. Ein kann die finanziellen Fragen zur Höhe des Unterhalts klären.

Quelle: ksta.de – 22.03.10 – Von Tanja Wessendorf
Link zum Pressebericht: www .ksta.de/html/artikel/1264185985829.shtml

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