Mecklenburg-V. (25.07.2009): Andrang beim Schlichter
Immer mehr Menschen einigen sich bei Streitigkeiten außergerichtlich. Die Zahl der Mediationen hat sich in den vergangenen drei Jahren vervierfacht. Das spart den Gerichten Zeit und Aufwand. In Güstrow gibt es solch eine Stelle allerdings noch nicht.
Bis zu zehn Anfragen hat die Mediationsstelle Rostock, die auch im Landkreis Güstrow tätig ist, pro Woche. “Wir spüren einen deutlichen Zuwachs bei der Mediation”, sagt Roland Straube, selbst Mediator und Ausbilder in der Region. Seine zehn Mitarbeiter haben gerade viel Arbeit. Der Grund für die steigende Nachfrage: “Mediation wird immer bekannter und führt in den meisten Fällen zu einem erfolgreichen Ergebnis”, sagt Straube. Und er sieht weiteren Auftrieb, denn ab September gilt das neue Familienrecht. Darin heißt es, dass Gerichte die Streitparteien zunächst an außergerichtliche Mediation verweisen sollen, um sich selbst zu entlasten.
Im Zentrum für Praxis und Theorie der Jugendhilfe in Schabernack bestätigt man diesen Trend. Hier werden regelmäßig Mediatoren in einer zweijährigen Ausbildung geschult. “Unsere Kurse werden immer stärker nachgefragt”, sagt Ina Schütt, Bildungsreferentin in Schabernack. Der erste Kurs war schnell ausgebucht, ein weitere beginnt im Januar 2010. Dazu findet am 17. Oktober eine Informationsveranstaltung statt. Ina Schütt ist selbst Mediatorin und wird immer öfter angefragt. “Ob Nachbarschaftsstreit oder Ehekonflikt – Mediation bietet eine außergerichtliche Einigung, da wo es geht”, sagt sie. Dabei handele es sich nicht um eine Rechtsberatung. Es weder eine so genannte Win-Win-Lösung angestrebt. “Nach der Mediation sollen beide ein gutes Gefühl haben”, so Ina Schütt.
Mit Vehemenz bieten auch bereits das Landgericht und das Oberlandesgericht Rostock Mediation an. “Wenn die Klage bei Gericht eingeht, gibt es gleich Informationen zu einer Mediation”, weiß die Güstrower Rechtsanwältin Sabine Fahl, die an zahlreichen Gesprächen mit ihren Mandaten teilgenommen hat. Ihre Erfahrung: “Es funktioniert fast immer.” Sie hält Mediation für sinnvoll. “Das sollte ausgeweitet werden.” Es spare den Gerichten Zeit und Aufwand, den Mandanten die Gerichtskosten.
Keine Mediation am Amtsgericht Güstrow
Doch am Amtsgericht Güstrow gibt es noch keine Mediation. Konfliktparteien, die ein solches schlichtendes Gespräch im Familienrecht suchen, werden nach Rostock verwiesen. In der Hansestadt und in Bad Doberan verfügen die Amtsgerichte bereits über Richter, die ausgebildete Mediatoren sind (SZ berichtete). “Ich hätte gerne einen Mediator. Das wäre vorteilhaft”, sagt die Güstrower Amtsgerichtsdirektorin Annamaria Düvel. Eine gütliche Einigung im Vorfeld sei besser. “Die Parteien finden so eigenständig eine Lösung und arbeiten gleichzeitig ihre tiefergründigen Probleme auf. Denn das was in den Akten steht ist ja oft nur die Spitze des Eisbergs”, sagt sie.
Hintergrund: Begriff Mediation
Mediation (lat. “Vermittlung”) ist ein strukturiertes freiwilliges Verfahren zur konstruktiven Beilegung oder Vermeidung eines Konfliktes. Die Konfliktparteien wollen mit Unterstützung eines neutralen Mediators zu einer gemeinsamen Vereinbarung gelangen, die ihren Bedürfnissen/Interessen entspricht. Der Mediator moderiert das Verfahren lediglich.
Quelle: svz.de – Von Jens Griesbach – 25. Juli 2009
Link zum Pressebericht: www .svz.de/lokales/buetzow/artikeldetails/article/216/andrang-beim-schlichter.html























